NIFFF 19: LES PARTICULES von Blaise Harrison

‚Les particules‘ von Blaise Harrison © Cineworx

Diese französisch-schweizerische Koproduktion spielt dort, wo die Kooperation auch sonst am stärksten und internationalsten spielt: Im Grenzgebiet rund um das CERN bei Genf. Da werden nicht nur unterirdisch Teilchen beschleunigt, sondern auch sehr oberirdisch, im Leben von Pierre-André, genannt P.A. (Thomas Daloz).

Der Mittelschüler und seine drei Feunde Mérou, Cole und JB leben unspektakulär wie hunderte von Teenagern in der Gegend. Verschlafen bei winterlicher Dunkelheit aus den Federn, verschlafen im Mathe-Unterricht, ein wenig wacher in der Pause. Und hellwach beim Jammen in der Garage oder beim Kiffen vor dem Fernseher. „NIFFF 19: LES PARTICULES von Blaise Harrison“ weiterlesen

NIFFF 19: DANIEL ISN’T REAL von Adam Egypt Mortimer

Miles Robbins als Luke © Voltage pictures

Als kleiner Junge hatte Luke einen imaginären Freund, Daniel. Der half ihm über seine Einsamkeit hinweg. Aber schliesslich musste Luke ihn in eine Puppenstube sperren, nachdem es Daniel beinahe gelungen wäre, Lukes Mutter umzubringen.

Jahre später bringen Stress am College und der verwirrte Geisteszustand seiner Mutter Luke dazu, beim Übernachten zuhause die Puppenstube aufzuschliessen. „NIFFF 19: DANIEL ISN’T REAL von Adam Egypt Mortimer“ weiterlesen

NIFFF 19: YVES von Benoît Forgeard

Jérem (William Lebghil) und Yves © Sisters Distribution

Während wir alle noch spotten über den selbst nachbestellenden Kühlschrank und die vernetzte Zahnbürste, hat uns das Internet der Dinge längst im Griff. Jeder Bezahlvorgang zieht die Schlinge enger zu, und ob es draussen kalt ist, fragen wir längst eher unser Telefon, anstatt einfach das Fenster zu öffnen.

Insofern ist die Tragikomödie zum Thema längst überfällig. Zumal wir die Geschichte ja längst kennen, aus den Büchern unserer Jugend, «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» (1967) etwa, oder «Abakus an Mini-Max» (1970), beide vom deutschen Kinderbuchautor Boy Lornsen. „NIFFF 19: YVES von Benoît Forgeard“ weiterlesen

NIFFF 19: RÉPERTOIRE DES VILLES DISPARUES von Denis Coté

© Couzin Films

Vielleicht hat der umtriebige kanadische Filmemacher mit diesem feinen Film einfach Pech gehabt. Nach all den Serien wie Les revenants und der globalen Zombie-Invasion, welche The Walking Dead befeuert hat, sind ein paar Verstorbene, die ruhig und stumm über die Strasse blicken, nun, unspektakulär.

Dabei ist gerade das der eigentliche Witz von Cotés Film. Aber die wenigen Stimmen, die das bei seiner Festivalpremiere an der Berlinale im Februar zu goutieren wussten, haben sich nicht durchgesetzt. „NIFFF 19: RÉPERTOIRE DES VILLES DISPARUES von Denis Coté“ weiterlesen

NIFFF 19: THE LODGE von Veronika Franz und Severin Fiala

Riley Keough in ‚The Lodge‘ von Veronika Franz und Severin Fiala © Ascot-Elite

Eingeschneit im Ferienhaus in den Bergen versucht Grace, das Vertrauen der beiden Kinder ihres neuen Partners zu gewinnen. Aber über allem schwebt die Präsenz der toten Mutter der zwei.

Sie lächelt aus jedem schmerzvollen Madonnenbild, lauert hinter dem Kruzifix im Schlafzimmer, und als Grace zum Schlittschuhlaufen eine rote Wollmütze vom Garderobeständer nimmt, schreit die kleine Mia empört auf: «Die gehört Mama!» „NIFFF 19: THE LODGE von Veronika Franz und Severin Fiala“ weiterlesen

NIFFF 19: SWALLOW von Carlo Mirabella-Davis

Haley Bennett in ‚Swallow‘ von Carlo Mirabella-Davis © Charades

Im Zentrum von Swallow steht Hunter, eine junge Frau, die Dinge schluckt, die sie nicht schlucken sollte. Nein, keine Pillen, keine Drogen. Zuerst, als Neuverheiratete im goldenen Käfig einer einsamen Villa, meist ihren Ärger, ihre Enttäuschungen, ihre Angst und ihre Unsicherheit.

Etwas später, als pflichtschuldigst Schwangere, entwickelt sie allerdings nicht die üblichen Gelüste auf saure Gurken oder kiloweise Eiscrème. Hunter schluckt erst einmal einen Eiswürfel. Dann heimlich und zögernd eine Murmel. Dann eine Reisszwecke. Eine Plastikballerina.

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NIFFF 19: LE DAIM von Quentin Dupieux

Jean Dujardin, Adèle Haenel © Praesens

«Voilà la bête!» sagt der Alte stolz. Hier ist das Biest! Es ist eine Wildleder-Jacke mit Fransen, 60ies-Style, 100% daim – durch und durch Hirschleder.

Georges (Jean Dujardin), hat die Kleinanzeige gelesen, ist ins Auto gestiegen und losgefahren. Unterwegs hat er das Konto seiner Frau geplündert und an einer Autobahnraststätte seinen Kittel in die Toilettenschüssel gestampft. „NIFFF 19: LE DAIM von Quentin Dupieux“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 27 – 2019

Sabine Timoteo, Vinicio Marchioni in ‚Cronofobia‘ © Cineworx

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Cronofobia von Francesco Rizzi. Eine Frau, die sich der Gegenwart verweigert, trifft auf einen Mann, den seine Vergangenheit quält. Sabine Timoteo und Vinicio Marchioni in einer Un-Liebesgeschichte.  Ein heisskühler, erstaunlich reifer Spielfilmerstling aus dem Tessin.
  2. Le grand bain von Gilles Lellouche. Sieben Männer mit traurigen Gesichtern und tristen Perspektiven erschaffen sich eine Versageroase mit ihrem Synchronschwimmteam. Eine Reihe von Tragödien, effektvoll und urkomisch als Komödie inszeniert.
  3. They Shall Not Grow Old von Peter Jackson.  Dieser Dokumentarfilm bringt Schwarzweissfotos aus dem ersten Weltkrieg in Farbe und 3D ins Leben und kombiniert sie mit Erinnerungen von Veteranen zu einem überraschend paradoxen Gemisch aus Künstlichkeit und Nähe.
  4. Mon tissu préféré von Gaya Jiji. Verfänglich betörender, subversiver Film über eine Frau, die mitten im syrischen Bürgerkrieg die Macht ihres eigenen Körpers entdeckt.
  5. En liberté von Pierre Salvadori. Polizistin Yvonne erfährt, dass ihr verstorbener Mann ein korrupter Polizist war. Nun setzt sie sich heimlich für eines seiner Opfer ein und die Dinge werden kompliziert. Und komisch. Raffinierter Klamauk, dank Adèle Haenel in der Hauptrolle.

Der Filmpodcast macht Sommerpause und erscheint das nächste mal am 23. August.

Filmpodcast Nr. 613: Le grand bain, They Shall Not Grow Old

‚They Shall Not Grow Old‘ von Peter Jackson © Warner Bros.

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Heute zum letzten Mal vor der Sommerpause und mit einer perfekten Abkühlung für heisse Tage: Le Grand Bain heisst eine frische französische Komödie, die Michael Sennhauser gesehen hat. Und Georges Wyrsch stellt die verblüffende BBC-Dokumentation They Shall Not Grow Old vor, in der schwarzweisse Bilder aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs coloriert und in 3D zu neuem Leben erweckt werden. Und dazu habe ich für Sie eine Tonspur und die Kurztipps.

Der Filmpodcast macht Sommerpause.
Die nächste Ausgabe kommt am 22. August 2019.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 613 (Rechtsklick für Download)


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