Cannes 17: HIKARI (Radiance) von Naomi Kawase

Naomi Kawase zählt seit Jahren zu meinen Cannes-Favoriten, ihre poetischen, wind- und lichtdurchzogenen Filme haben eine überaus persönliche Wirkung. Aber mit Hikari hat sie auf ihre enigmatische, zurückhaltende Erzählweise verzichtet und fährt schon in der ersten Sequenz lebens- und kinometaphorisch ein.

Cannes 14: FUTATSUME NO MADO – Still the Water – von Naomi Kawase

Es ist die letzte Einstellung von Still the Water, welche diesen grossartigen Film für unverdienten Spott exponiert: Die Teenager Kaito und Kyoko, welche sich zuvor auf jeweils eigene Weise mit ihren Müttern auseinandersetzen mussten, sind erwachsen geworden. Sie hatten den Sex, welchen der empörte Kaito seiner Freundin zuvor trotzig verweigert hat, und sie schwimmen im …

Cannes 18: CAPHARNAÜM von Nadine Labaki (Wettbewerb)

Dieser Film stellt harte Anforderungen, sowohl subjektiv wie auch objektiv. Er setzt die lange Reihe von Kinderschicksals-Epen fort, die auf der härteren Seite von Hector Babencos Pixote (1981) geprägt sind, auf der weicheren von Wohlfühl-Elend im Stil von Slumdog Millionaire (2008). Regisseurin Nadine Labaki wurde im Libanon geboren und gehört seit Caramel von 2007 zu …

Die 100 Besten Filme
(Stand Januar 2017 für «Le Temps»)

Kollege Stéphane Gobbo plant für die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» eine Liste der besten Filme nach Meinung der Schweizer Filmjournalistinnen und Filmjournalisten. Er hat daher alle Kolleginnen und Kollegen unseres Verbandes SVFJ angeschrieben. So habe ich mir diesen Sonntagmorgen meine Liste abgekämpft. Ein Vergnügen einerseits. Weil es gut tut, sich ein paar Stunden selber zu …

Die Unverpassbaren, Woche 37 – 2015

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen: Youth von Paolo Sorrentino. Michael Caine und Harvey Keitel als alternde Künstlerfreunde im Schweizer Luxusresort. Ein überbordendes, felineskes Meisterwerk zwischen Altherrenwitz, Kunstkritik und Lebensweisheit. El botón de nácar von Patricio Guzman. Der chilenische Filmemacher schlägt nach seinem Nostalgia de la luz von 2010 einen weiteren philosophisch-poetischen Bogen …

Die Unverpassbaren, Woche 36 – 2015

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen: Härte von Rosa von Praunheim. Die Dokufiktion blickt zurück auf das Leben des brutalen Berliner Zuhälters Andreas Marquardt und seiner Freundin Marion. Der Titel trifft, aber auch die zeitreisenden Filmbilder von Elfi Mikesch – und von Praunheims Blick für die ungelösten Widersprüche in einem vordergründig geläuterten Leben. …

Cannes 14: Palmarès mit Kompromissen

Das 67. Filmfestival von Cannes ist vorbei und der Hauptpreis, die goldene Palme, ging an den uneingeschränkten Favoriten: Winter Sleep. Drei und eine Viertelstunde lang ist der Film vom türkischen Meisterregisseur Nuri Bilge Ceylan. Und keine einzige dieser 196 Minuten ist überflüssig. In grossartigen Bildern und ausgedehnten, vom russischen Theaterklassiker Anton Tschechow inspirierten Dialogen verhandelt …

Cannes 14: Die Zwickmühle der Jane Campion

Die grosse Jury des Filmfestivals von Cannes präsidieren zu dürfen, das ist so etwas wie eine cineastische Erhebung in den Adelsstand. Und gleichzeitig profitiert immer auch das Festival von den klingenden Namen in der Jury. Und natürlich ranken sich viele medial genüsslich perpetuierte Gerüchte um die diversen Juries. Von Diktaten und Einflussnahmen seitens der Festivalleitung …