MARCELLO MIO von Christophe Honoré

Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve © frenetic

Chiara Mastroianni verwandelt sich in ihren Vater Marcello, zur Verblüffung ihrer Mutter Catherine Deneuve. Zwei weitere der Männer aus dem Leben der Chiara, der Sänger Benjamin Biolay und der Schauspieler Mélvil Poupaud, spielen ebenfalls mit in der wunderbaren Charade.

Fabrice Luchini, der es stets bedauert hat, nie mit Marcello auf der Leinwand gewesen zu sein, bietet sich dem neuen Marcello als Freund durch dick und dünn an.

Chiara Mastroianni © frenetic

Und schuld am Ganzen ist die Regisseurin und Schauspielerin Nicole Garcia (im Film), welche Chiara bei einem Casting für eine Rolle, die sie dann schliesslich mit Léa Seydoux besetzt, darauf hinweist, dass sie von ihr beim Spielen mehr Mastroianni und weniger Deneuve erhofft hatte.

Christoph Honorés fein gesponnenes Wechselbild ist ein perfekter Film für das Festival von Cannes. Da sind die dynastischen Verknüpfungen des französischen Kinos in selbstironischer Glorifizierung Teil der Filmgeschichte.

Chiara Mastroianni © frenetic

Das Nepo-Baby Chiara (das sie definitiv nicht ist, die Frau hat einen Leistungsausweis als Schauspielerin, der daran keinen Zweifel lässt), spinnt die Vatersehnsucht mit dem Ensemble zusammen zur liebevollen Hommage an Mastroianni (der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre).

Das ist längst nicht der erste Film, in dem Mama Deneuve und Tochter Chiara gemeinsam auftreten, und auch nicht der erste, der die komplexen Verhältnisse ironisch aufdröselt.

Fabrice Luchini, Chiara Mastroianni © frenetic

Das Mutter-Tochter-Verhältnis wird liebevoll angespitzt; die beiden Frauen haben offensichtlich genügend Selbstironie, um das Spiel sehr weit zu treiben.

Wenn etwa Chiara Mastroiannis Mobiltelefon den Walkürenritt spielt, wann immer die Mutter anruft.

Oder wenn Catherine Deneuve am Telefon ihre Anwesenheit in Chiaras Wohnung damit erklärt, dass sie ihre grünen Ohrringe gesucht habe, welche die Tochter ausgeliehen habe, worauf die erklärt, die lägen in der Schublade des Nachtisches, nur um von der Mutter zu hören, dass sie sie da bereits gefunden habe…

Das Spiel mit dem eigenen öffentlichen und privaten Bild all dieser Schauspielerinnen und Schauspieler erinnert einerseits an das Konzept der grossartigen Erfolgsserie Dix pour cent, geht aber weit darüber hinaus.

Chiara Mastroianni © frenetic

Denn dieser Film ist nicht nur eine Hommage an Marcello Mastroianni und all seine Filme. Es ist auch ein schönes Spiel mit der Sehnsucht der Tochter und deren Mutter nach dem Menschen Marcello.

Und der Film ist ein Bild für die Kontinuität des Kinos, für die Perpetuierung der Bilder und Geschichten über Generationen hinweg, für die Einflüsse, welche die Filme auf unser Leben haben und unser Leben auf die Filme.

Und schliesslich ist Marcello Mio auch einfach ein ganz grosses, liebevolles Vergnügen.

Eine Antwort auf „MARCELLO MIO von Christophe Honoré“

  1. Diesen bauchpinseligen Film (der Deneuve-Mastroianni Clan spielt sich selbst…) mit der Komplizität vom selbst gar nicht eitlen Honoré – es geht in den meisten seiner Filme um ihn selbst oder seine Familie – und dazu noch Monsieur „Figaro“ Lucchini kann man sich sparen. Das ist weder originell noch relevant für die Filmgeschichte.

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