PLITSCH PLATSCH FOREVER! von Natascha Beller

Aktenkundig polizeilich erfasst: Rosalie (Alva Maurer) und Pola (Neah Hefti) © dcm

Kinderfilme sind dann am erfolgreichsten, wenn sie auch die Erwachsenen ansprechen. Und dafür gibt es verschiedene Strategien. Etwa jene, welche Disney perfektioniert hat, indem auf der Dialogebene eine für Kinder kaum spürbare Schicht Ironie hinzugefügt wird. Oder auf der Bildebene der eine oder andere kulturelle Verweis. Die sicherste und schönste Methode ist allerdings jene, die direkt auf die Kindheitserinnerungen der Erwachsenen zielt und damit das ganze Publikum zu einer Einheit verschmelzen lässt. Auf dieses Prinzip setzt Natascha Beller für ihren aktuellen Schweizer Kinderfilm.

Es ist erstaunlich, wie schnell im Kino die eigenen Kindheitserinnerungen hochkommen, kaum hat Natascha Bellers Plitsch Platsch Forever! angefangen. Endlose Badi-Sommer? Da sind sie wieder! Auch wenn die elfjährigen Freundinnen Pola und Polly ein wenig anders reden als wir damals, das Kreischen am Beckenrand, die Badetücher auf dem kurz geschnittenen Gras und der Geruch nach Pommes frites sind genau auf jener Frequenz, die Zeitreisen zeugt.

Und trotzdem ist das eigentlich und zuerst ein Film für Kinder, mit allem, was dazugehört. Pola muss schliesslich nicht nur ihre Freundschaft mit Polly retten, sondern gleich die ganze Badi, weil der Betrieb dem Stadtrat zu teuer geworden ist.

Pola (Neah Hefti), Polly (Zazie Mawete) © dcm

Von der hoffnungsvollen Suche nach allenfalls abrissverhindernden bedrohten Pflanzenarten auf dem Badiareal bis zur mit frühreifer Frechheit und kindlichem Enthusiasmus organisierten Unterschriftensammlung folgt das Drehbuch dem didaktischen Weg der Bewährung.

Zum Glück aber gibt die Regisseurin, der wir die unzimperliche Kinderwunschpanik-Komödie Die fruchtbaren Jahre sind vorbei von 2019 verdanken, fast sofort auch Gegensteuer. Die grantige Frau Hunziker im Altersheim (Olga Strub) etwa, die wird von Pola verbal nicht geschont, das Mädchen durchschaut ihre Alters-Misanthropie und raunzt vitalisierend zurück. Und die entnervte Stadtpräsidentin, die erliegt schliesslich der kämpferischen Logik der Gören, in der sie sich wiedererkennt.

Dabei helfen Ausstattung, Schnitt und Kamera, um den Ton zwischen sentimental-kindlich und anarchisch-präpubertär auf- und abzupeitschen. Eingefrorene Bilder, Kommentare direkt in die Kamera und andere Tricks aus der Werbeclip-Kiste unterlaufen die Nostalgie, welche die geschickte Wahl der Drehorte aus Originalschauplätzen zusammenkombiniert.

Aus Altstadtteilen von Brugg und Bremgarten entsteht das fiktive «Rotwil», welches man am liebsten selbst bewohnen möchte. Und das Freibad Geren in Birmensdorf wird durch das Kameraauge von Filip Zumbrunn zu genau jener Badi, an die wir uns alle irgendwie erinnern.

Flashmob für die Badi © dcm

Das Drehbuch der serienerprobten Baslerin Sabina Gröner hält sich zwar grundsätzlich an die bewährte Ablaufdramaturgie von Kinderfilmproduktionen, lässt aber Natascha Bellers Regie genügend Freiraum, um zum Vergnügen der Erwachsenen – und wohl auch des jugendlichen Publikums – über und unter die Stränge zu schlagen.

Michèle Rohrbach in ‚Die fruchtbaren Jahre sind vorbei‘ von Natascha Beller © Cineworx

Am schönsten mit der Figur der Stadtpräsidentin Jelena Petrovic-Stucky. Die wird nämlich von der grossartigen Michèle Rohrbach gespielt, und die wiederum war in Die fruchtbaren Jahre sind vorbei jene Leila, die ihren Kinderwunsch rabiat und ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen wusste. Als Jelena in Plitsch Platsch Forever! hat sie nun das Kind. Und damit einen wirklich guten Grund, auf die Kinder zu hören.

Im Kino ab 16. April 2026
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