WOLVES von Jonas Ulrich

Luana (Selma Kopp) © dynamic frame

Wolves ist der erste Langspielfilm des Zürchers Jonas Ulrich und ein bemerkenswert kontrolliertes Unterfangen. Denn die Geschichte der 23jährigen Kita-Mitarbeiterin Luana (Selma Kopp), die den dunklen Verlockungen der Black-Metal-Band ihres deutlich älteren Cousins, und vor allem dem neuen geheimnisvollen Sänger Wiktor (Bartos Bielenia) aus Polen, nicht widerstehen kann, trüge in sich durchaus die Struktur jener altväterisch-erziehungsberechtigten Obacht-Drogen-und-Satanismus-Filme der 1970er Jahre.

Aber Ulrichs Drehbuch nimmt nicht nur seine Figuren sehr ernst, das Filmteam weiss auch sehr genau, was sie erzählen und vor allem wovon. Wolves ist eine ernsthafte Coming-of-Age-Geschichte, ein Roadmovie, eine Sozialstudie, ein Rockumentary – die titelgebende Black Metal Band wurde für die Dreharbeiten extra gegründet und bei tatsächlichen Gigs gefilmt – und schliesslich eine politisch-sozial klar verortete, kathartisch gesteigerte Selbstfindungsstory.

Selma Kopp, Bartosz Bielenia © dynamic frame

Luana wohnt bei ihrer Mutter, distanziert sich emotional von ihrem krebskranken, getrennt lebenden Vater und hadert offensichtlich mit der Perspektivlosigkeit ihres täglichen Lebens. Den Ausbruch versucht sie, indem sie sich den Wolves als Merchandise-Verkäuferin und Social-Media-Managerin andient, heimlich fasziniert vom undurchsichtig unnahbaren, arroganten Wiktor.

Mit Luanas Engagement als Band-Fotografin und ihrer gezielten Bestückung der Social-Media-Kanäle nimmt die Popularität der Wölfe rasant zu. Allerdings auch die Internet-Diskussionen über die Ausrichtung und vor allem die Tattoos des neuen Sängers, die bald als verkappte Nazi-Symbole diffamiert werden. Und auch einzelne Gigs in entsprechenden Venues lassen bei den Bandmitgliedern ungute Befürchtungen aufkommen, bis es zum offenen Bruch kommt und Luana sich an alles klammert, wofür sie gekämpft hat, ohne zu merken, wie sie sich isoliert.

Bartosz Bielenia © dynamic frame

Über diesen dramatischen Bogen erinnert Wolves strukturell einerseits unaufdringlich an die klassischen Junkie- oder Drogen- bzw. Alkoholikerfilme, andererseits aber auch an jene Geschichten, die einen tribalen (Zusammengehörigkeits-) Druck aufbauen. und da mündet Wolves konsequenterweise in einen faszinierenden Genremix mit einem Hauch von modernem Folk-Horror.

Da der Film in Aufbau und Schnitt auf Effizienz und emotionale Verortung der Figuren angelegt ist, gibt es auch ein paar Szenen, die ein wenig telegrafiert wirken, etwa die Zertrümmerung einer Neonazi-Rockplatte mittels Streitaxt durch Luanas aufrechten Cousin. Was aber kaum stört, weil der ganze Film von Selma Kopp und ihrer durchgehenden Präsenz als Luana getragen wird. Sie ist das emotionale Zentrum, alle anderen Figuren bekommen nur so viel Hintergrund wie nötig, allerdings ohne dabei zu flachen Funktionen zu werden.

Bartosz Bielenia, Selma Kopp © dynamic frame

Und faszinierenderweise hat dieser Film zwei tragende Vektoren. Selma Kopps Luana als Publikumsavatar und die Black-Metal-Szene als offensichtlich mit Kenntnis und Zuneigung gezeichnete Subkultur mit Fringe und Fransen.

Da passt es dann auch wieder bildlich märchenhaft, dass Luana in den ersten Szenen des Films wie ein modernes Rotkäppchen mit unhörbarer Musik in den Ohren durch den Wald rennt und auf ein totes Tier stösst, bevor es zu ihrer schicksalshaften Verbindung mit dem Wolf, beziehungsweise den Wolves kommt.

Bartosz Bielenia © dynamic frame

Wolves ist Kino mit den richtigen Elementen: Einblick in fremde Welten, emotionale Verpflichtung des Publikums, eine zerrissene Hauptfigur mit Konfliktpotential und Wachstumschancen und schliesslich mit einem Soundtrack, der organisch zur Erzählung gehört.

Nicht alle werden diesen Film dafür lieben, aber Respekt gebührt dem Filmemacher und seinem Team auf jeden Fall.

Im Kino ab 14. Mai 2026
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