Cannes 18: THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE von Terry Gilliam

Jonathan Pryce und Terry Gilliam © Ascot-Elite

Fünfundzwanzig Jahre hat Terry Gilliam gebraucht, um diesen Film endlich auf die Beine zu stellen. Zwei Hauptdarsteller sind in dieser Zeit gestorben, John Hurt und Jean Rochefort. Ihnen ist der Film gewidmet, in dem nun Jonathan Pryce und Adam Driver sich die Titelrollen teilen. Pryce ist Don Quixote, Adam Driver der Regisseur, der daran schuld ist. Terry Gilliam sind sie beide.

Der einstige Zusatz-Monty-Python Gilliam hatte dermassen viel Pech mit diesem Mammut-Projekt, dass es mehr Legenden dazu gibt, als Szenen im Film. Und mindestens einen Dokumentarfilm. „Cannes 18: THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE von Terry Gilliam“ weiterlesen

Cannes 18: AYKA von Sergei Dvortsevoy (Wettbewerb)

‚Ayka‘ Samal Yeslyamova © filmcoopi

Ayka ist eine junge Kirgisin in Moskau. Sie wohnt in einem jämmerlichen Haus, das der Besitzer kojenweise an illegale Arbeitssuchende vermietet. Aber das erste, was wir von ihr sehen, ist ihr neu geborenes Kind.

Beziehungsweise gleich vier Kinder, gebündelt und eingewickelt auf einem Wagen werden sie von einer Schwester der Entbindungsstation ins Zimmer mit den Müttern geschoben. Vier unterschiedliche winzige Gesichter sehen wir in Aufsicht, eines schlafend, eines skeptisch, eines wirkt uralt und unglücklich. „Cannes 18: AYKA von Sergei Dvortsevoy (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: CAPHARNAÜM von Nadine Labaki (Wettbewerb)

Zain und Yonas (Zain Al Rafeea, Boluwatife Treasure Bankolé) © Wild Bunch

Dieser Film stellt harte Anforderungen, sowohl subjektiv wie auch objektiv. Er setzt die lange Reihe von Kinderschicksals-Epen fort, die auf der härteren Seite von Hector Babencos Pixote (1981) geprägt sind, auf der weicheren von Wohlfühl-Elend im Stil von Slumdog Millionaire (2008).

Regisseurin Nadine Labaki wurde im Libanon geboren und gehört seit Caramel von 2007 zu den wenigen Weltregisseurinnen mit dem Cannes-Qualitäts-Label, wie etwa noch die Japanerin Naomi Kawase oder Alice Rohrwacher aus Italien, die dieses Jahr mit Lazzaro felice im Wettbewerb vertreten ist. „Cannes 18: CAPHARNAÜM von Nadine Labaki (Wettbewerb)“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 562: Cannes: Chris The Swiss, Dans le lit du Rhône, Wonderstruck

‚Dans le lit du Rhône‘ von Mélanie Pitteloud © Aardvark Film

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Eine Schweizer Weltpremiere in Cannes: Chris The Swiss ist eine Mischung aus Animationsfilm und Dokumentation. Der Schweizer Dokfilm Dans le lît du Rhône erzählt von der Beziehung der Walliser Bevölkerung zu ihrem Fluss. Und Wonderstruck heisst das neue Filmwunder von Todd Haynes. Unsere Kurztipps geben Orientierung im Programmdschungel und zur Unterhaltung gibt’s wie immer ein Tonspurrätsel.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 562 (Rechtsklick für Download)


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Die Unverpassbaren, Woche 20 – 2018

Ekaterina Samsonov als Hanna in ‚Wonderstruck‘ © amazon studios

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Wonderstruck von Todd Haynes.  Ein Junge in den Siebziger Jahren und ein Mädchen in den Zwanzigern durchleben auffällig ähnliche Situationen… Todd Haynes gelingt ein kleines New-York-Filmwunder (fast) ohne übernatürliche Elemente.
  2. I am not a Witch von Rungano Nyoni. Eine Achtjährige wird in Zambia der Hexerei beschuldigt. In ihrem ersten Spielfilm verwebt die Regisseurin Erfahrungen, die sie im Alltag in Ghana gemacht hat.
  3. Isle of Dogs von Wes Anderson. Andersons zweiter Stop-Motion Film mit Puppen versammelt wieder eine kuriose Wahlverwandschaft. Diesmal sind es die verbannten Hunde einer japanischen Megacity, die sich auf ihrer Insel verbünden. Wieder taucht Anderson in eine andere Kultur ein wie ein Erzählschwamm und transponiert seine Familiengeschichten. Charmant und witzig.
  4. Loveless (Nelyubov) von Andrey Zvyagintsev. Die Kälte in diesem Film ist schwer auszuhalten. Ein Paar streitet darüber, wer nach der Scheidung den Sohn zu sich nehmen muss – der Junge hört mit und verschwindet. Ein starker, unerbittlicher Film.
  5. Jupiter’s Moon von Kornél Mundrúczo. Ein junger syrischer Flüchtling wird erschossen und beginnt zu levitieren. Ein zynischer Arzt möchte daraus Kapital schlagen. Irrwitzig, märchenhaft, metaphorisch im Plot, verblüffend realistisch in der Umsetzung.

Morgen im Filmpodcast: Wonderstruck, Chris the Swiss, Dans le lit du Rhône.

Cannes 18: DOGMAN von Matteo Garrone (Wettbewerb)

Marcello, der ‚Dogman‘ (Marcello Fonte) © Archimede

Die ersten Einstellungen dieses Film sind hinreissend. Und sie spiegeln eine invertierte Sequenz gegen Ende der Geschichte, welche wiederum die eigentlich «raison d’être» für das Drehbuch ist. Sagt Regisseur Garrone.

Da versucht ein kleiner, etwas gebückter Mann eine zähnefletschende Kampfdogge mit einem Schrubber zu waschen. Der Hund ist angebunden in einer Blechwanne. Aber es besteht kein Zweifel, dass dieser Marcello (Marcello Fonte) innert Sekunden zerrissen würde, wäre der Hund frei. „Cannes 18: DOGMAN von Matteo Garrone (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: BURNING (Beoning) von Lee Chang-dong (Wettbewerb)

Jong-seo Jeon (Hae-mi) in ‚Beoning‘ © CGV Arthouse

Auch Kurzgeschichten brauchen ihre Zeit. Jedenfalls hat der Südkoreaner Lee Chang-dong aus Haruki Murakamis Short-Story «Barn Burning» einen 148minütigen Mystery-Thriller gemacht, der fesselt und verwirrt.

Lee Jong-soo (Ah-in Yoo) schlägt sich in Seoul durch. Eigentlich möchte er einen Roman schreiben, aber er hat keinen Stoff und keine Idee. Da spricht ihn vor einem Warenhaus eine der jungen Frauen an, die lächelnd und tanzend Lotterie-Tickets verteilen, um Kunden anzulocken. „Cannes 18: BURNING (Beoning) von Lee Chang-dong (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell (Wettbewerb)

Andrew Garfield als Sam in ‚Under the Silver Lake © Ascot-Elite

Nachdem ihm der Erfolg seines überraschenden, minimalistischen Horrorfilms It Follows (2014) den Zugang zu einem grösseren Budget ermöglicht hat, lässt David Robert Mitchell in seinem dritten Film alles auf einmal los, was er sich als künstlerischen Wurf erträumt hat.

Under the Silver Lake ist ein Kompendium von Hommagen, Ideen, Theorien und Vorstellungen. Ein perfekt gemachter, dichter, wirrer und unterhaltsamer Film, der sich für nichts wirklich entscheiden mag. „Cannes 18: UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: EN GUERRE von Stéphane Brizé (Wettbewerb)

‚En guerre‘ von Stéphane Brizé, mit Vincent Lindon © Diaphana

Mit La loi du marché hat Stéphane Brizé 2015 in Cannes begeistert, sein Hauptdarsteller Vincent Lindon hat den Darstellerpreis gewonnen. Die hauptsächlich mit Laien gedrehte Geschichte um Arbeitslose und ihren Kampf um Würde und Verdienst hatte eine ungewohnte, kühle Unmittelbarkeit, fern der Klassenkampfromantik eines Ken Loach. Aber klar die gleichen Sympathien.

Nun hat das Duo Lindon/Brizé das Konzept eine Nummer höher geschraubt. En guerre nimmt seinen Titel wörtlich; wir sind dabei beim gewerkschaftlichen Kampf gegen die Schliessung einer Autofabrik in Frankreich. „Cannes 18: EN GUERRE von Stéphane Brizé (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: THE HOUSE THAT JACK BUILT von Lars von Trier (ausser Konkurrenz)

Uma Thurman, Matt Dillon © Zentropa

Sieben Jahre nach seiner Verbannung aus Cannes ist Lars von Trier zurück. Nicht im Wettbewerb, sondern ausser Konkurrenz, wo er auch keine Pressekonferenz geben muss.

Mit The House that Jack Built inszeniert der Däne seinen eigenen Höllensturz und die Motivation dazu – wie gewohnt als Provokation in alle Richtungen. „Cannes 18: THE HOUSE THAT JACK BUILT von Lars von Trier (ausser Konkurrenz)“ weiterlesen