Filmpodcast Nr. 615: The White Crow, Die fruchtbaren Jahre sind vorbei, Venedig, Penthaz

‚The White Crow‘ von Ralph Fiennes © Praesens

Heute mit zwei neuen Filmen, Ralph Fiennes raffiniertem Spielfilm The White Crow über den Karriere-Start des Jahrhundert-Tänzers Rudolf Nurejew und mit Natascha Bellers Torschluss-Panik-Komödie Die fruchtbaren Jahre sind vorbei. Dazu ein Gespräch zum Start des Filmfestivals in Venedig und eines zum neuen Forschungszentrum der Cinémathèque Suisse. Kurztipps wie immer. Und die Tonspur, klar.

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Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach

Scarlett Johansson, Adam Driver © Netflix

Das Kino hat ein neues Leinwandtraumpaar – ein Traumpaar in Sachen Trennung. Scarlett Johansson und Adam Driver spielen Nicole und Charlie, sie ist Schauspielerin, er Theaterregisseur. Zusammen haben sie einen achtjährigen Sohn, Henry.

Noah Baumbachs Film heisst Marriage Story – und er beginnt da, wo Nicole und Charlie zum ersten Mal über Trennung sprechen. Beziehungsweise schon vorher – man hört zuerst Charlie aus dem Off erzählen, was er an Nicole liebt, danach sie über ihn. Dazu gibt’s hübsche Familienszenen und heiter-beschwingte Musik (grossartig übrigens von Randy Newman). „Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 35 – 2019

Michèle Rohrbach in ‚Die fruchtbaren Jahre sind vorbei‘ von Natascha Beller © Cineworx

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Nurejew – The White Crow von Ralph Fiennes. Die Jahre vor dem Ruhm beim legendären Tänzer, raffiniert, zurückhaltend, spannend und gezielt gebaut.
  2. Die fruchtbaren Jahre sind vorbei von Natascha Beller. Die Komödie zu angeblicher Torschlusspanik und zwingendem Kinderwunsch bei Frauen über Dreissig. Bildwitzig, schlagfertig und undeutschschweizerisch saftsaugend.
  3. Monos von Alejandro Landes. Eine rätsel- und rauschhafte Variation auf Goldings «Lord of the Flies». Ein Film der vieles offen lässt, und genau deshalb fasziniert.
  4. La paranza dei bambini von Claudio Giovannesi. Neapolitanische Teenager legen sich mit der alteingesessenen Mafia-Garde an. Realistisch-regelkonforme filmische Umsetzung des Romans von Camorra-Spezialist Roberto Saviano.
  5. Blinded by the Light von Gurinder Chadha.  Die Bend it like Beckham-Regisseurin erzählt vom pakistanischen Jungen in Thatchers England, dem Bruce Springsteens Songs beim Erwachsen werden helfen. Wunderbar poetisch, selbst für Springsteen-Agnostiker. Auch wenn sich die Magie im Verlauf des Films ein wenig abnutzt.

Und im Filmpodcast morgen:  The White Crow, Venedig eröffnet, Cinémathèque mit neuem Forschungszentrum, Die fruchtbaren Jahre…

Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda

Catherine Deneuve und Juliette Binoche in ‚La verité‘ © 3B-Bunbuku-MiMovies-FR3

Er ist der Seismograph der japanischen Befindlichkeit, der Meister der japanischen Familiengeschichten, der «Ken Loach Japans», wie er auch schon genannt wurde: Hirokazu Kore-eda. Nun hat sich auf ein komplett neues Terrain gewagt: Er hat einen französischen Film gedreht, mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Und mit Ethan Hawke als Binoches US-amerikanischem Ehemann.

Fabienne (Deneuve) – eine berühmte französische Schauspielerin – veröffentlicht ihre Memoiren. Zu diesem Anlass kommt ihre Tochter Lumir (Binoche) samt Ehemann (Hawke) und kleiner Tochter zu Besuch. Das Treffen von Mutter und Tochter – nach längerer Zeit – ist nicht besonders herzlich, und der Konflikt bricht umso mehr auf, als Lumir das Buch ihrer Mutter gelesen hat. Und dass Fabienne im Moment ausgerechnet in einem Film mitspielt, der eine Mutter-Tochter-Beziehung ad absurdum führt, verkompliziert alles noch einmal mehr. „Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda“
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Filmpodcast Nr. 614: Blinded by the Light, Monos, La paranza dei bambini

‚Monos‘ von Alejandro Landes © trigon-film

Die Sommerpause ist vorbei, wir sind wieder da, rechtzeitig für die starken neuen Filme, die jetzt auf die Leinwände drängen. Heute haben wir gleich drei davon im Angebot: Blinded by the Light von Bend-it-like-Beckham-Regisseurin Gurinder Chadha, über die Liebe eines Teenagers zu Bruce-Springsteen-Songs. Monos, ein rätselhaft faszinierendes Dschungeldrama aus Kolumbien, und La paranza dei Bambini nach Roberto Saviano, ein Mafia-Jugend-Drama in Neapel.

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Die Unverpassbaren, Woche 34 – 2019

Steenspringers in ‚Blinded by the Light‘ von Gurinder Chadha © Warner Bros.

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Monos von Alejandro Landes. Eine rätsel- und rauschhafte Variation auf Goldings «Lord of the Flies». Ein Film der vieles offen lässt, und genau deshalb fasziniert.
  2. La paranza dei bambini von Claudio Giovannesi. Neapolitanische Teenager legen sich mit der alteingesessenen Mafia-Garde an. Realistisch-regelkonforme filmische Umsetzung des Romans von Camorra-Spezialist Roberto Saviano.
  3. Blinded by the Light von Gurinder Chadha.  Die Bend it like Beckham-Regisseurin erzählt vom pakistanischen Jungen in Thatchers England, dem Bruce Springsteens Songs beim Erwachsen werden helfen. Wunderbar poetisch, selbst für Springsteen-Agnostiker. Auch wenn sich die Magie im Verlauf des Films ein wenig abnutzt.
  4. Once Upon a Time in Hollywood von Quentin Tarantino. Tarantinos neunter ist nicht sein bester. Aber noch lange gut genug, um bestens zu unterhalten mit seiner Mischung aus Hollywood-Nostalgie und Tinseltown-Enttarnung.
  5. Parasite von Bong Joon Ho. Die Kellerfamilie schleicht sich ein bei den Villenbesitzern. Eine immer wieder neu überraschende Sozial-Parabel, die gekonnt alle Genre-Grenzen verwischt. Nachhaltig hinterhältig unterhaltsam.

Und im Filmpodcast morgen:  Monos, La paranza dei bambini, Blinded by the Light

Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)

Gunawan Maryanto als Siman © Rediance

Die Mondlandung wurde wahrscheinlich in Indonesien gefaked. Jedenfalls gerät Siman, ein ruhiger Mann, in den sechziger Jahren an nächtliche Dreharbeiten, er wird entdeckt und man schneidet ihm die Zunge heraus.

Fortan lebt Siman in einer eigenen Traumwelt. Er baut sich aus alten Waschmaschinen ein Raketen-Haus, das bald zu einer Touristen-Attraktion wird. Und er bewegt sich als Astronaut durchs Leben, stets in Zeitlupe, was ihn selber zu einer von seiner Umgebung durchaus auch ausgebeuteten Performance-Attraktion macht. „Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)

Irina Atanasova und Goldie/Boo © Activist 38

Kein Wunder sind so viele Briten für den Brexit, wenn die Bulgarinnen bereits den alten working class heroes wie Ken Loach die Arbeit wegnehmen…

Was die bulgarischen Dokumentarfilmerinnen Mileva und Kazakova hier in ihrem ersten Spielfilm veranstalten, sieht manchmal fast schon aus wie eine Parodie des Genres, mit dem Loach/Laverty das britische Exportkino über Jahrzehnte geprägt haben. „Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)

© Second Wind Film

Vielleicht müsste man die koreanische Gesellschaft besser kennen, um diese wie ein leicht wirrer Krimi aufgebaute Dorfgeschichte ganz zu entschlüsseln. Aber die wesentlichen Züge werden doch gegen Ende hin klar.

Die Polizistin, die für zwei Jahre mit ihrer Tochter in diese Küstenortschaft versetzt wurde, ist offenbar in Scheidung. Die Tochter sehnt sich nach ihrem Vater und nach Seoul zurück. Die Mutter nimmt Pillen gegen Panikattacken. „Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)“ weiterlesen