Filmpodcast Nr. 172: Sturm, The Men Who Stare At Goats, DVD Bienvenue chez les Ch’tis.

George Clooney in 'The Men Who Stare At Goats' ©Ascot-Elite
George Clooney in 'The Men Who Stare At Goats' ©Ascot-Elite

Kino im Kopf mit Brigitte Häring. Heute mit Sturm von Hans-Christian Schmid, The Men Who Stare at Goats von Grant Heslov und dem DVD-Tipp zu Bienvenue chez les Ch’tis. Und Kurztipps und Tonspur.

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Berlinale: Bilanzrunde

Berlinale 2010 Montage

Die Berlinale feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag: Zum 60. Mal werden die Internationalen Filmfestspiele Berlin durchgeführt. Brigitte Häring war vor Ort und zieht Bilanz, einen Tag vor der Preisverleihung, mit ihren Gästen Katja Nicodemus, Filmredaktorin der «Zeit», und dem Schweizer Filmkritiker Martin Walder. Gab es im Jubiläumsjahr besonderen Grund zum Jubeln – oder der reiht sich die Ausgabe 2010 der Berlinale unspektakulär in die der letzten Jahre ein? Welche Filme melden sich laut oder eher leise für den goldenen Bären 2010?

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Berlinale Telegramm 07: Hotelzimmerblues

'Eine flexible Frau' von Tatjana Turanskyj ©Berlinale Forum
'Eine flexible Frau' von Tatjana Turanskyj ©Berlinale Forum

Dies ist das letzte Telegramm von der Berlinale 2010. Morgen fliege ich zurück nach Basel. Und ich habe von den letzten Tagen nichts zu berichten vom Potsdamer Platz, wo die Berlinale immer noch in vollem Gang ist. Warum? – Weil mich eine lästige Grippe im Hotelzimmer festhält. Und wenn ich auch leider die letzten Filme der Berlinale verpasse, muss ich dennoch nicht aufs Filme gucken verzichten:

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Berlinale Telegramm 06: Die waagrechte Leinwand

'Kings of Pastry' Jacquy Pfeiffer und Sebastien Canonne
'Kings of Pastry' Jacquy Pfeiffer und Sebastien Canonne

Der weiss gedeckte Esstisch sei eigentlich die in die Waagrechte gekippte Leinwand, auf der – wie im Kino – ein sinnliches Erlebnis inszeniert werde. So verblüffend einfach und doch einleuchtend erklärte mir heute der Kurator der Reihe Kulinarisches Kino, Thomas Struck, den Zusammenhang zwischen Kino und Essen. Seit einigen Jahren findet an der Berlinale diese Sonderreihe statt, ein Lieblingsprojekt des Berlinalechefs und Slow Food-Mitglieds Dieter Kosslick. Es war heute ein recht ungewohnter Ort für ein Interview an einem Filmfestival. Ich hatte mich mit dem Kurator der Reihe, Thomas Struck, und dem kulinarischen Leiter, Alf Wagenzink verabredet. Unser Treffen fand in der Küche vom Spiegelzelt statt, dem Ort, an dem die Gäste des kulinarischen Kinos anschliessend an die Filme der Reihe von bekannten Sterneköchen bekocht werden. Um uns herum wurde vorbereitet, gekocht, Geschirr klapperte – und die beiden Verantwortlichen der Reihe gerieten richtig ins Schwärmen über ihr Projekt:

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Berlinale Telegramm 05: Taschen tauschen

Berlinale Tasche 2010 © Häring

Das ist meine Berlinale-Tasche. Sie ist praktisch und robust. Und schrecklich bunt, Grundfarbe violett, was ich ganz und gar nicht mag. Aber trotzdem ist mir meine Berlinale-Tasche nicht grad ans Herz, aber doch an die Schulter gewachsen. Sie bietet fast unendlich viel Platz für alles, was man so braucht im Festivalalltag: Aufnahmegerät inklusive Mikrofon und diverse Kabel, den Laptop, den Festivalkatalog, meine diversen Festivalunterlagen, ein Buch für die U-Bahn, Schlüssel, Portemonnaie und zwei Handys, Taschentücher, Hustenbonbons und was der Dinge mehr sind, die ich als Frau so tagtäglich mit mir herumschleppe (das alles auch noch im Detail aufzuzählen, würde hier doch zu weit führen). Meine Berlinale-Tasche ist mir seit meiner Akkreditierung, wo ich Tasche samt Katalog ausgehändigt bekommen habe, zur treuen Begleiterin geworden. Und genau so wie ich tragen mindestens zwei Drittel aller 4000 Akkreditierten auch ihre ganz persönliche Berlinale-Taschen mit sich herum. Und nicht nur das: Nichtakkreditierte Festivalbesucher können sich die Tasche kaufen. Viele gleiche Taschen an vielen Schultern, neben Restauranttischen auf dem Boden, unter Kinosesseln etc.

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Berlinale: EXIT THROUGHT THE GIFT SHOP – Noch ein Geist

Banksy ©Paranoid Pictures
Banksy ©Paranoid Pictures

Polanski ist nicht der einzige abwesende Regisseur im Wettbewerb der Berlinale. Exit Through The Gift Shop heisst der Erstlingsfilm des Streetart-Künstlers Banksy. Der ist mittlerweile weltberühmt als Künstler, weit über die Graffitti-Szene hinaus. Seine Werke hängen im New Yorker MoMa, in der Tate Gallery und es gehört zum guten Ton unter den Kunstsammlern dieser Welt, neben den Picassos und van Goghs auch einen „Banksy“ zu besitzen.

Um seine Identität aber macht der Künstler ein grosses Geheimnis. Kein Wunder, mit seiner Kunst überschreitet er immer wieder die Grenze zur Illegalität, wenn er etwa die Mauer im palästinischen Westjordanland verschönert. Vor dem Film gab’s eine Videobotschaft ans Berlinalepublikum. Das Gesicht nicht sichtbar, die Stimme verstellt, begrüsste Banksy die Besucherinnen und Besucher und entschuldigte sich für sein Fernbleiben.

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Berlinale Telegramm 04: Skurrile Momente

Startbereiter Snöber am Potsdamer Platz (oben links) © Häring
Startbereiter Snöber am Potsdamer Platz (oben links) ©Häring

Ich liebe Filme, in denen für einen kurzen Moment etwas total Schräges passiert – am besten am Rand einer Szene, im Hintergrund und ohne direkten Zusammenhang mit der Handlung. Eine meiner Lieblingsszenen dieser Art gibt’s in der TV-Serie Twin Peaks. Die spielt in einer Kleinstadt ganz im Norden der USA. Und plötzlich läuft ein Lama durchs Bild. Ich liebe solche Momente im Kino. Was aber, wenn man solche Momente erlebt, wenn man grad das Kino verlassen hat? Von einem Termin zum anderen hetzt? Dann kann man sich schon einmal im sprichwörtlichen falschen Film wähnen. Ich zum Beispiel stand heute plötzlich vor einer überlebensgrossen Giraffe. Aus Lego. Und bemerkte amüsiert, dass der Dokumentarfilm „Brigitte an der Berlinale“ durchaus noch mehr solcher kleinen, surrealistischen Schnappschüsse beinhaltet:

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Berlinale Telegramm 03: Warten auf…

In Berlin mit 'Shutter Island': Martin Scorsese

Ich habe zu Beginn versprochen, auch Alltägliches vom Festivalbetrieb zu berichten. Aufregend ist’s gewiss oft genug, ungewohnt und spassig. Wenn zum Beispiel direkt im Kinosessel vor uns Stars wie Renée Zellweger (die man als normalsterbliche Filmjournalistin auf der Leinwand und nicht davor sieht) oder der Schriftsteller Nuruddin Farah sitzen, weil die Jury die Filme mit der Presse zusammen guckt. Oder wenn man einmal live erlebt, wie schnell Martin Scorsese wirklich reden kann – als Antwort auf eine simple Frage rattert er einfach ein Jahrzehnt Filmgeschichte herunter (in ca 1,5 Minuten) …

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Berlinale: Gescheiterte Söhne, schuldige Mütter

George Pistereanu, Ada Condeescu in: 'Eu cand vreau sa fluier, fluier'
George Pistereanu, Ada Condeescu in: 'Eu cand vreau sa fluier, fluier'

Gleich zwei Filme im Wettbewerb hatten heute die gleiche Konstellation: jeweils zwei Brüder mit gebrochenen Biographien und dahinter eine Mutter, die offensichtlich versagt hat. Aber das ist eben das Tolle am Kino: wiederkehrende Themen in ganz unterschiedliche Werke. Der erste Film stammt aus Rumänien und heisst Eu cand vreau sa fluier, fluier (Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich) und ist von Florin Serban. Mit ganz einfachen Mitteln – Handkamera, Originalschauplatz, Laiendarsteller – setzt der junge rumänische Regisseur ein Bühnenstück der Autorin Andreea Valean um: Silviu sitzt als jugendlicher Straftäter in einer Anstalt. Die Verhältnisse sind hart: Silviu ist in der Rangordnung weit unten. Schon zu Beginn des Filmes schwant einem, dass die baldige Entlassung auf der Kippe stehen wird. Silvius Familienverhältnisse sind ebenfalls schwierig – er hat seinen kleinen Bruder praktisch allein aufgezogen, weil seine Mutter in Italien lebt. Er selber wurde als Kind von der unsteten Mutter immer wieder weggegeben.

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Berlinale Telegramm 02

Metropolis am Brandenburger Tor

Openair-Veranstaltungen sind – das liege am Wetter und an angenehmen Temperaturen, sagen manche – eine Sache des Sommers. Nicht so in Berlin. Als gigantisches Geschenk der Geburtstagsberlinale an sein treues Publikum gab’s gestern Freitag Abend Freiluft-Kino. Die Uraufführung der rekonstruierten und um rund ein Drittel längere Fassung von Fritz Langs Metropolis mit dem Rundfunkorchester Berlin wurde live aus dem Friedrichstadtpalast auf eine gigantische Leinwand übertragen. Die hängt am symbolträchtigsten Bauwerk der Stadt, am Brandenburger Tor — dort, am Pariser Platz, ist sowieso der Berlinerinnen und Berliner liebster Festplatz. Dafür aber, dass heute einige hundert tatsächlich ausgeharrt haben um das filmhistorische Ereignis zu sehen, gebührt dem Berliner Publikum der cineastische Ritterschlag. Denn der eis- und schneeverkrustete Boden fing an, sich bei steigenden Temperaturen in Matsch zu verwandeln und von oben kam ein ekliger Graupelschnee, Schneematsch vom Himmel sozusagen. Ich hab nicht bis zum Ende durchgehalten und mich selber vertröstet auf eine baldige Vorführung in irgend einem warmen Kino. Aber all denen, die ausgeharrt haben und somit dem Kino und der Berlinale die Ehre erwiesen haben – Châpeau! Oder, eher passend: Mütze!

Schweizer Radio DRS, Echo der Zeit hat mit Kinemathek-Direktor Rainer Rother über die Restauration von Metropolis gesprochen. Und DRS2aktuell mit dem Korrespondenten Sven Ahnert.