
Die Spielfreude! Das ist der Funke, der bei diesem Dokumentarfilm von der Leinwand springt, immer und immer wieder.
2020, im ersten Pandemie-Sommer, probt das Aargauer Jugend Sinfonieorchester mit seinen rund sechzig jungen Musikerinnen und Musikern im Künstlerhaus Boswil, unter der Leitung des Dirigenten Hugo Bollschweiler und mit dem finnischen Komponisten und Pianisten Iro Rantala.
Georges Gachot ist mit seiner Kamera dabei und mit Tonmann Balthasar Jucker, der unter anderem die herkulische Aufgabe hat, mit Tonangel und gerichtetem Mikrofon jeweils jene Musikerinnen und Musiker zu erwischen, die Gachot vom Rande des Geschehens mit dem Zoom aus dem Orchester pickt.

Der Franko-Schweizer Georges Gachot hat sein Filmemacherleben der Musik gewidmet, in ihrer ganzen Bandbreite. Bekannt wurde er unter anderem mit seinem Klassik-Porträt Martha Argerich, conversation nocturne (2003), über seine Zusammenarbeit mit Beat Richner, aber auch mit Weltmusikfilmen wie Maria Bethânia: Música é Perfume (2005) und zuletzt mit dem wunderbaren Jazzfilm Misty – The Erroll Garner Story (2024).

Im Vergleich zu diesen aufwändigen und reiseintensiven Recherche-Dokumentarprojekten war Unisono von Anfang an ein kleines, unterfinanziertes Heimspiel. Auf die Proben des Aargauer Jugend Sinfonieorchester ist Gachot über die Teilnahme seines Sohns als Perkussionist gestossen. Und die Dreharbeiten wurden nicht nur durch die Pandemiebedingungen zu direkten, intimen Interaktionen mit den jungen Menschen und ihrer Leidenschaft.
Der fertige Film zeigt Proben zu klassischen Stücken, fröhliche Workshops mit Iro Rantala, die Entwicklung ganzer Passagen und den jeweiligen Einsatz einzelner Musikerinnen und Musiker.

Vor allem aber kommen diese jungen Leute selbst zu Wort, mit ihrer Begeisterung, ihren Zweifeln und mit ansteckenden Einblicken in die Sommerlageratmosphäre im Künstlerhaus Boswil. Sie sind alle zwischen 15 und 26 Jahre alt, Amateure auf Profiniveau, aber noch nicht festgespurt. Gerade die Überlegungen zu einer allfälligen Karriere als Orchesterprofi oder der mögliche Entscheid dagegen gehen weit über die Welt der Musik hinaus und vermitteln einen ganz allgemeinen, direkten Eindruck jugendlicher Befindlichkeit in dieser Dekade.
Gachot hat Stunden um Stunden gefilmt und viele Gespräche geführt. Nicht all das Material war schliesslich kinotauglich und nicht alle der jungen Protagonistinnen und Protagonisten erpicht auf die leinwandfüllende Öffentlichkeit ihrer eigenen Zweifel und Vorstellungen.

Nach der mitreissenden Film-Premiere an den letzten Solothurner Filmtagen im Januar erzählte Georges Gachot freimütig und entspannt davon, wie aus den Stunden von Material dank der Schnittarbeit von Ruth Schläpfer und der geschickten Nachbearbeitung von Ton und Sounddesign (Balthasar Jucker, Florian Eidenbenz) der abgerundete, mitreissende und optimistische Film geworden ist.

Das funktioniert auf der Leinwand gerade auch darum so hervorragend, weil der Entstehungsprozess des Films in gewisser Weise dem gezeigten Entstehungsprozess der Musik folgt. Den einzelnen Bemühungen einzelner Menschen, gemeinsam etwas hervorzubringen, das viel mehr sein soll, als die blosse Summe der Einzelteile.
Unisono ist der perfekte Titel für das, was sich vor unseren Augen und in unseren Ohren abspielt: Die Genese eines Gemeinschaftsgefühls über kreatives Zusammenspiel. Ein Dokumentarfilm, der sitzt. Und aufspringt. Und tanzt.
Im Kino ab 27. August 2026
Spielorte und -Zeiten
VORPREMIEREN mit Regisseur, Dirigent und Musikern:
- Mo. 24. August, SCHAFFHAUSEN, Kiwi Kino, 20h15
- Di. 25. August, LUZERN, Kino Bourbaki, 18:00 Uhr (Moderation: René Karlen)
- Mi. 26. August, St. GALLEN, Kinok, 20:00 Uhr (Moderation: Geri Krebs)
- Do. 27. August, LIESTAL, Kino Sputnik, 18:00 Uhr (Moderation: Urs Blindenbacher)
- So. 30. August, MÄNNEDORF, Kino Wildemann, 11:00 Uhr
- Di. 1. September, BRUGG, Kino Odeon, 18:00 Uhr (Moderation: Marc Urech)
- So. 27. September, HEIDEN, Kino Heiden, Rosenthal, 10:30 Uhr
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