
Know your Guru? Bhagwan? Osho? Maharishi? – Ich kriege die immer durcheinander, die inspirierenden Inder der Hippiezeit. Und darum habe ich auch zunächst gestutzt über die Ankündigung von Felice Zenonis Dokumentarfilm über das einstige Guru-Zentrum im zentralschweizerischen Seelisberg.
Hatten wir das nicht schon mal? Wenn es Ihnen ähnlich geht: Ich habe es aufgedröselt. Hier:
Felice Zenonis neuer Dokumentarfilm über die Jahre, in denen das kleine Dorf Seelisberg von den Anhängern der transzendentalen Meditation überrannt worden war, dreht sich um Maharishi Mahesh Yogi (ca. 1918–2008). Und im Kern ist das eine gut illustrierte Dokumentation über den Zusammenprall einer globalen sektenähnlichen spirituellen Bewegung mit gutschweizerischer Bodenständigkeit. Entsprechend unterhaltsam sind die nun ins Kino kommenden 94 Minuten.

Der andere Schweizer Guru-Dokumentarfilm, den ich in bester Erinnerung habe, heisst Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard, stammt von 2010 und wurde von Sabine Gisiger und Beat Häner gemacht.
Und der dreht sich um Bhagwan Shree Rajneesh (1931–1990), der sich später «Osho» nannte. Anders als der Maharishi hat Bhagwan seinen Ashram, sein globales Zentrum nicht in der Schweiz aufgezogen, sondern zunächst im indischen Poona und später im us-amerikanischen Oregon.
Die Verbindung in die Schweiz, die auch in diesem Dokumentarfilm zentral ist, ist jene über seine rechte Hand, Sheila Birnstiel, welche heute im Baselbieter Maisprach ein Pflegeheim leitet.
So wie die Anhänger des Maharishi in Seelisberg für Unruhe sorgten, war auch Sheila Birnstiel in der basellandschaftlichen Gemeinde eher misstrauisch empfangen worden, unter anderem, weil sie in den USA wegen krimineller Machenschaften von Bhagwan angezeigt worden war und danach etliche Jahre im Gefängnis verbracht hatte.
Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard war ein akribisch recherchierter Dokumentarfilm über eine transkontinentale Sekte mit kriminellen Elementen. In Oregon spielten sich in grösseren und verrückteren Dimensionen ähnliche Machtkämpfe zwischen der lokalen Bevölkerung und den Sekten-Anhängern ab, wie sie Namaste Seelisberg nun schweizerisch eingedampft und, im Rückblick, auch fast schon niedlich nachzeichnet.

Was nicht heissen soll, dass Zenoni mit Namaste Seelisberg weniger sorgfältig arbeiten würde. Ihn interessieren einfach zuerst und zuvorderst die Reibungsflächen zwischen den überkorrekten schweizerischen Verhältnissen und der bombastisch-globalisierten Bewegung, welche Maharishi Yogi, auch bekannt als der «kichernde Guru» mit seiner transzendentalen Meditation (TM) aufgezogen hatte – auch mit früher Gratiswerbung durch die Beatles (welche, was im Film auch kurz aufgenommen wird, die Vermarktungsmaschine bald eher kopfschüttlend wieder hinter sich gelassen hatten).
Zenoni bleibt in Seelisberg, bis auf ein paar notwendige Ausflüge, etwa in die Niederlande, wohin Maharishi Mahesh Yogi sein Zentrum verlegt hatte, nachdem die Schweizer Behörden endlich einen Weg gefunden hatten, seine stets nur temporäre Einreisebewilligung zu kappen.
Wie der Titel des Films besagt, ist das im Kern auch eher ein Dokumentarfilm über Wandel und Beständigkeit einer Schweizer Gemeinde in der zentralschweizerischen Landschaft, vom ersten Niedergang nach der grossen Zeit des Jahrhundertwende-Alpentourismus, über den Aufkauf der leerstehenden Hotels durch die gut betuchte Anhängerschaft des Gurus bis zur Gegenwart, in der die nun ebenfalls lange Zeit wieder leerstehenden Gebäude von der Stiftung verkauft wurden und einer neuen Investitionswelle unterzogen werden – was im Dorf auch wieder neue Hoffnungen und Ängste weckt.

Zenoni hat ein paar wunderbare Kronzeugen für seinen Film gefunden, allen voran den langjährigen Hausmeister der Hotelanlagen in Seelisberg, Hermann Zwyssig, sowie die Insider Felix Kägi, den internationalen Leiter der TM-Bewegung, sowie Maria und Otto Odermatt, die über vierzig Jahre lang die Akademie für Transzendentale Meditation (TM) in Seelisberg leiteten. Oder den Basler Lukas Böhler, der im Film noch immer staunend darüber lacht, wie er unter anderem eher zufällig zum lokalen Chauffeur für den Maharishi geworden war.
Mit der Amerikanerin Susan Shumsky hat Zenoni aber auch eine Kronzeugin, die sich von einer einstigen glühenden Verehrerin zu einer sehr rationalen Kritikerin gewandelt hat, und mit dem langjährigen Sekten-Experten des Tages-Anzeigers, Hugo Stamm, eine einordnende Stimme, welche ein Gegengewicht bietet zu den nach wie vor überzeugten Anhängern.

Wobei besonders wohltuend und sehr typisch für Zenonis filmische Haltung der Umstand hervorsticht, dass Stamm von Kägi, mit dem er zu den Hochzeiten der Bewegung in Seelisberg auch bei Tele-Züri schon die Klingen gekreuzt hatte, rückblickend nicht einfach zum Gegner erklärt wird, sondern eher zu einem, der den Weg zur Zufriedenheit nicht gefunden hat – was unweigerlich wieder an die Archivaufnahmen des Maharishi denken lässt, der tatsächlich kritische oder unangenehme Fragen auch vor der Kamera jeweils einfach weggekichert hatte. Etwa die nach dem massiven Bargeldschmuggel, welche seine Anhänger quer durch Europa organisiert hatten.
Namaste Seelisberg ist in der Tat eine dokumentarische Culture-Clash-Komödie, und damit ein sehr treffender Spiegel für (inner-) schweizerische Verhältnisse, ein Heimatfilm, der sich mit dem seelischen Kernkonflikt des Tourismuslandes Schweiz unangestrengt und dicht bei den Leuten auseinandersetzt.
Chapeau! Oder vielmehr: नमस्ते
Im Kino ab 26. Februar 2026
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