Ingmar Bergman ist gestorben

Schach dem Tod! -'Das Siebte Siegel' von 1953
Schach dem Tod! -‚Das Siebte Siegel‘ von 1953

Heute morgen erreichte uns die Nachricht vom Tod des grossen Schweden. Mit 89 Jahren ist Ingmar Bergman auf Färö gestorben. Wir haben natürlich sofort mit vereinten Kräften Beiträge gebaut, für Nachrichten, Rendezvous, DRS2aktuell, Echo der Zeit … und für die Reflexe-Sendung von morgen (31. Juli). Diese Sendung von Pierre Lachat und wohl einen oder zwei der Kurzbeiträge bringen wir im Filmpodcast vom nächsten Freitag. Hier eine kurze Hörprobe, in der der Meister selber erklärt, was ihm wichtig war an seiner Filmarbeit:

Project Cloverfield – Monsterfilm 2008?

libertycracked

Virales Marketing hat für Hollywood schon manchen Hit vergrössert. Denken wir nur an die Absurdität „Snakes on a Plane“: Der Film war in aller Munde, bevor eine einzige Einstellung gedreht war. Einfach, weil der Titel dermassen blöd war, dass sich die Blogosphäre darüber so lange mokierte, bis er auch den letzten Nerd erreicht hatte. Und jetzt probiert JJ Abrams, der Kopf hinter der TV-Serie „Lost“ ein ähnliches Schtick: Seit ein paar Tagen gibt es diesen Trailer für einen Katastrophen-/Monsterfilm ohne Titel, ohne Stars, aber mit einem cleveren Catch. In zwei drei Tagen wird das Web voll sein mit Hinweisen darauf, ich habe den ersten beim Guardian (englisch) gefunden:… original post

CH-Dokfilmer sauer auf Bundesfilmchef Bideau

Cine-BulletinIn der aktuellen Ausgabe 8/2007 der Branchengazette "Cine-Bulletin" veröffentlicht der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz einen von 128 Filmern unterzeichneten Aufruf an den Bund, den renommierten Schweizer Dokumentarfilm nicht weiter zu vernachlässigen:

Werden die Dokumentarfilmerinnen und -filmer vom Bund vernachlässigt?
Wird der Bund seiner Aufgabe noch gerecht, wenn er von den insgesamt 16 Millionen Franken für die Filmförderung dem Dokumentarfilm nur gerade 3 Millionen Franken zukommen lässt? Anlässlich seines Amtsantritts im Herbst 2005 hatten 70 Dokumentarfilmerinnen und -filmer in einem Brief an den neuen Chef der Sektion Film, Nicolas Bideau, ihre Beunruhigung darüber zum Ausdruck gebracht, …

was er für diesen Bereich des Filmschaffens plante. Tatsächlich verfügte der Dokumentarfilm in der Zeit vor Bideau über einen Anteil von mehr als 30 Prozent der eidgenössischen Filmförderungsmittel. Im Jahr 2006 ist dieser Anteil jedoch auf 19 Prozent gesunken. Nicolas Bideau hat damit seine 2005 gemachte Zusage gebrochen, der Dokumentarfilm werde einen Anteil von einem Viertel der verfügbaren Mittel behalten.
Der Dokumentarfilm ist eine eigenständige anerkannte Gattung, die für die Gesamtheit ihrer Branche Stabilität und Konstanz gewährleistet. Es ist absurd, den Schweizer Dokumentarfilm im eigenen Land auf solche Weise zu schwächen, während er im Ausland an internationalen Festivals und bei Fernsehanstalten in vielen Ländern Jahr für Jahr Erfolge erzielt und sogar die Meisterleistung vollbringt, sich den Weg in die Schweizer Kinos zu bahnen, ein weltweit fast einzigartiger Glücksfall.
Die unterzeichnenden Filmschaffenden ersuchen die Eidgenössische Filmkommission, eine Vertretung der Dokumentarfilmschaffenden zu den Gründen anzuhören, weshalb der Dokumentarfilm Kino und TV darauf angewiesen ist, künftig mit mindestens einem Viertel der verfügbaren Mittel des Bundes rechnen zu können.
Der Aufruf der Schweizer Dokumentarfilmer 2007 wurde von 128 Autoren unterzeichnet.

Am 4. August treffen sich die Filmer am Filmfestival von Locarno zu einer Lagebesprechung. Am 3. August gibt die Sektion Film vom BAK eine Pressekonferenz in Locarno, wo unter anderem auch bekannt gegeben wird, welche Filmfestivals weiter auf Bundesunterstützung zählen dürfen, und welche nicht. Und Nicolas Bideau wird wohl noch auf weitere Unzufriedenheiten in der Branche eingehen müssen. 

Filmpodcast 35 Woche 30 online

Herzlich Willkommen zum DRS-Filmpodcast für die Woche 30. Ich stelle heute Quentin Tarantinos «Grindhouse»-Hälfte «Death Proof» vor, sowie den Simpsons-Kinofilm. Peter Burri blickt zurück auf die Karriere des am Sonntag verstorbenen deutschen Schauspielers Ulrich Mühe (der Stasi-Beamte in "Das Leben der Anderen") und schliesslich folgt ein längeres Gespräch mit dem Badener Kinopatron Peter Sterk über das Kino als Familienbetrieb und 105 Jahre Kinofamilie Sterk. Dazu wie immer die Kurztipps und Retro-Raten via Soundclips.

Trailers from Hell

Das Beste, wenn nicht gar das einzig Gute, am zerstückelten "Grindhouse"-Experiment von Quentin Tarantino und Roberto Rodriguez sind die falschen Trailer für Schlockfilme, die gar nie gemacht wurden. Offensichtlich hat die Idee andere Regisseure inspiriert. Auf der Website "Trailers from Hell" kommentieren bekannte Regisseure wie Joe Dante oder Mick Garris klassische B-Movie-Trailer. Das ist ziemlich vergnüglich, weil die Herren wissen, wovon sie reden, und weil die Trailer durch die Kommentare eigentlich nur gewinnen.

Multiplex-Kinos sind schlecht für die Vielfalt

Das Bundesamt für Statistik hat heute eine neue online-Publikation bekannt gemacht: Die schon längere Zeit angekündigte Studie zur Multiplex-Landschaft in der Schweizer Kinoszene bringt beim ersten Überfliegen wenig überraschende Resultate. Und das deutlichste von allen ist diesen Sommer ohnehin nicht mehr von der Hand zu weisen: Multiplexe tragen zur Verarmung des Angebots bei. Was derzeit in Städten wie Basel und Zürich offensichtlich ist, dass nämlich die gleichen drei Filme in allen möglichen Kinos gleichzeitig gezeigt werden, ist nicht nur eine Folge des Sommers, sondern eine Folge der nicht ausgelasteten Kinokapazitäten.

Die Studie sagt zum Thema Angebotsvielfalt ganz klar:

Der letzte Analysepunkt zur Vielfalt des Filmangebots ist die Verteilung der Vorstellungen nach Herkunftsland des Films. Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen den verschiedenen Kinoinfrastrukturen: 68% der Vorführungen in den Multiplexkinos betreffen amerikanische Filme, während es in den Kinokomplexen 57,7% und in den Einsaalkinos 53,4% sind. Der Anteil Schweizer Filme ist in den Multiplexkinos mit 3,2% aller Vorführungen besonders gering. In den anderen Kinotypen ist dieser Anteil mehr als doppelt so gross.

Das ist keine Überraschung, auch wenn die Betreiber und Planer der Multiplexe immer das Gegenteil behauptet haben, dass nämlich die zusätzlichen Säle auch zu einem breiteren Filmangebot führen würden.

Wieder ein Mann. Aber nicht unverdient.

Nun ist es klar: Die goldene Palme ist an den allgemeinen Favoriten der ersten Tage gegangen, an Cristian Mungiu für „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage“ (siehe hier). Damit bleibt Jane Campion in 60 Jahren die einzige Frau mit einer goldenen Palme. Immerhin hat Naomi Kawase, meine persönliche Favoritin, den grossen Preis der Jury bekommen. Und angesichts der Tatsache, dass so viele der 22 Filme durchaus verdient hätten gewinnen können, will ich mich nicht beklagen. Es war ein wunderbarer Jahrgang. Ich freue mich bereits auf Mai 2008.

Der Wald des Abschieds

 

 

(Naomi Kawase)

 

Von mir bekäme sie die goldene Palme. Naomi Kawase aus Japan, die 1997 hier in Cannes schon die Camera d’Or gewonnen hat, wäre meine persönliche Favoritin für den Hauptpreis morgen. Sie wäre dann, nach Jane Campion für «The Piano» erst die zweite Frau, welcher die Ehre zuteil würde. Ihr neuer Film «Mogari No Mori», der Wald der Trauer, ist eine jener stillen, liebevollen Bilderreihungen, die weniger an eine Symphonie denn an ein Streichquartett gemahnen. Oder ein Streichel-Quartett. Eine junge Frau, die ihr Kind verloren hat, arbeitet in einem japanischen Altersheim auf dem Land und kommt einem alten Mann näher, der seit dreissig Jahren um seine Frau trauert. Die beiden machen einen Ausflug und gehen in jenem Wald verloren, in dem der Alte seine Frau, ihr Grab, oder seine Erinnerung an sie sucht. Ein traumhaft schöner Film, der thematisch ein wenig an den Japaner Kore Eda Kôhei Oguri und seinen „schlafenden Mann“ erinnert, bildhaft aber ganz Kawase bleibt, mit Wind in den Bäumen, Regen, Landschaft und vor allem Figuren, die einem das Herz stehlen.

 

Promise me This

 

Schon zweimal hat er die goldene Palme gewonnen, der serbische Brachialfilmer Emir "Kustu" Kusturica. Aber für die Dritte wird es diesmal hoffentlich nicht reichen. Sein neuer Film ist randvoll mit allem, was seine alten so beliebt machte: Turbo-Folk, schlagfertige Männer, dralle Frauen, schiesswütige Serben, Gangster, Grossväter und korrupte Staatsangestellte. Aber einfach von allem zuviel. Wenn der Grossvater seinen Enkel auffordert, in der Stadt die Kuh zu verkaufen, eine Ikone zu kaufen und sich eine Braut zu suchen, dann ist das nicht Gotthelf, nicht wirklich witzig und auch nicht satirisch. Aber bei Kustu kommt das alles zusammen. Der Film ist zur Hälfte Tom & Jerry, zur anderen Hälfte Pippi Langstrumpf, und das ganze aufgezogen als Kasperletheater im «Home Alone»-Slapstick-Stil. Dass heftig geschossen wird, dass es nebenbei auch Tote gibt, und dass die Serben offenbar den Krieg in ihrem Alltag brauchen und ganz lustig finden: Das könnte Satire sein. Ist aber in erster Linie als pralle Unterhaltung inszeniert und bleibt einem des öfteren im Hals stecken, wenn es nicht gerade langweil. Allerdings gibt es, wie immer bei Kustu, auch überaus witzige Momente.

James Blond. Haha.

 

 

Man kann ja nicht nur an den Journalisten und an den Filmprofis Geld verdienen. Irgendwie muss man ja auch aus den vielen Touristen hier in Cannes etwas herausschütteln. Die einen fahren im geführten Eisenbähnchen über die Croisette und andere kaufen sich solche Dinger zum anziehen. Warum auch nicht? Blond ist blond…