
Glen Powell hat eine fast schon altmodische Filmstar-Ausstrahlung, mit seinem verkniffenen Charme und dem Spitzbubengesicht. Das hat auch wunderbar funktioniert, als er 2023 in Hit Man von Richard Linklater jenen Professor spielte, der für Polizeiermittlungen als Auftragskiller posierte – so überzeugend, dass er tatsächlich in ein mörderisch-romantisches Komplott verwickelt wurde.
Insofern ist es nachvollziehbar, dass Regisseur John Patton Ford (Emily the Criminal, 2022) und seine Produzenten es für eine gute Idee hielten, Powell für einen erneuten Einsatz als Killer mit Charme anzuheuern. Schliesslich hat Ford nach eigenen Aussagen sein halbes Leben lang davon geträumt, die schwärzeste der klassischen britischen Ealing-Comedies neu aufzulegen: Kind Hearts and Coronets von 1949.
Und mit dem Konzept, das Ford verfolgte, hätte das zumindest im Hinblick auf den «Leading Man» auch aufgehen können, denn dieser Becket Redfellow, den Glen Powell in der Nachfolge von Dennis Prices Louis D’Ascoyne Mazzini im Original verkörpert, ist ein durchaus charmanter, liebenswürdiger junger Mann im heutigen New York.

Dass er im Verlauf der Handlung eine ganze Reihe von Cousins, Onkeln und weiteren Anwärtern auf das Erbe des Familienanwesens ums Leben bringt, ergibt sich eher beiläufig. Denn schliesslich hat er seiner vom Grossvater wegen ihrer Mesalliance mit einem Cellisten verstossenen Mutter auf ihrem Sterbebett versprochen, sich um das zu bemühen, was ihm zusteht.

Dass er dabei wie sein Vorgänger im Original zwischen zwei Frauen gerät, «Good Girl» Ruth (Jessica Henwick) und seine Kindheitsfreundin Julia, von Margaret Qualley mit Gusto und grossartig überzogenen «femme fatale»-Qualitäten filmsprengend verkörpert, hilft zusätzlich, Powells Figur zum Sympathieträger zu machen. Und dafür ist Glen Powell durchaus der richtige Mann.

Bloss ist das ganze Konzept fundamental falsch, weil John Patton Ford damit alles über Bord wirft, was den britischen Film von 1949 zu einer einzigartigen british noir black comedy gemacht hat. War doch der tiefere Witz der Nachkriegskomödie gerade darin begründet, dass die Hauptfigur in ihrem unumstösslich auf Erb-Adelstitel und Anwesen zielenden Anspruchsdenken mindestens so amoralisch und überholt daherkam, wie die acht umzubringenden, allesamt von Alec Guinness verkörperten Familienmitglieder, der D’Ascoynes.

Kind Hearts and Coronets war letztlich eine sehr britische Standessatire, ihr Reiz bestand darin, der verkommenen «noblen» Gesellschaft dabei zuzusehen, wie sie sich selbst dezimierte.
Für How to Make a Killing hatt John Patton Ford die meisten Erzählkniffe des Originals übernommen, die Rahmenhandlung zeigt ebenfalls die Hauptfigur im Gefängnis beim Rekapitulieren der Geschehnisse. Da aber in diesem als gegenwärtig gezeichneten New York die Standesverhältnisse weniger über Klasse und Standesdünkel definiert sind, sondern durchaus zeitgemäss vor allem über den verfügbaren Reichtum, entfällt das Dilemma zwischen moralischer und juristischer Ebene.
Der hart arbeitende junge Mann, der sich holen will, was ihm zusteht, ist für sich genommen eine eher zeitgenössische us-amerikanische (Film-) Figur, so sehr, dass die von Margaret Qualley unter Einsatz von Beinlänge und Blasiertheit gespielte Noir-Dame nicht nur aus einem anderen Film zu kommen scheint, sondern tatsächlich aus dem US-Nachkriegs-Kino, der sogenannten «Série noire», und damit auch eher aus der Zeit des britischen Ealing-Originals.

Der fundamentale Konstruktionsfehler dieses Remakes, das sich nicht entscheiden kann, ob seine Hauptfigur nun ein anständiger Held ist oder ein amoralischer Antiheld, und dabei voll auf den Hauptdarsteller als Sympathieträger setzt, ist zwar das Hauptproblem von How to Make a Killing, aber leider nicht das einzige. Die Unentschiedenheit zieht sich nämlich auf allen Ebenen durch. Manche Sequenzen sind schlicht absehbar und zusätzlich wenig unterhaltsam aufgrund der nie definierten ethischen Fallhöhe, bzw. der fehlenden Konsequenzen bis zum Schluss, der wiederum eindeutiger und damit auch einfältiger ausfällt als beim Original.
Im Kino ab 9. April 2026
Spielorte und -Zeiten
Kind Hearts and Coronets (Adel verpflichtet) von 1949
auf AppleTV oder Google Play Movies
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