LAUNDRY (Uhlanjululo) von Zamo Mkhwanazi

Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) bei der Prüfung für den «Dompass» © First Hand Films

Südafrika, 1968. Der junge Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) träumt von einer Jazz-Karriere in den USA, während sein Vater Enoch (Siyabonga Shibe ) zusammen mit seiner Frau versucht, den Familienbetrieb, eine grosse innerstädtische Wäscherei in einer «weissen Zone», vor den Enteignungsversuchen des zunehmend korrupten und gewalttätigen Apartheidsregimes zu schützen.

Als der Vater verhaftet wird, gehen Khuthala langsam die Augen auf, und er verstrickt sich beim Versuch, den Familienbetrieb aufrechtzuerhalten und den Vater zu retten, in den unausweichlichen Unwägbarkeiten zwischen Widerstand und Verrat.

Grossandrang in der Wäscherei der Sitholes © First Hand Films

Mit perspektivisch ungewohnten Einsichten in die südafrikanische Apartheids-Politik und die sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen eines auf auf Macht- und Wirtschaftsdominanz basierenden, rassistisch begründeten postkolonialen Ausbeutungssystems hat die 1973 in Durban geborene Zamo Mkhwanazi die Geschichte ihres Grossvaters und dessen Familie aufgenommen.

Mkhwanazis grosse Erfahrung mit Fernsehformaten verhilft ihrem Langfilmerstling zu einer dramatisch-familiären Eindringlichkeit. Laundry (der Xhosa / Zulu-Originaltitel ist Uhlanjululo = Reinigung) hat die trügerisch beruhigende Erzählstruktur einer Familienserie, bis sich die Ungereimtheiten, die Gewalt und die von der Gewalt geforderten Selbstunterwerfungsmechanismen nicht mehr verdrängen lassen.

Er spielt mühelos sechs verschiedene Instrumente: Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) © First Hand Films

Das führt dazu, dass dem Kinopublikum zusammen mit den Kindern der Familie Sithole, dem begabten Musiker Khuthala und seiner jüngeren Schwester Ntombentle (Zekhethelo Zondi), die Augen geöffnet werden.

Eine Apartheidsgeschichte aus dem Blickwinkel behüteter Mittelklassekinder zu erleben, ist ein erstaunliches Erlebnis in einem Schweizer Kino. Unter anderem darum, weil uns Mitteleuropäern dafür die unmittelbaren Abwehrreflexe fehlen.

Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) und seine Schwester Ntombentle (Zekhethelo Zondi) im Laden © First Hand Films

Auch darum scheint es folgerichtig, dass mit der von Nicolas Wadimoff mitgegründeten Genfer Akka Films ein Schweizer Produktionshaus diesen südafrikanischen Film koproduziert hat.

Zamo Mkhwanazi setzt ein mit einer mitreissenden Sequenz in der Khuthala am Radio eine Jazz-Nummer hört und dabei von einem Instrument zum nächsten wechselt und mitspielt, Trompete, Keyboard, Gitarre, Schlagzeug… Der Junge beherrscht sie alle und brennt für seine Musik.

Mutter Magdalena Sithole (Bukamina Cebekhulu) © First Hand Films

Er sieht auch eine Chance, in die USA, das vermeintliche Land der musikalischen Freiheit, auszureisen. Als prospektives Mitglied der Begleitband der gefeierten Sängerin Lilian Mkhize (die in Zürich lebende Musikerin und Performerin Tracy September), die ihrerseits einen Vertrag in New York in Aussicht hat.

Dass die Frau als heimliche Geliebte des Patriarchen Enoch innerhalb der Familie eigentlich Persona non grata wäre, zumindest aus der Sicht der Geschwister, steigert aber auch die inneren Konflikte Khuthalas. Zumal die Mutter, Magdalena Sithole (Bukamina Cebekhulu) dieser Lilian ein ihren Kindern unerklärliches Verständnis entgegenbringt.

Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) hat mit der Gitarre seine Nische gefunden © First Hand Films

Zamo Mkhwanazi erzählt gezielt nicht vom heroischen Kampf gegen die Apartheid, sondern vom alltäglichen Druck und den unmenschlichen Verrenkungen, welche ein unmenschliches System den Menschen abverlangt. In einem Interview am Toronto-Filmfestival erklärte sie unter anderem:

«The notion of resistance always having to be loud, glorious, and heroic comes from the fantasies of people who have never actually had to fight for anything. Effective resistance is often quiet, careful, and requires a delicate balance».

(Die Vorstellung, dass Widerstand immer laut, glorreich und heroisch sein müsse, stammt aus den Fantasien von Menschen, die nie tatsächlich für irgendetwas kämpfen mussten. Wirksamer Widerstand ist oft leise, umsichtig und erfordert ein feines Gleichgewicht.)

In ihrem Film setzt sie diese Erkenntnis dramaturgisch geschickt ein, unter anderem durch gezielte dramaturgische Störungen im Gleichgewicht.

Die Spannungen um die alltäglichen rassistischen Übergriffe und Einschränkungen einerseits und jene um Khuthalas Ehrgeiz und seine Aufnahmebemühungen in Lilians Band steigern sich zu einer explosiven, langen, rockigen Musikimprovisation in Lilians Haus in der Mitte des Films, einem regelrechten Drehmoment in jeder Beziehung.

Paula Beer in ‚Stella. Ein Leben‘ von Kilian Riedhof © dcm

Und erst am Ende des Films, der seine Geschichte sehr konsequent und ohne Beschönigung durchzieht, merken wir Mitteleuropäer plötzlich, dass uns diese Strukturen und Familiendramen nicht nur gedämpft und serialisiert als Mittelschichts-Soap bekannt vorkommen. Denn unvermittelt tauchen Erinnerungen an ganz andere Filme auf, solche, die uns das zeitlich und räumlich doch etwas distanzierte Apartheidsystem unbequem nahe bringen, etwa Stella. Ein Leben. von Kilian Riedhof.

Laundry ist eine Apartheids-Geschichte, welche viel mehr vermittelt als historische Eindrücke und Zusammenhänge. Zamo Mkhwanazi nutzt vertraute Erzählkonventionen und die Möglichkeiten des Kinos als ausstatterisch betörende Zeitmaschine, um die südafrikanischen Umstände von 1968 wirksam in unsere Gegenwart zu versetzen.

Im Kino ab 13. August 2026
Spielzeiten und -Orte


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