
Das Genrekino, insbesondere der Horrorfilm, hat im Prinzip die LLM (Large Language Models) der nun allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz vorweggenommen. Besteht die dramatische Kunst dabei doch bei beiden in der immer wieder neu arrangierten Kombination bekannter Elemente nach einer evolutionären Grammatik. In ihrer primitivsten und inflationärsten Ausprägung hat sie zu Monster-Paarungs-Filmen wie King Kong vs. Godzilla (1963) geführt, oder zu den von spekulativer Ironie getriebenen Kombi-Präparaten wie Desaster-Movie plus Creature-Feature, etwa Sharknado von 2013.
Wenn sich Haie mit Tornados paaren lassen, liegt es auf der Hand, das auch mit dem Hai-Horror und dem Serienkiller-Film zu versuchen. Und genau das macht Dangerous Animals. Effizient, brutal, blutig und (fast) durchgehend erstaunlich spannend.
Dangerous animals folgt den strukturellen Konventionen des Genres mit einem überraschenden Auftakt, der mit gekonnt knappem und vielversprechend ironischem Humor den zentralen Killer etabliert. Dann erst werden seine Antagonisten eingeführt.

Zephyr (Hassie Harrison), die us-amerikanische Surferin, ist mit ihrem klapprigen Wohnmobil an Australiens Golden Coast unterwegs, auf der Flucht vor Bindungen und sich selbst. Mit Moses, dem etwas verlorenen Sprössling einer Immobilienmaklerin, findet sie spontanen Sex und eine Nähe, vor der sie fast sofort wieder flüchtet, mehr oder weniger direkt in die Gefangenschaft und prospektive Verfütterung auf dem Boot des haibesessenen Touristentauchunternehmers Tucker.

Ein simpler, gradliniger Plot, der durch die Parallelführung der Gefangenschaft und Fluchtversuche von Zephyr und der zunächst anhaltspunktlosen Suche des verliebten Moses nach der jungen Frau an Land spannungsvoll portioniert wird.
Dazu kommt die Figurenzeichnung, welche den Protagonisten gerade genügend Hintergrund und Persönlichkeit verleiht, dass sie einem ans Herz wachsen, mit Ausnahme des Killers natürlich, der angemessen schemenhaft bleibt, bis auf die obligat toposhafte Persönlichkeitspiegelung zwischen Killer und wehrhaftem Opfer.

Neben der effizient getakteten, schlanken Spannungsdramaturgie überrascht an Dangerous Animals die weitgehend unironisch eingesetzte klassische Plotmechanik. Die längst genreübliche Meta-Ironie spielt für einmal nicht mit umgepolten Standardsituationen, dafür aber durchaus auf der Dialogebene und auf einem cleveren Pop-Level, etwa wenn der Youtube-Hit Baby Shark für einen unerwarteten Überraschungsmoment eingesetzt wird.
Dazu passt auch die Ironie des Titels, welche zugleich eine klare Ansage gegen die filmische Dämonisierung des Hais darstellt. Die gefährlichsten Tiere sind natürlich nach wie vor die Menschen.
Dangerous Animals ist grundsolides Genrekino, bissig inszeniert von einem etablierten Profi, in dessen kunstfertige Hände man sich wohl auch dann bereitwillig begeben würde, wenn er statt Filmemacher Zahnarzt geworden wäre.
Im Kino ab 11. September 2025
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