Locarno 18: MENOCCHIO von Alberto Fasulo (Wettbewerb)

Marcello Martini in der Titelrolle © Nefertiti Film

Im aktuellen Italien die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der für seine freie Rede und kirchenkritischen Gedanken 1599 auf Anordnung des Papstes auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, das ist kein einfaches Unterfangen.

Menocchio hiess eigentlich Domenico Scandella. Er war Müller in Montereale, einem Dorf im Friaul. Wie viele andere Freidenker und kritische Geister geriet auch Scandella in die inquisitorische Repressionsmaschine der Gegenreformation. „Locarno 18: MENOCCHIO von Alberto Fasulo (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: ALICE T. von Radu Muntean (Wettbewerb)

Elf Jahre ist es her, seit Cristian Mungiu mit Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage die neue rumänische Welle zur globalen Anerkennung brachte.

Im Zentrum standen damals das staatliche Abtreibungsverbot im kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre und die Unrechts- und Feigheitsketten, die damit verknüpft waren.

Nun nimmt Radu Muntean das Thema wieder auf, fast spiegelbildlich, im zeitgenössischen Rumänien. „Locarno 18: ALICE T. von Radu Muntean (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: SIBEL von Cağla Zencirci, Guillaume Giovanetti (Wettbewerb)

Damla Sönmez als Sibel © Pyramide

Das Rotkäppchen in diesem Film heisst Sibel und ist eher ein Aschenbrödel. Auch wenn sie ihre Füsse für die Wolfsjagd in knallrote Gummistiefel steckt und mit einer vom Vater geschenkten Flinte unterwegs ist, die ihren Namen trägt.

Das türkisch-französische Filmer-Paar hat etwa gar viel in seinen jüngsten Film gepackt. Die Parabel von der bedrohten traditionellen Macht, die sich zu halten versucht, in dem sie alle Oppositionellen zu Terroristen erklärt. „Locarno 18: SIBEL von Cağla Zencirci, Guillaume Giovanetti (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: DIANE von Kent Jones (Wettbewerb)

Mary Kay Place als Diane © visitfilms.com

Mary Kay Place ist eine jener Schauspielerinnen, die wir alle sofort wieder erkennen, ohne sie eindeutig einer Rolle zuordnen zu können. In unzähligen Serien und gegen hundert Spielfilmen hat sie prägnante sogenannte Charakter-Rollen gespielt.

Und nun ist Mary Kay Place Diane, im Film des einstigen Filmkritikers, Dokumentarfilmers und Direktor des New York Film Festivals, Kent Jones. „Locarno 18: DIANE von Kent Jones (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: TARDE PARA MORIR JOVEN (Too Late to Die Young) von Dominga Sotomayor (Wettbewerb)

Die Kinder von Aussteigern haben es nicht leichter als alle anderen. Im Gegenteil: Wenn sie weg wollen von den Eltern, müssen sie fast zwangsläufig dahin, wo die Eltern herkommen.

So geht es Sofia in der alternativen Kolonie in Chile, in der sie aufgewachsen ist. Sie lebt mit ihrem Vater, einem Instrumentenbauer, und ihrem Bruder in den 1990er Jahren in dieser kargen ländlichen Idylle in den Bergen hoch über der grossen Stadt. „Locarno 18: TARDE PARA MORIR JOVEN (Too Late to Die Young) von Dominga Sotomayor (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: A FAMILY TOUR von Ling Yiang (Wettbewerb)

China, Hongkong, Taiwan. Dieser Film ist spielt gleichzeitig ‚on the road‘ und an einem Ort. Während seine Figuren über die Grenzen zerrissen werden.

Seit fünf Jahren lebt die Regisseurin Yang Shu im Exil in Hongkong. Ihre Mutter zuhause in Sechuan hat ihren Enkel noch nie getroffen. Yang Shu musste China verlassen, nachdem sie mit ihrem Film «The Mother of a Recluse» allzu deutlich die politische Geschichte ihres Vaters nachgezeichnet hatte. „Locarno 18: A FAMILY TOUR von Ling Yiang (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: AMUR SENZA FIN von Christoph Schaub (ausser Konkurrenz)

Gieri (Bruno Cathomas) und Mona (Rebecca Indermaur, sitzend) feiern zwanzig Ehejahre © SRF/Pascal Mora

Mann geht fremd in einem Bündner Dorf. Und die Frauen lassen das nicht auf sich sitzen. Es ist nicht der bescheidene komödiantische Plot, welcher den durchaus vorhandenen Charme dieses Fernsehfilms ausmacht.

Amur senza fin sei der erste professionelle Spielfilm in rätoromanischer Sprache, meinen die Produzenten von der SRG und von Zodiac Pictures. Das stimmt wohl, wenn man die Betonung auf «professionell» legt. „Locarno 18: AMUR SENZA FIN von Christoph Schaub (ausser Konkurrenz)“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 30 – 2018

Maribel Verdú als Carmen in Pablo Bergers ‚Abracadabra‘ © frenetic

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Abracadabra von Pablo Berger.  Nach einer missglückten Bühnenhypnose ist Carmens unangenehmer Gatte plötzlich überaus charmant. Besessen vom Geist eines Massenmörders.  Magischer Realismus im Gewand einer paranormalen Klamotte – hinreissend.
  2. Los perros von Marcela Said.  Ein politischer, erotischer Film noir aus Chile. Die Zeiten der Diktatur wirken auch in der Familie nach, die Vergangenheit lässt sich nicht unter den Teppich kehren.
  3. The Rider von Chloé Zhao.  Ein junger Rodeo-Reiter im Reservat muss sich nach einem Sturz aus dem Sattel auf ein komplett anderes Leben einstellen. Ein dokumentarisch präzises, metaphorisches Zeitbild aus den USA, leise und extrem stark.
  4. Love, Simon von Greg Berlanti. Eine Teenager-Coming-of-Age-Highschool-Komödie, die ihre Subversivität ausgerechnet aus ihrer unterhaltsamen Konventionstreue bezieht. Denn die Hauptfigur ist heimlich schwul. Und das dreht an der Perspektive.
  5. On Chesil Beach von Dominic Cooke. Liebe und Sex im England vor den Beatles. Trotz überdeutlicher Rückblenden und einem vermurksten Epilog einer der subtilsten, aufwühlendsten und keuschesten Sexfilme des Jahres.

Unser Filmpodcast macht Sommerpause bis 28. August.

Die Unverpassbaren, Woche 28 – 2018

Antonia Zeger und Alfredo Castro in ‚Los perros‘ von Marcela Said © filmcoopi

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Los perros von Marcela Said.  Ein politischer, erotischer Film noir aus Chile. Die Zeiten der Diktatur wirken auch in der Familie nach, die Vergangenheit lässt sich nicht unter den Teppich kehren.
  2. The Rider von Chloé Zhao.  Ein junger Rodeo-Reiter im Reservat muss sich nach einem Sturz aus dem Sattel auf ein komplett anderes Leben einstellen. Ein dokumentarisch präzises, metaphorisches Zeitbild aus den USA, leise und extrem stark.
  3. Love, Simon von Greg Berlanti. Eine Teenager-Coming-of-Age-Highschool-Komödie, die ihre Subversivität ausgerechnet aus ihrer unterhaltsamen Konventionstreue bezieht. Denn die Hauptfigur ist heimlich schwul. Und das dreht an der Perspektive.
  4. On Chesil Beach von Dominic Cooke. Liebe und Sex im England vor den Beatles. Trotz überdeutlicher Rückblenden und einem vermurksten Epilog einer der subtilsten, aufwühlendsten und keuschesten Sexfilme des Jahres.
  5. Zama von Lucrecia Martel. Das faszinierende Porträt eines biederen spanischen Kolonialbeamten in Südamerika verbindet hypnotisch schöne Landschaftsbilder mit dem absurden Witz von Kafka und Beckett.

Unser Filmpodcast macht Sommerpause bis 28. August.

Horror, Fantasy, Science-Fiction, Thriller – Swissmade?

Anna Hausburg in Mathieu Seilers ‚True Love Ways‘

Vampire im Schweizer Film? Die gibt es tatsächlich. In Chimères (2013) vom Neuenburger Olivier Beguin beginnt die Verwandlung eines jungen Schweizers mit einer verunreinigten Bluttransfusion, nach einem Unfall in Rumänien. Zurück in der Schweiz entwickelt Alexandre einen Blutdurst, der ihn erschreckt. „Horror, Fantasy, Science-Fiction, Thriller – Swissmade?“ weiterlesen