BERLINALE 2020: MARE von Andrea Štaka (Panorama)

‚Mare‘ Marija Škaričić © frenetic

Erst im Abspann ihres Films lässt Andrea Štaka das Klischee von der Leine, leise ironisch und voll schmerzlicher Schönheit. Da singt Ana Prada «Soy pecadora, soy mala, madre de todos los pecados» (Ich bin eine Sünderin, ich bin schlecht, die Mutter aller Sünden).

Mare (Marija Škaričić) hat den Moment da schon hinter sich. Ihr ältester Sohn ist ein nicht ganz einfacher Teenager, sein jüngerer Bruder und die Schwester der beiden hängen noch deutlicher an der Mutter. „BERLINALE 2020: MARE von Andrea Štaka (Panorama)“ weiterlesen

BERLINALE 2020: UNDINE von Christian Petzold (Wettbewerb)

Paula Beer und Franz Rogowski in ‚Undine‘ © filmcoopi

Wer sich auf romantische Motive einlässt, muss etwas wagen, eintauchen, abtauchen.

Das tun sie denn auch bei Petzold, seine Undine (Paula Beer) und ihr Christoph (Franz Rogowski), immer wieder. Er, weil er als Industrietaucher arbeitet und im Stausee Turbinen-Einlässe repariert. Und sie, weil sie Undine ist. „BERLINALE 2020: UNDINE von Christian Petzold (Wettbewerb)“ weiterlesen

BERLINALE 2020: LE SEL DES LARMES von Philippe Garrel (Wettbewerb)

Oulaya Amamra, Logann Antuofermo © RECTANGLE PRODUCTIONS

Der 72jährige Philippe Garrel, Sohn eines Schauspielers, Vater von Louis und Esther Garrel, macht im Prinzip seit den 1960er Jahren den gleichen Film. Es geht um die Liebe, die Schwäche der Männer und der Frauen, manchmal mit anderen Süchten kombiniert.

Und es geht ums Handwerk Filmemachen. Philippe Garrel ist auch Lehrer an der berühmten Filmschule von Paris. Und in seinem neuen Film spielen nun vor allem einer seiner Schüler und mehrere seiner Schülerinnen mit den Tücken der Liebe, dem Salz der Tränen. „BERLINALE 2020: LE SEL DES LARMES von Philippe Garrel (Wettbewerb)“ weiterlesen

BERLINALE 2020: FIRST COW von Kelly Reichardt (Wettbewerb)

‚First Cow‘ © Allyson Riggs/A24

Nein, die First Cow ist keine Präsidenten-Gattin, sondern ganz wörtlich die erste Kuh, welche im Frontier-Gebiet einer Pelzjäger-Kolonie in Oregon gesichtet wird. Hergeholt hat sie der Chief Factor (Toby Jones), der Mann, der die Handels-Aufsicht hat vor Ort.

Heimlich gemolken aber wird die Kuh Nacht für Nacht von Otis «Cookie» Figowitz, während dessen Freund King Lu (Orion Lee) von einem Baum herab Schmiere steht. Am nächsten Tag verkaufen die beiden dann Cookies frisch gebackene Krapfen an die hungrigen Pelzjäger vor dem Fort, denen das eben für die Felle erhaltene Geld locker in der Tasche sitzt, nach Wochen in der Wildnis. „BERLINALE 2020: FIRST COW von Kelly Reichardt (Wettbewerb)“ weiterlesen

BERLINALE 2020: VOLEVO NASCONDERMI (Hidden Away) von Giorgio Diritti (Wettbewerb)

Elio Germano als Antonio Ligabue in ‚Volevo nascondermi‘ von Giorgio Diritti © Chico De Luigi

Toni redet kaum, er lebt ab den 1920er Jahren wie ein Einsiedler im Wald bei Gualteri. Wenn er unter Menschen ist, tendiert er zu Panikattacken und Jähzorn. Bis ihn ein im Dorf lebender Maler wegen der Kälte in sein Atelier holt und überrascht feststellt, dass Toni ein unverkennbares zeichnerisches und gestalterisches Talent hat.

Dieser Marino Mazzacurati, bestens vernetzt in der römischen Kunstszene, lanciert Toni. Über erste Zeitungsartikel und Reportagen zu diesem naiven, geistig oft verstört wirkenden Künstler kommt es schliesslich zu einem regelrechten Hype und Tonis Bilder verkaufen sich bestens. „BERLINALE 2020: VOLEVO NASCONDERMI (Hidden Away) von Giorgio Diritti (Wettbewerb)“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 637: Jagdzeit, Chambre 212, Brasiliens Filmpolitik unter Jair Bolsonaro

Vincent Lacoste und Chiara Mastroianni in ‚Chambre 212‘ © xenix

Kino im Kopf – mit Georges Wyrsch. Harte Bandagen auf der Teppichetage – im neuen Schweizer Film Jagdzeit gerät ein Top-Manager unter Druck – gesehen hat den Film für uns Brigitte Häring. Michael Sennhauser nimmt uns mit nach Frankreich – und zwar in ein ganz bestimmtes Hotel-Zimmer: Chambre 212 ist eine neue Komödie von Christophe Honoré. Ausserdem: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro lässt die Filmpolitik des Landes ins Leere laufen – und das sorgt für rote Köpfe. Dazu gibt’s die Rätsel-Tonspur und natürlich unsere 5 Kurztipps.

Hören:

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BERLINALE 2020: MY SALINGER YEAR von Philippe Falardeau (Eröffnungsfilm)

Margaret Qualley als Joanna Rakoff in ‚My Salinger Year‘ © Ascot Elite

J.D. Salinger, der notorisch öffentlichkeitsscheue US-Starautor von «The Catcher in the Rye», ist so etwas wie der Zauberer von Oz in der Traumwelt dieses Films. Sein Name, und ihre Erinnerungen an das Jahr, in dem sie als Assistentin einer New Yorker Literaturagentin die Fanpost an den Autor mit Standardbriefen beantworten musste, haben den Roman von Joanna Rakoff zum Bestseller gemacht.

Dabei hat sich die Autorin jahrelang geweigert, über ihre kurze Zeit bei der New Yorker Literaturagentur zu schreiben. Sie wollte auf keinen Fall wie eine Trittbrettfahrerin daherkommen. „BERLINALE 2020: MY SALINGER YEAR von Philippe Falardeau (Eröffnungsfilm)“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 08 – 2020

‚Jagdzeit‘ Stefan Kurt, Ulrich Tukur © Ascot Elite

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Jagdzeit von Sabine Boss. Stilles Drama aus der realen Wirtschaftswelt: Der Machtkampf und die leere Einsamkeit jener, die vergessen haben, dass es noch eine andere Welt geben könnte, mit anderen Massstäben.
  2. Il traditore von Marco Bellocchio.  Der italienische Altmeister kombiniert eindrücklich das Kino-Mafia-Epos mit der neueren Dokufiktion mit diesem Leinwandmonster über Italiens «Pentito»-Mafiaprozesse der 1980er und 90er.
  3. Little Women von Greta Gerwig. Die Filmemacherin schafft das Wunder, der geliebten Vorlage sehr treu zu bleiben und ein feministisches Feuerwerk zu zünden. Schwelgerisch und souverän zugleich.
  4. Platzspitzbaby von Pierre Monnard. Die Zürcher Geschichte der Emanzipation einer starken Tochter von ihrer Junkie-Mutter weckt Emotionen, ohne zu gängeln, die Darstellerinnen sind umwerfend.
  5. Parasite von Bong Joon Ho. Die Kellerfamilie schleicht sich ein bei den Villenbesitzern. Eine immer wieder neu überraschende Sozial-Parabel, die gekonnt alle Genre-Grenzen verwischt. Hinterhältig unterhaltsam und nach vierfachem Oscargewinn wieder im Kino.

Und im Filmpodcast morgen: Jagdzeit, Chambre 212

CHAMBRE 212 von Christophe Honoré

Maria (Chiara Mastroianni) und der junge Richard (Vincent Lacoste) ‚Chambre 212 ‚ © xenix

Eine Ehefrau zieht vorübergehend ins Hotel gegenüber und stellt sich vor, wie ihr Leben verlaufen wäre, hätte sie ihren Mann nicht geheiratet. Nein, das ist kein Drama. Chambre 212 heisst der Film mit Chiara Mastroianni. Und die Komödie entwickelt einen fast schon manischen, sehr französischen Charme. „CHAMBRE 212 von Christophe Honoré“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 636: La Gomera, J’accuse, Oscars, Judith Kaufmann

Catrinel Marlon als Gilda in ‚La Gomera‘ © filmcoopi

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Pfeifen lernen auf den Kanaren: Georges Wyrsch hat den rumänischen Krimi La Gomera gesehen. Michael Sennhauser bespricht Polanskis Film zur Affäre Dreyfus J’accuse. Wir blicken zurück auf die Oscars und porträtieren die preisgekrönte Kamerafrau Judith Kaufmann.
Dazu gibts die Rätsel-Tonspur und natürlich unsere 5 Kurztipps.

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