
Die verschroben komischen, alltagspoetischen Familienfilme von Bruno Podalydès gehören seit Jahren zu den verlässlichen Werten der französischen Leinwandkleinkunst. Stets ist Bruder Denis mit von der Partie, in der Regel auch Florence Muller, fast immer die wunderbare Sandrine Kiberlain, oder dann Karin Viard, Josiane Balasko oder auch Agnès Jaoui. Podalydès-Filme sind kleine Kopfreisen, wilde Trips in Gestalt bescheidener Ausflüge, wie etwa die Binnen-Paddelei Comme un avion von 2015 oder Les deux Alfred von 2021.
La petite vadrouille, der jüngste dieser Familienausflüge, ist nun allerdings allzu bescheiden ausgefallen.
Dabei hätte der bei Billy Wilders The Appartment geliehene Plot durchaus seinen Reiz: Justine (Sandrine Kiberlain) bekommt von ihrem Boss Franck (Daniel Auteuil) vierzehntausend Euro mit dem Auftrag, für ihn ein romantisches Wochenende mit einer potentiellen Geliebten zu organisieren.

Mit ihrem Mann Albin (Denis Podalydès) tüftelt Justine dann aber einen Plan aus, mit Hilfe von Freunden und Nachbarn für höchstens die Hälfte des Betrages eine intime romantische Kanalfahrt mit Champagner-Picknick, Serenaden-Diner und Kabinenübernachtung vorzubereiten. Was sie allerdings nicht ahnt, im Gegensatz zum Kinopublikum: Am Tag des Ablegens steht Franck ohne Begleitung am Flussufer bereit, das Ziel seiner Bemühungen ist Justine.
Damit sind natürlich die Weichen gestellt für eine boulevardeske Eifersuchtskomödie, Ehemann Albin als angeblicher Luxustour-Veranstalter wird zum heimlichen Antagonist und Justine selbst muss die Scharade aufrecht erhalten, aus Angst um ihren Job und weil sie und ihr Mann den mitspielenden Freunden schon ihren Anteil versprochen haben.
Gedreht wurde in der Nièvre (Canal du Nivernais, Chatillon-en-Bazois, Voute de la Collancelle); Bruno Podalydès gibt den Kabinenkreuzer-Kapitän in prächtiger Uniform und mit absurder Professionalität, während die anderen von Schleuse zu Schleuse voraus radeln, Food-Stände auf- und abbauen, und Justine den Boss gleichzeitig auf Distanz und bei Laune halten muss.
Das sommerliche Open-Air-Äquivalent einer Kleinkunst-Türenschletzer-Bühnenkomödie hätte funktionieren können, hätte sich Podalydès nicht allzu sehr auf die bewährten Ensemble-Qualitäten seiner Film-Familie verlassen. Die wilden Schwankungen im Humorniveau im Mix mit den typischen, poetisch-leisen, diesmal aber allzu dünn gesäten Bild- und Szeneneinfällen über- oder unterfordern die Darstellerinnen und Darsteller und ermüden das Kinopublikum ziemlich rasch.
Kinostart am 15. Mai 2025
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