DALLOWAY von Yann Gozlan

Cécile de France ist Clarissa in ‚Dalloway‘ © Pathé Schweiz AG

Wenn gleich zwei Drehbuchautoren und eine Autorin gemeinsam beweisen, dass sie schlechtere Dialoge hinkriegen als die gängigen Instanzen der künstlichen Intelligenz, dann war das Filmprojekt lange unterwegs. Oder nicht lange genug. Oder es steckt eine raffinierte Ironie dahinter. Aber dafür nimmt sich der ganze Film viel zu ernst.

Eigentlich hätte der Plot von Dalloway durchaus Potential für einen cleveren Thriller. Cécile de France spielt Clarissa, eine einst erfolgreiche Jugendbuchautorin, die seit dem Suizid ihres Sohnes unter Schreibblockade leidet. Darüber hinweg helfen soll ihr eine KI-Assistentin während einem längeren Aufenthalt in der futuristischen Ludovico-Kunstförderresidenz.

‚Dalloway‘ © Pathé Schweiz AG

Clarissas Projekt: Ein Buch über die letzten Stunden der Autorin Virginia Woolf, bevor sich diese das Leben nahm. Da passt es natürlich, dass die von Mylène Farmer gesprochene KI auf den Namen Dalloway hört, wie die Heldin von Virginia Woolfs viertem Roman «Mrs. Dalloway» (die übrigens auch Clarissa heisst). Allerdings fühlt sich Clarissa von Dalloways zunehmend persönlichen Fragen bald bedrängt und genötigt. Zusammen mit dem von einem anderen Residenzkünstler (Lars Mikkelsen) geäusserten Verdacht, die KI werde darauf trainiert, die Künstler zu ersetzen, wird das bald zu viel für die angeschlagene Clarissa. Sie steigert sich in eine eigentliche Paranoia.

Und da wären wir dann beim klassischen Paranoia-Thriller, der vom klassischen Kalauer lebt: Bloss weil bei Dir Paranoia diagnostiziert wurde, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.

Yann Gozlan melkt das Prinzip für Dalloway weit über die Schmerzgrenze hinaus. Und auch das hätte mit etwas mehr Raffinesse zu einer ironischen Schleife werden können. Schliesslich sind die alle angelegt im Projekt. Da wäre etwa der Name dieses Ludovico-Arts-Centers. Der verweist auf die von Autor Anthony Burgess über Kubricks A Clockwork Orange unsterblich gemachte Extremform der Aversionstherapie, die Ludovico-Methode, mit der der gewalttätige Alex dazu gebracht wird, auf Gewalt mit extremer Übelkeit zu reagieren.

Cécile de France ist Clarissa in ‚Dalloway‘ © Pathé Schweiz AG

Aber all die schönen Referenzen nützen nichts, wenn die Figuren so flach bleiben wie in diesem Film. Cécile de France kommt nie über den waidwunden Blick der leidenden Kreatur hinaus. Sobald sie es auch nur ansatzweise versucht, machen die platten Sätze des Drehbuchs ihre Anstrengung zunichte. Und auch der stets verlässlich aufspielende Lars Mikkelsen ist verschenkt, wenn er Sätze von sich geben muss, welche von einer Schwachstromversion von Chat GPT geschrieben sein könnten.

Und genau da hätte dieser Film so etwas wie selbstreferentiellen Meta-Biss entwickeln können, mit einer Schleife mehr.

Der Schweizer Regisseur und Autor Peter Luisi hat es vorgemacht. Mit dem Gutschriften-Gewinn seiner enorm erfolgreichen Komödie Bonjour Ticino hat er das komplett von Chat GPT geschriebene Drehbuch zu The Last Screenwriter verfilmt und damit die Möglichkeiten, aber auch die Schwächen der KI auf sehr experimentelle Art demonstriert. Auch The Last Screenwriter ist kein wirklich guter Film. Aber darum ging es da ja auch.

Dalloway ist aufwändig inszeniert, mit futuristischen Details und einem aufdringlichen Score. Dass Netflix an der Produktion beteiligt war, ist klar zu sehen und zu hören. Aber vielleicht ist genau da auch die Langeweile zu verorten, welche der Film über längere Strecken verbreitet: Das soll alles nicht allzu komplex daherkommen – Mission accomplished.

Kinostart Romandie zusammen mit Frankreich am 17. Sept. 2025
Deutschschweiz noch offen.


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