
Die abgeklärte Ruhe, mit der Filmemacher Bahram (Bahram Ark) mit dem zuständigen Beamten in Teheran über das Filmaufführungsverbot für sein jüngstes Werk diskutiert, steht im Gegensatz zu allem, was in den letzten Wochen und Monaten aus dem Iran an Nachrichten zu uns gedrungen ist. Und das liegt nicht nur daran, dass Komedie elahi vor dem durch Israel und die USA angefangenen Krieg (und wahrscheinlich in den Zeiten massiver ziviler Proteste und deren blutiger Unterdrückung durch das Mullah-Regime) entstanden ist. Bahrams Ruhe, in Kombination mit seiner absoluten Sturheit, ist seine Waffe.

Seine zweite Bastion im Umgang mit der behördlichen Zensur ist seine Produzentin Sadaf (Sadaf Asgari). Die hat nicht nur seinen in seiner Muttersprache Aserbaidschanisch gedrehten Film finanziert, sie kämpft auch gemeinsam mit ihm (und mit trotzig blau gefärbten Haaren) darum, das im Ausland mehrfach preisgekrönte Werk zum heimischen Publikum zu bringen.
Ali Asgari hat sich schon vor zwei Jahren mit Higher than Acidic Clouds mit der lähmenden Unterdrückung jeglichen künstlerischen Widerstands in seiner Heimat auseinandergesetzt, einem Essay-Film, der hauptsächlich in einer Wohnung gedreht wurde und in dem die Farbe nicht nur aus dem Leben des Protagonisten verschwand, sondern auch aus den Bildern von Teheran und den Bergen hinter der Stadt, die durch die Fenster zu sehen waren.

Mit Divine Comedy setzen Asgari und seine Mitstreiterinnen, welche fast alle eine Version ihrer selbst spielen, nun auf vordergründig milde Satire, die aber sehr schnell den wohl mehr als begründeten Verdacht aufkommen lässt, das sei alles nicht einmal ansatzmässig überzeichnet, sondern nichts weiter als die brutale Realität für Künstler im Iran.
Dabei bezieht sich Asgari auf allen Ebenen auf globale kulturelle Errungenschaften, zuvorderst und am offensichtlichsten mit dem Titel. Dantes «Göttliche Komödie» ist ja eigentlich auch keine, besteht doch auch sie zu zwei Dritteln aus dem Besuch der Hölle und des Fegefeuers. Und mindestens als Fegefeuer gestaltet sich schliesslich auch die Odyssee des Filmemachers und seiner Produzentin auf der Suche nach einem Aufführungsort für ihren Film.
Die Figur des bärtigen Regisseurs mit der Brille und seinem stimmlich milden, aber intellektuell scharf geschnittenen Argumentieren, erinnert wohl nicht von ungefähr an Woody Allen. Und an dessen italienische Variante Nanni Moretti. Auf den und dessen Caro Diario bezieht sich wohl auch die unendliche Vespa-Fahrt von Bahram und Sadaf – was letztlich auch das Plakatmotiv bestätigt.
Die Stationen der Odyssee (oder eben den Höllen- bzw Purgatoriumsgang) sind so eindrücklich wie beängstigend in ihrer wiederum milden Komik. Der Besuch beim Kinobetreiber, der davon lebt regime-konforme Komödien zu zeigen und sofort abwehrt, als er merkt, dass Bahram keine Aufführgenehmigung hat, steigert sich zum schmeichelnden Umgarnen des eitlen Schauspielers, der seine Followerschaft und sein Kino über seinem Buchcafé zur Verfügung stellt, als Gegenleistung für eine versprochene Rolle. Nur um dann entsetzt festzustellen, dass die Geheimpolizei unverzüglich seinen Projektor kassiert.
Die Begegnung mit seinem ebenfalls filmemachenden Zwillingsbruder Bahman (Bahman Ark), der sich seinerseits mit dem Staat arrangiert hat, ermöglicht Bahram – und damit Asgari – auch die Auseinandersetzung mit dem Preis für solche Arrangements und eine diesbezüglich beiläufige, fast kryptische Erwähnung von Altmeister Kiarostami, vor einem grossen Godard-Porträt in der Wohnung des Bruders.

Es sind vor allem diese Szenen, welche erahnen lassen, dass sich unter den mehr oder weniger offensichtlichen Zensur- und Unterdrückungs-Szenen, welche wir als westliche Zuschauer zu erkennen vermögen, wohl ein ganzer Eisberg von Andeutungen und Offensichtlichkeiten versteckt, den wir kaum zu entschlüsseln vermögen.
Divine Comedy ist ein aufschluss- und wortreicher Film, der einem nicht nur mit seinem überraschenden Schluss das Grauen näher bringt, als seine ironisch-milde Oberfläche es erwarten lässt.
Im Kino ab 23. April 2026
Spielorte und -Zeiten
Spezialvorstellung mit Regisseur Ali Asgari:
25. April 2026 um 18:00 Uhr, Arthouse Picadilly
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