MEMORY OF PRINCESS MUMBI von Damien Hauser

Kuve (Ibrahim Joseph), Mumbi (Shandra Apondi) © Dschoint Ventschr

Hier ist ein Film, der einem die Hoffnung zurückgibt. Ein Filmemacher, der einfach macht, mit einem untrüglichen Gespür dafür, wo Figuren, Geschichten, Technik und Imagination zu purem Kinoglück verschmelzen.

Memory of Princess Mumbi ist eine retrofuturistische Liebes­ge­schich­te, erzählt als Mockumentary, angesiedelt im Jahr 2093 in Afrika und in der Schweiz, gedreht mit fröhlichen Freunden, einer hinreissenden Profischauspielerin in der Titelrolle, vor Ort in Kenia, schnell und mit minimalem technischem Aufwand vor ein paar Jahren. Und dann in der Postproduktion, unter Einsatz von KI und Phantasie, über Jahre hinweg zu dem Solitär ausgebaut, mit dem Hauser letztes Jahr ans Filmfestival von Venedig eingeladen wurde, zu den Giornate degli autori – dem italienischen Äquivalent der Quinzaine des cinéastes in Cannes.

Damien Hauser, als kenianisch-schweizerisches Kind 2001 in Zürich geboren, aufgewachsen zwischen Langstrasse, afrikanischer Diaspora und der technologiegetriebenen Fusion oraler mit zunehmend bildgetriebener Weltverdichtung der Nullerjahre, hat als Siebenjähriger angefangen zu filmen. Mit seinen Kurzfilmen gewann er ab 2015 erste Preise und Anerkennung, unter anderem an den Schweizer Jugendfilmtagen. Ab 2016 machte er über vier Jahre hinweg eine professionelle Ausbildung zum Filmemacher an der SAE und ab 2018 arbeitete er daneben für eine Werbefilmfirma.

Memory of Princess Mumbi ist Damien Hausers vierter Langspielfilm und, so wie es nun aussieht, ein internationaler Durchbruch für den 25jährigen.

© Dschoint Ventschr

Dafür, dass einem schon in den ersten Minuten des Films das Herz aufgeht, gibt es viele Gründe. Einerseits gibt es mächtig was aufs Auge, denn die Drehorte in Kenia hat Hauser mit Hilfe von KI zu spektakulären Sets ausgebaut, mit schwebenden Holzbauten irgendwo zwischen Avatar und Waterworld. Aber ohne den synthetischen Touch der Filme von James Cameron. Im Gegenteil: Hauser integriert die KI-generierten Bilder mit unwiderstehlichem Kulissencharme in die dokumentarisch improvisierten Szenen mit sich und seinen Schauspielern.

Deren Interaktionen, Gespräche, Frotzeleien und die schliessliche Verliebtheit zwischen Filmemacher Kuve (Ibrahim Joseph) und der zunächst als Interviewerin für den Dokfilm über die Folgen eines grossen Krieges angeheuerten Schauspielerin Mumbi (Shandra Apondi) sind eine überzeugende Mischung aus gescriptetem Plot und improvisierten Überlegungen zum Machen des Films.

© Dschoint Ventschr

Afrika besteht in diesem Jahr 2093 nach einem grossen Krieg aus zwei Königreichen, im einen, Umata, sind Kuve und Damien unterwegs, um zu dokumentieren, was der Krieg mit den Menschen gemacht hat. Mumbi, die zunächst eigentlich nur die vorformulierten Fragen an die eigentlichen Protagonisten stellen soll, bringt sich mit Charme, Lebendigkeit und klarer Haltung unmissverständlich mit ein. So ist sie zum Beispiel überzeugt davon, dass der Einsatz von KI absolut kontraproduktiv sei.

Kuve und Damien versuchen es natürlich trotzdem oder gerade erst recht. Unter anderem, indem sie mit Hilfe von KI Szenen erstellen, die dann auf einem alten Röhrenfernseher zu sehen sind, mit der Einblendung «AI generated» – und hoffnungsvoll pseudoutopisch die sich anbahnende Liebesgeschichte von Kuve und Mumbi initiieren.

Mumbi (Shandra Apondi) © Dschoint Ventschr

Weil aber jede Liebesgeschichte ihre Hindernisse braucht, kommt auch hier eine frühere Verpflichtung ins Spiel: Mumbi ist dem Prinzen von Umata als Frau versprochen, an ihrem 21. Geburtstag soll die Hochzeit stattfinden. Was Kuve mit Hilfe von Damien wiederum filmisch vorwegnimmt, mit sich selbst in der Rolle des Prinzen und der anschliessenden Flucht der Liebenden, die nach etlichen wundervoll exotischen Zwischenhalten in der Schweiz endet. In deren Heidi-Alpen-Vernünftigkeit erkennt Mumbi, dass sie zu ihrem Wort, ihrer Herkunft und ihrer Familie stehen muss, und so reist sie zurück nach Umata.

Was wiederum zum höchst interessanten und ausgesprochen überraschenden letzten Teil des Filmes führt.

Damien Hausers Film als Genremix zu bezeichnen, greift zu kurz. Hauser spielt mit vielen Elementen des historischen und gegen­wärtigen Kinos. Da steckt Retrofuturismus drin, eine Spur der Hollywood 50er Farbästhetik, aber auch Verweise auf Filmklassiker von Heidi bis zu Lotte Reinigers Die Abenteuer des Prinzen Ahmed.

Vor allem die afrikanischen Elemente schaffen dabei eine gezielt vertraut-verfremdete Ästhetik. Bisweilen erinnert das futuristische Konzept an den Afrofuturismus, den Ryan Cooglers Black Panther-Marvel-Verfilmung zu einem Pop-Phänomen gemacht hat. In dieser Hinsicht ist Damien Hauser allerdings vorsichtig, er sieht sich eher seinen eigenen afrikanischen Wurzeln verpflichtet:

«Ich schätze Afrofuturismus, aber ich sehe ihn als ein Konzept, das ausserhalb Afrikas entstanden ist – einen westlichen Begriff für Geschichten, die in einer afrikanischen Zukunft spielen. Mein Film ist einfach eine Science-Fiction-Geschichte, die in Afrika gedreht wurde. Er ist Teil des afrikanischen Kulturerbes, keine Unterkategorie von etwas anderem. Ich möchte afrikanische Geschichten erzählen, ohne sie in neue Schubladen stecken zu müssen. Es gibt hier so viele Geschichten, die noch nicht erzählt wurden – und ich glaube, dass das afrikanische Kino eine vielversprechende Zukunft hat».

Moubarak Djibril © Dschoint Ventschr

Die Seele dieses Films besteht aus der perfekten Verbindung einer durchgehend spürbaren Liebe zum Kino und seinen phantastischen Möglichkeiten mit einem fast untrüglichen Gespür für realistische menschliche Regungen und Emotionen. Hauser spielt mit dem Fundus der Erzählmöglichkeiten nicht spekulativ, sondern instinktiv und mit entwaffnender Ehrlichkeit.

Ob er sich darüber freuen würde, dass mich seine Arbeit an die des jungen Rainer Werner Fassbinder erinnert, an die Kollaboration einer eingeschworenen Truppe im Dienst der Vorstellungswelt eines sanften Berserkers? Vielleicht. Aber eigentlich kann ihm das egal sein. Damien Hauser arbeitet schon in und an der Zukunft des Kinos.

Im Kino ab dem 7. Mai 2026
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