Filmpodcast 51: Leroy, Beowulf, 4 Monate 3 Wochen und 2 Tage, Preisüberwacher moniert Kinopreise.

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast für die Woche 46. Am Mikrofon begrüsst Sie Michael Sennhauser, heute mit den folgenden Themen: Leroy, die Anti-Nazi-Komödie aus Berlin, Beowulf, das Heldenepos aus der Computertrickkiste, der Angriff von Preisüberwacher Rudolf Strahm auf die Schweizer Kinopreise, und schliesslich ein ausführliches Gespräch mit dem rumänischen Regisseur Cristian Mungiu zu seinem Cannes-Siegerfilm 4 Monate 3 Wochen und 2 Tage. Dazu Filmspiel und Kurztipps, wie gewohnt.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200711160800.mp3]

Preisüberwacher kritisiert Verleiher für hohe Kinoeintrittspreise

Preisüberwacher Rudolf Strahm (Fotomontage aus Bildern seiner Website)In seinem letzten Newsletter vom 13. November geht der eidgenössische Preisüberwacher Rudolf Strahm hart ins Gericht mit den Schweizer Filmverleihern, insbesondere mit den sogenannten "US-Majors" Fox-Warner, UIP und Buena Vista. Ihre von den Kinobetreibern geforderten Margen an den verliehenen Filmen seien deutlich höher als im benachbarten Ausland:

Kinopreise und Verleihmieten in der Schweiz höher als im Ausland

Die Preisüberwachung kommt auf Grund einer Analyse der schweizerischen Kinopreise zum Schluss, dass die Kinotarife in der Schweiz 45 bis 80 Prozent höher sind als im benachbarten Ausland. Die Schweizer Kinobetreiber bezahlen den Film- Verleihfirmen durchschnittlich gegen Fr. 6.-/Eintritt und damit rund 50 Prozent mehr als in Deutschland und Frankreich (rund Fr. 4.-).

Rund die Hälfte dieser Preisdifferenz lässt sich durch die höheren Kosten in der Schweiz begründen (Untertitelung, Werbung, etc.). Die verbleibenden Fr. -.80 bis Fr. 1.– an höheren Verleihabgaben pro Besucher stellen mithin eine Kaufkraftabschöpfung der Schweizer Konsumenten durch die Filmverleihunternehmen dar. Die Berechnungsmethode der Verleihpreise entspricht aber internationaler Usanz, weshalb der Preisüberwacher von einem for- mellen Eingriff gegenüber den Filmverleihern absieht. Die Preisüberwachung hat sich darauf beschränkt, den Filmverleihern eine Senkung der Verleihgebühr zu empfeh- len, um diese Preise näher an das Niveau unserer Nachbarländern heran zu führen. [Rudolf Strahm, Jörg Christoffel, Catherine Josephides Dunand]

Mehr dazu auf der Website des Preisüberwachers. Darüber hinaus haben die Kollegen von DRS4News sowohl mit Strahm wie auch mit einem Vetreter der Filmverleiher gesprochen. Dieser Beitrag findet sich im Filmpodcast 51 von morgen Freitag (online ab 08.00 Uhr)

Neues Filmportal der Süddeutschen Zeitung

Schon lange sind meine Weltstammseiten die jeweiligen Filmportale des britischen Guardian, respektive der New York Times (da muss man sich gratis registrieren und bei beiden helfen Englischkenntnisse). Jetzt kommt aus dem Verlagshaus, das uns die schönste DVD-Reihe der letzten Jahre gebracht hat, auch ein eigenes Sammelportal für Film und Kino. Da von Konkurrenz zu reden wäre lächerlich, ich kann nur hoffen, dass unser (gesprochenes) Angebot qualitativ mit hält. Die Quantität (und den Autorenstamm) können wir nicht bieten. Sauber und aufgeräumt sieht das jedenfalls aus und die Texte waren schon bisher meist wirklich gut. Also, eine Schmöker-Site mehr in den Tiefen des Webs. Wie komme ich da bloss wieder raus?

Kitag vs. EM: freiwillige Kapitulation der Kinos

Gegen die organisierte Fussball-Hysterie kommen die grossen Kinoketten offenbar nicht mehr an. Jedenfalls berichtet Kollege Matthias Lerf in der SonntagsZeitung von gestern, dass die grösste Kinokette der Schweiz freiwillig die Segel streicht im Fussball-Sommer:

Fussball gegen Film 1:0

Die grösste Schweizer Kinokette macht während der Euro 08 Betriebsferien

Wenn im Juni 2008 die Fussball-EM angepfiffen wird, geht das Licht in vielen Schweizer Kinos aus. Die grösste Schweizer Kette Kitag schliesst in den ersten zwei Euro-Wochen vom 9. bis 22. Juni ihre Pforten ganz, «weil das Interesse am Kino in dieser Zeit nicht sehr gross sein wird». Die Kitag betreibt 69 Säle in den EM-Städten Bern, Zürich und Basel sowie

in St. Gallen. In Zürich liegt das Corso direkt an der Fanzone am Bellevue. Für Kitag -Direktor Philippe Täschler ist allerdings nicht nur dieses Kino durch den Grossanlass beeinträchtigt: «Eigentlich wird die ganze Stadt zur Fanmeile. Auch in anderen Kinos, zum Beispiel im Abaton, spüren wir schon jetzt bei grossen Fussballspielen in Zürich einen Besucherrückgang.» Zum Entscheid beigetragen haben die schlechten Erfahrungen während der WM 06 in Deutschland. «Wir hatten sehr tiefe Zahlen», sagt Täschler. In der ersten WM-Woche sind damals die Besucherzahlen, nach Angaben von Procinema, auf ein knappes Drittel der Vorwoche geschrumpft. Auf den Kinobesuch müssen Filmfans während der Euro 08 trotzdem nicht verzichten. Nicht schliessen werden die Pathé-Kinos in Basel und Dietlikon und die Zürcher Arena Sihlcity. Auch die Studiokinos in den EM-Städten werden, allenfalls mit eingeschränktem Betrieb, offen bleiben. Und teilweise ein besonderes Programm bieten: «Wir können nicht so tun, als ob nichts wäre», sagt Frank Braun vom Zürcher Riffraff.

Bleibt zu hoffen, dass auch die anderen Studiokinobetreiber ihre Fans nicht im Stich lassen und allen Fussballflüchtlingen im Juni das verdiente Asyl gewähren. Und umgegekehrt, dass wir Fussball-Ignoranten die enstprechenden Bemühungen der Studiokinos auch mit vielen Besuchen zu honorieren wissen!

Die wahren Löwen und Lämmer

Meryl Streep, Tom Cruise in: Lions for LambsRobert Redfords Lions for Lambs fasziniert und amüsiert derzeit im Kino bei uns und in den englischsprachigen Ländern. Für seinen Arbeitgeber BBC hat der politische Korrespondent Guto Harri den Film auf seinen Realitätswert hin angesehen. Insbesondere fasziniert zeigt er sich vom intimen Interview, das Meryl Streep über eine Stunde lang mit dem von Tom Cruise gespielten Senator führen darf. Seine intimste vergleichbare Erinnerung, so Harri, war ein kurzes Blitzinterview mit einem Kabinettsmitglied von Tony Blair am Urinal in der Parlamentstoilette. Weil der Mann dringend musste, zwischen zwei Sitzungen, und nur gerade da Zeit fand für den Journalisten. Trotzdem bescheinigt er dem Film ein ordentliches Potential für Wiedererkennungseffekte. (Mehr von uns zum Film im Podcast)

Filmpodcast 50: Bothersome Man, Lions for Lambs, Atonement, Kurzfilmtage, Writers Strike.

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 45. Am Mikrofon ist Michael Sennhauser, und ich freue mich, dass wir bereits beim 50. Filmpodcast angelangt sind. Heute stellen wir Ihnen drei neue Filme vor: The Bothersome Man, Lions for Lambs und Atonement. Dazu ein kurzer Beitrag zu den aktuellen Winterthurer Kurzfilmtagen und ein Bericht aus Kalifornien zu Streik der Drehbuchautoren. Und natürlich Kurztipps und Filmsoundspiel wie gewohnt.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200711090800.mp3]

Filmpodcast 49: Earth, Shift in Basel, Julia Roberts, Wolfram Knorr.

Wolfram Knorr (Verlagsfoto)

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 44. Am Mikrofon ist Michael Sennhauser, und das sind die Themen heute: In der Deutschschweiz läuft «Earth», der neue globalisierte BBC-Dokfilm von Alastair Fothergill. In Basel fand die erste Ausgabe von Shift statt, dem neuen Festival der elektronischen Künste. In Hollywood hat Julia Roberts ihren 40. Geburtstag gefeiert, und in Zürich ist ein neues Buch von Filmkritiker Wolfram Knorr erschienen. Pierre Lachat unterhält sich mit dem Urgestein der Deutschweizer Filmkritik. Dazu Kurztipps und Soundspiel, wie gewohnt.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200712070800.mp3]

Die ultimative Leinwandgöttin: Alle!

Da hat sich eggman913 aber wirklich Mühe gegeben: Sein YouTube-Video morpht sich durch die weibliche Schönheit von mehr als hundert Jahren Film- geschichte. Ein Göttinnen-Antlitz geht ins nächste über, da käme selbst der morph- gewohnte Göttervater Zeus ins staunen, man stelle sich vor, Leda hätte sich seinem Schwan via YouTube entzogen … ein wirklich schönes Video mit unzähligen Gesichtern, angefangen bei Mary Pickford, Lillian Gish, Gloria Swanson, Marlene Dietrich …… Norma Shearer, Ruth Chatterton, Jean Harlow, Katharine Hepburn, Carole Lombard, Bette Davis, Greta Garbo, Barbara Stanwyck, Vivien Leigh, Greer Garson, Hedy Lamarr, Rita Hayworth, Gene Tierney, Olivia de Havilland, Ingrid Bergman, Joan Crawford, Ginger Rogers, Loretta Young, Deborah Kerr, Judy Garland, Anne Baxter, Lauren Bacall, Susan Hayward, Ava Gardner, Marilyn Monroe, Grace Kelly, Lana Turner, Elizabeth Taylor, Kim Novak, Audrey Hepburn, Dorothy Dandridge, Shirley MacLaine, Natalie Wood, Rita Moreno, Janet Leigh, Brigitte Bardot, Sophia Loren, Ann Margret, Julie Andrews, Raquel Welch, Tuesday Weld, Jane Fonda, Julie Christie, Faye Dunaway, Catherine Deneuve, Jacqueline Bisset, Candice Bergen, Isabella Rossellini, Diane Keaton, Goldie Hawn, Meryl Streep, Susan Sarandon, Jessica Lange, Michelle Pfeiffer, Sigourney Weaver, Kathleen Turner, Holly Hunter, Jodie Foster, Angela Bassett, Demi Moore, Sharon Stone, Meg Ryan, Julia Roberts, Salma Hayek, Sandra Bullock, Julianne Moore, Diane Lane, Nicole Kidman, Catherine Zeta-Jones, Angelina Jolie, Charlize Theron, Reese Witherspoon, Halle Berry

Music: Bach's Prelude from Suite for Solo Cello No. 1 in G Major, BWV 1007 performed by Yo-Yo Ma

Wenn (falls) die Hollywood-Autoren streiken …

… dann geht das Licht zuerst bei den Late-Night-Shows am Fernsehen aus, sagt die Branchengazette Variety. Letterman und Co. seien nämlich die einzigen, die auf „live-writing“ angewiesen seien, ihre Shows kann man nicht mit auf Vorrat geschriebenem Material durchziehen. Wenn nun also die Autoren-Gewerkschaft ab nächster Woche tatsächlich streikt in den USA, dann sind Leno und Letterman die Gruben-Kanarien-Vögel, die Indikatoren für die ersten Auswirkungen. Die grossen Filmstudios dagegen behaupten fast alle, sie hätten genügend fertige Drehbücher, um weiter zu produzieren. Und die TV-Networkskönnen theoretisch am Streik verdienen, bzw. sparen, indem sie gezwungenermassen Re-Runs oder aber ungescriptete Reality-Formate ausstrahlen. Unter die Räder kommen dabei allerdings die eben erst gestarteten neuen TV-Serien: Wenn niemand die zweite Staffel schreibt, bis die erste ausläuft, wird das Publikum sie vergessen haben, bis Nachschub kommt. Und damit wären Millionen verloren. Faszinierend zu sehen, dass die Autoren in den USA tatsächlich einen Wirtschaftsfaktor darstellen. Man stelle sich etwas ähnliches bei uns vor: Katja Früh tritt in den Streik? Naja. Die Autoren der deutschen Privatsender streiken? Würde niemand merken. Die Drehbuchautoren schreiben keine Schweizer Filme mehr? Dann machens eben die Autorenfilmer. Wo keine Industrie ist, gibt’s keine „industrial action“.

Filmpodcast 48: le fils de l’épicier, Zu Fuss nach Santiago de Compostela, Hediger neuer Chef der Cinémathèque suisse.

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 43. Am Mikrofon Michael Sennhauser, im Angebot die folgenden Themen: Le fils de l’épicier, ein Spielfilm über den verborgenen Charme der französischen Provinz und Zu Fuss nach Santiago de Compostela, eine Art «Slow-Up-Road Movie» von Bruno Moll. Und schliesslich: Wer ist Vinzenz Hediger, der zukünftige Chef der Cinémathèque suisse in Lausanne? Dazu Filmsoundspiel und Kurztipps, wie gewohnt.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200710260800.mp3]