Filmpodcast 42: The Bubble, Daratt, Oh Mein Papa, Dutti der Riese.

Herzlich Willkommen zum 42. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Heute stellen wir ihnen den neuen Film von Eytan Fox aus Israel vor, The Bubble, und einen der mittlerweile sehr seltenen Filme, aus Afrika, Daratt von Mahamat-Saleh Haroun. Danach untersucht Pierre Lachat die beiden neuen Schweizer Dokumentarfilme Oh mein Papa und Dutti der Riese auf Übereinstimmungen im zeitgeschichtlichen Bild das sie vermitteln. Dazu wie immer Kurztipps und Filmspiel.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200709140800.mp3]

Hollywood auf dem Rütli?

„Wie sich die amerikanischen Verleiher in der Schweiz vom einheimischen Filmkuchen ihr Stück abschneiden – als Nächstes mit dem «Tell»“, darüber berichtet Kollege Martin Walder in einem ausführlichen und lesenswerten Artikel in der letzten Ausgabe der NZZ am Sonntag. Dass US-Verleiher wie Buena Vista mit Filmen wie Sternenberg den Versuch gewagt haben, Schweizer Filmkost durch ihre Profi-PR-Maschine zu lassen, hat sich spätestensmit Die Herbstzeitlosen ausbezahlt. Und nicht nur wegen dem Publikumserfolg, sondern auch wegen der Bundessubventionen von succès cinéma, welche genau dafür eingerichtet worden sind: Erfolg soll belohnt werden und neuen Erfolg generieren. Dass die Subventionsmaschine auf dieser Ebene funktioniert, ist recht erfreulich. Seit ich allerdings den „Tell“ gesehen habe, den neuen Film von „Charlie“-Macher Mike Eschmann, habe ich zwei Ängste in der Brust: a) dass der Film nicht so unglaublich floppen wird, wie er es bei mir in seiner unglaublichen Unlustigkeit getan hat, oder b) dass er gar zum Riesenerfolg wird und damit der UIP-Verleih auch auf dem „succès cinéma“ Karussell gefangen bleibt und und weitere solche Machwerke ins Haus stehen. So oder so: Der Artikel von Martin Walder ist unbedingt lesenswert. Und zu „Tell“ gibt er wohlweislich kein Urteil ab.

Die Fantoche-Familie wächst im Web

Wir sind wieder in Betrieb!

Für einmal in eigener Sache – aber für einen guten Zweck: Ich bin im Vorstand des Animationsfilmfestivals Fantoche in Baden (darum berichte ich auch nicht von dort am Sender) und das hat heute Abend angefangen. Ebenfalls heute Abend haben wir auf der Website von Fantoche das Fördervereins-Modul aufgeschaltet. Das ist eine richtige animierte Familie. Jedes Fördervereinsmitglied bekommt seinen eigenen Fantoche (Farbe wählbar), und steht in Beziehung zu Anwerberin und Angeworbenen. Sozusagen social engineering in Flash – eine animierte Fanbasis mit Spielnutzen: Per Mausklick lässt sich feststellen, wer von wem angeworben wurde, wer wen angeworben hat, und wer den grössten Fantoche-Clan auf die Beine stellt. Ausprobieren und weitersagen. Und bei Gefallen und Einleuchten selber per Mausklick anmelden und den eigenen Fantoche ins Gewusel stellen.

Porno für Pflanzen

Für Menschen gebe es schon viel zu viel Unterhaltungs- möglichkeiten, sagt Konzeptkünstler Jonathon Keats: „Aber Organismen mit Populationen, die um etliches grösser sind als unsere eigene, werden von MGM und Disney routinemässig ignoriert.“ Dem will Keats abhelfen, mit einer Filmproduktion für Pflanzen. Erste Versuche stellt er ab 10. September in der 1078 Gallery in Chico, Kalifornien, aus. Ein erstes Beispiel für erotisches Pflanzenkino gibts hier auf YouTube. Warum aber ausgerechnet Porno? Jonathon Keats hat erste Erfahrungen mit Kunst für andere Spezies letztes Jahr gesammelt, mit einem Ballett für Honigbienen. „Tanz ist etwas Natürliches für Bienen“, erklärt er in einer Pressemitteilung, die es hier im Original zu lesen gibt, „für Bäume ist das etwas weniger natürlich“. Darum sei ihm die Idee mit dem Kino für Pflanzen gekommen. Die Filme werden direkt auf die Blätter projiziert. Und da es sehr schwer sei, herauszufinden, was Pflanzen gerne sehen möchten, ist Keats davon ausgegangen, dass auch bei ihnen die Fortpflanzung zu den zentralen Themen gehört.

Filmpodcast 41: Chicken Mexicaine, Delirious, Hairspray, Woody Allens Pure Anarchie.

Herzlich Willkommen zum 41. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Heute stellen wir Ihnen den Schweizer Gefängnisfilm «Chicken Mexicaine» vor, Tom di Cillos Paparazzi-Groteske «Delirious», die Musical-Fassung von John Waters «Hairspray» und ein neues Buch mit Kurzgeschichten von Woody Allen. Dazu, wie immer, Kurztipps und Filmhörspiel. Eine geballte Ladung Kino im Ohr – gut investierte 20 Minuten, hoffentlich!

Lust auf Oscars? Stehplatz-Lotterie.

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences verlost ein paar hundert sogenannte „bleachers“-Stehplätze am roten Teppich für den Gladiatoren-Einzug an der nächsten Oscar-Verleihung (24. Februar 2008). Das sind die Jubel-Plätze, die es braucht, damit die Fernsehbilder auch wirklich einen schön bewegten Hintergrund bekommen. Jedes Jahr wollen einige tausend Menschen da stehen und jubeln. Ab 17. September kann man sich hier online bewerben. Ob Ausländer, bzw. non-US-residents zugelassen sind, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Wer aber leer ausgeht, kann sich jetzt schon bei Nicolas Bideau, Sektion Film, Bundesamt für Kultur, bewerben. Vielleicht gibts noch Bleacher-Plätze für die Verleihung der Schweizer Filmpreise an den Solothurner Filmtagen nächsten Januar.

Voll auf die Nase – Kinowerbung mit Geruch

Das Geruchs- oder vielmehr das Stinkkino hat schon etliche kurzlebige Metamorphosen hinter sich. Es gab Methoden mit Parfumsprays und Ventilatoren, auch für Werbefilme, und die alle hatten das Problem, dass ein Geruch nicht so schnell verschwindet wie ein Bild, das auf der Leinwand vom nächsten abgelöst wird. Das berüchtigtste Beispiel für Stinkkino lieferte Baltimores John Waters 1981 mit Polyester. Der ohnehin als Bürgerschreck aufgezogene Film mit Divine wurde in Odorama gezeigt, dem bisher einzigen mehr oder weniger brauchbaren Verfahren für Geruchskino: In einzelnen Szenen blinkte auf der Leinwand eine Nummer auf, die mit einem Kratzfeld auf einer vorher ans Publikum verteilten Karte korrespondierte. Leichtes Kratzen am entsprechenden Feld liess der Karte den passenden Geruch entströmen. Natürlich wäre das kein John-Waters-Film gewesen, wenn der Meister seine Fans nicht vor allem mit dem Geruch von alten Socken oder Erbrochenem ergötzt hätte. Jetzt führt der Einbruch im Geschäft mit Print-Anzeigen in den USA zu einer indirekten Renaissance der Technik. Publikationen wir Premiere (R.I.P.) und Life-Style Magazine brachten in den letzten Jahren immer wieder Parfum-Werbung, die man mit leichtem Kratzen am Papier zum Duften bringen konnte (abstellen konnte man das in der Regel allerdings nicht mehr). Jetzt vermeldet die Business Sektion der New York Times, dass die Los Angeles Times demnächst ein Film-Inserat für einen neuen Familienfilm mit dem Titel Mr. Magorium's Wonder Emporium bringen werde, das nach leichtem Ankratzen den Duft von Kuchen verströmen soll. Dass ein solches Gimmick kurzfristig die Aufmerksamkeit zu erhöhen vermag, beweist neben dem NYT-Artikel auch dieser Blogeintrag. Mehr als ein Geruchsinserat pro Print-Publikation dürfte allerdings nicht drin liegen, und früher oder später werden sich die Kunden von riechenden Magazinen wohl mit Grausen abwenden.

Schneller, kürzer und bissiger

Unter dem wunderbaren Titel Dr. Lecters Schnellimbiss stellt Christian Kortmann auf der Website der Süddeutschen Zeitung heute das „Internetvideo der Woche“ vor, bzw. eine ganze Serie davon:

Kino muss schneller und härter gehen – wir haben ja nicht ewig Zeit: auf fünf Sekunden eingedampfte Hollywood-Blockbuster wie „Titanic“ und

„Das Schweigen der Lämmer“ in der Clip-Kritik.

Da gibt es nämlich einen, der auf YouTube Filme wie The Silence of the Lambs oder Titanic auf das Wesentliche reduziert. Und das Verblüffende daran: 5 Sekunden reichen tatsächlich dafür – wenn man davon ausgeht, dass der normale Hollywood-Plot überhaupt einen Anker in der menschlichen Realität hat. Besonders erschlagend kommt das zum Vorschein bei der Kürzestversion von Silence of the Lambs: Da bleibt nur noch die Faszination der beiden Hauptfiguren füreinander übrig. Während Titanic halt einfach ein sinkendes Schiff ist und bleibt. Besonders interessant ist in dem Zusammenhang, dass diese Kurzfassungen eben nicht wie normale Kinotrailer funktionieren, wie Kortmann betont. Ein Trailer soll Lust auf den Film machen … diese Fünfsekundenfilme dagegen sind so etwas wie ein Reader’s Digest, knallharte kleine Super-Spoiler, so etwas wie entlarvende Etiketten auf Mogelpackungen.

Filmpodcast Woche 35: Death at a Funeral. I Was a Swiss Banker, Ingrid Bergman.

Herzlich Willkommen zum 40. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Pierre Lachat hat mit Regisseur Frank Oz über seine schwarze britische Komödie «Death at a Funeral» gesprochen, wir erinnern an Ingrid Bergman, die am 29. August vor 25 Jahren gestorben ist. Und wir stellen das Schweizer Sommerkinomärchen «I Was Swiss Banker» im Gespräch mit Regisseur Thomas Imbach vor. Dazu wie immer Kurztipps und Filmhörspiel.