LIMONOV: THE BALLAD von Kirill Serebrennikov

Kann kein Russisch: Ben Wishaw in der Titelrolle © Pathé

Das Dritte, was auffällt in den ersten Minuten dieses Films ist die eigenartige Zahmheit der Hauptfigur. Dieser rebellische Poet in seiner sowjetischen Frühzeit erinnert eher an die unbeschwerten jungen Rocker zu Beginn von Serebrennikovs Leto.

Das Zweite, was auffällt, zunehmend unangenehm: Diese Russen reden alle Englisch, mit dickem russischem Filmakzent. Nicht nur der Brite Ben Wishaw, der die Titelrolle spielt, sondern alle, ausnahmslos. Und kyrillische Schriftzüge verwandeln sich in englische, kaum sind sie sichtbar geworden. „LIMONOV: THE BALLAD von Kirill Serebrennikov“ weiterlesen

EMILIA PÉREZ von Jacques Audiard

Zoe Saldana © Pathé

Zoe Saldana kann singen. Sie kann auch tanzen. Und wie. Dabei spielt sie in Audiards jüngstem und bisher verblüffendsten Opus eine Anwältin in Mexiko City, die zunächst weder zum Tanzen noch zum Singen die geringste Veranlassung hat.  Sondern vor allem Ehrgeiz. Und Wut im Bauch.

Ihr Job ist es, die Verteidigung fürchterlicher Typen so vorzubereiten, dass ihr Boss diese vor Gericht freibekommt. Und das gelingt ihr so gut, dass ihr im Fall eines Typen, der seine Frau umgebracht hat, ob dem eigenen Erfolg schlecht wird. „EMILIA PÉREZ von Jacques Audiard“ weiterlesen

KINDS OF KINDNESS von Yorgos Lanthimos

Emma Stone in ‚Kinds of Kindness‘ © Searchlight Pictures

Nach seinem Erfolg mit Poor Things hatte Lanthimos offenbar das Bedürfnis, wieder tiefer in das gezielte Unbehagen seiner griechischen Anfänge einzutauchen, ohne auf Emma Stone zu verzichten. Oder auf Margaret Qualley. Oder auf Willem Dafoe.

Sie sind alle drei wieder da, ergänzt um Hong Chau und vor allem Jesse Plemons, in den drei thematisch verwandten, aber nur über eine Figur mit den Initialen R.M.F. (Yorgos Stefanakos) verknüpfte Episoden. „KINDS OF KINDNESS von Yorgos Lanthimos“ weiterlesen

MEGALOPOLIS von Francis Ford Coppola

Adam Driver (Caesar Catalina) und Nathalie Emmanuel (Julia Cicero) über ‚Megalopolis‘ © American Zoetrope

45 Jahre nachdem er mit Apocalypse Now die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes gewonnen hat, ist Francis Ford Coppola zurück im Wettbewerb. Mit 85 hat er noch einmal alles riskiert für sein Megalopolis: Sein Vermögen und seinen Ruf.

Adam Driver steht im Abendrot auf der Umrandung der Spitze des Chrysler Buildings in New York. Er hebt einen Fuss zum Schritt ins Leere, beginnt zu stürzen – und gebietet der Zeit den Stillstand.

Die Zeit gehorcht. „MEGALOPOLIS von Francis Ford Coppola“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 833: Cannes, Love Life, Boléro, Roger Corman, The Third Man

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Die 77. Ausgabe des Filmfestivals von Cannes ist gestartet und Michael Sennhauser ist vor Ort. Im Kino neu sind der japanische Spielfilm «Love Life», den Georges Wyrsch gesehen hat und der Musikfilm Boléro, den Musikredaktorin Elisabeth von Kalnein bespricht. Dann gibt’s einen Nachruf auf den B-Movie-König Roger Corman von Georges Wyrsch und Michael Marek hat sich in Wien in den Untergrund begeben auf den Spuren des «Dritten Mannes» zum 75. Jubiläum des Klassikers The Third Man. Wie immer haben wir auch eine Tonspur zum Erraten und die Kurztipps.

Saugen: Filmpodcast Nr. 833


filmpodcast

Den Filmpodcast können Sie via iTunesSpotify, Deezer oder direkt abonnieren.

BIRD von Andrea Arnold

Bailey (Nykiya Adams) © Ad Vitam

Bereits drei Mal hat Andrea Arnold in Cannes den Jury-Preis gewonnen. Für Red Road (2006), Fish Tank (2009) und für American Honey (2016).

Mit Bird kehrt sie nun zurück zum Teenager-Lebenskampf von Fish Tank, allerdings reifer, balancierter und bisweilen gar polemisch-poetisch. „BIRD von Andrea Arnold“ weiterlesen

THE GIRL WITH THE NEEDLE (Pigen med nálen) von Magnus von Horn

© The Match Factory

Die ersten Bilder wirken experimentell und expressionistisch. Gesichter in Schwarzweiss überlagern sich, werden zu Fratzen, die Tonspur ist beunruhigend.

Magnus von Horns neuer Spielfilm (nach seinem polnischen Sweat) ist wieder eine dänische Produktion, wie sein erster, The Here After. „THE GIRL WITH THE NEEDLE (Pigen med nálen) von Magnus von Horn“ weiterlesen

DIAMANT BRUT von Agathe Riedinger

Liane (Malou Khebizi) © Pyramide

Die Macht des Kinos ist nicht nur die Illusion, die veränderte Realität, die Realisierung des Traumes. Seine grosse Stärke spielt es aus, wenn es uns in Welten versetzt, die wir davor nicht kannten.

Nur habe ich, in meiner sechsten Lebensdekade, nicht damit gerechnet, dass die Welt einer neunzehnjährigen Frau in Frankreich für mich derart fremdes Terrain sein würde. „DIAMANT BRUT von Agathe Riedinger“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 832: 8 Tage im August, Omen, Hors-saison & Stéphane Brizé

Das Kino ist dem Jahr voraus: Brigitte Häring hat «8 Tage im August» gesehen. Georges Wyrsch stellt den ersten Spielfilm des belgisch-kongolesischen DJ Baloji vor: «Omen», Originaltitel «Augure». Und ich habe mit Stéphane Brizé über seinen Film «Hors-saison» und das bittersüsse Wiedersehen einstiger Liebender im Thalasso-Kurort gesprochen.

Saugen: Filmpodcast Nr. 832


filmpodcast

Den Filmpodcast können Sie via iTunesSpotify, Deezer oder direkt abonnieren.

Die Unverpassbaren, Woche 19 – 2024

Guillaume Canet und Alba Rohrwacher in «Hors saison» von Stéphane Brizé © Xenix

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Hors-saison von Stéphane Brizé. Was wäre gewesen wenn…? 15 Jahre nach  der Trennung treffen sich Mathieu und Alice zufällig und spielen das durch. Romantische Melancholie gegen die Unwiderruflichkeit des Lebens.
  2. Omen (Augure) von Baloji. Ein junger Belgier wird von seiner kongolesischen Verwandtschaft geächtet. Aus Aberglaube – oder es geht tatsächlich übernatürlich zu in diesem absurd-afrofuturistischen Universum, in dem das Abwehren des Fluchs zum Fluch selbst wird.
  3. La voie royale von Frédéric Mermoud. Ihre Mathematikbegabung katapultiert Bauerntochter Sophie mitten in die französische Realität zwischen Gilets jaunes und Elitehochschulen. Packend und herzlich.
  4. Omegäng von Aldo Gugolz. Ein ungezwungener Streifzug durch Deutschschweizer Mundartlandschaften. Die Freude am gesprochenen Dialekt ist hier – ob bewahrend oder kreativ verfremdend – vor allem: ansteckend.
  5. Andrea lässt sich scheiden von Josef Hader. Land-Polizistin Andrea will die Scheidung. Aber dazu kommt es nicht mehr. Eine tragikomische Birgit Minichmayr in und mit einem grossartigen Hader. Und Gin-Tonic is ka Alkohol.

Im Filmpodcast morgen: Omen, 8 Tage im August, Hors-saison und Stéphane Brizé