Filmpodcast Nr. 740: The Electrical Life of Louis Wain, 107 Mothers, Paracelsus, Lex Netflix

‚Paracelsus – Ein Landschaftsessay‘ von Erich Langjahr. Pirmin Meier am Teich zum Goldenen Tor beim Flughafen Kloten ZH © Erich Langjahr

Georges Wyrsch bringt uns heute gleich drei neue Filme näher: Benedict Cumberbatch als Katzenmaler in The Electrical Life of Louis Wain, 107 Mothers in einem ukrainischen Frauengefängnis und das jüngste Werk des Schweizer Dokumentarfilmers Erich Langjahr: Paracelsus – ein Landschaftsessay. Ich habe versucht, die laufende Debatte zur Abstimmung über das neue Filmgesetz via Twitter zu spiegeln. Und natürlich haben wir die Tonspur und die Kurztipps, wie gewohnt.

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Die Unverpassbaren, Woche 16 – 2022

‚107 Mothers‘ von Peter Kerekes © trigon

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. 107 Mothers (Cenzorka) von Peter Kerekes. Aufwühlendes slowakisches Kino, semi-dokumentarisch eingefangen in der Ukraine: Im Vorkriegs-Odessa kämpft eine inhaftierte Mutter um ihr hinter Gittern geborenes Kind. Eine Aufseherin hilft. Oder auch nicht.
  2. Soul of a Beast von Lorenz Merz. Ein sprühender Trip aus Filmtraumbildern und jugendlicher Sehnsucht, ein junger Mann zwischen Pflicht und Freiheit, Freund und Freundin. Die Seele dieses Biestes ist das Kino.
  3. Tout s’est bien passé von François Ozon. Halbseitig gelähmt nach einem Schlaganfall wünscht sich der Vater von seinen Töchtern die Hilfe zum Sterben. Mit Leichtigkeit und Präzision macht Ozon das zur Familientragikomödie.
  4. Competencia oficial von Mariano Cohn & Gastón Duprat. Ein steinreicher alter Möchtegern-Produzent heuert eine exzentrische Starregisseurin an. Die beiden Argentinier brennen mit Penelope Cruz und Antonio Banderas ein satirisches Feuerwerk der Eitelkeiten ab.
  5. Petite nature von Samuel Theis. Ein zehnjähriger Junge will raus aus der Unterschicht, raus der lothringischen Provinz – und weil seine Sexualität verfrüht erwacht, werden die Befreiungsversuche immer riskanter. Ein ergreifendes Coming-of-Age-Drama ohne Angst vor Tabus, mit Szenen, die einem das Herz brechen können.
  • Und im Filmpodcast morgen: The Electrical Life of Louis Wain, 107 Mothers, Paracelsus, Lex Netflix

Filmpodcast Nr. 739: Vaterfilme in Nyon, Tout s’est bien passé, Soul of a Beast

‚Tout s’est bien passé‘ für Tochter und Vater: Sophie Marceau und André Dussollier © filmcoopi

Heute mit Georges Wyrsch. Gleich drei Beiträge von Michael Sennhauser haben wir im Programm: Zuerst einige Einblicke ins Visions du Réel, das internationale Doku-Filmfest in Nyon, dann zwei Filmbesprechungen. Zuerst von François Ozons Sterbehilfe-Tragikomödie Tout s’est bien passé, dann von einer Zürcher Farbenexplosion: Soul of a Beast. Dazu wie immer Kurztipps und Tonspur.

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Die Unverpassbaren, Woche 15 – 2022

‚Soul of a Beast‘: Joel (Tonatiuh Radzi) mit Corey (Ella Rumpf) auf der Langstrasse unterwegs © Ascot-Elite

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Soul of a Beast von Lorenz Merz. Ein sprühender Trip aus Filmtraumbildern und jugendlicher Sehnsucht, ein junger Mann zwischen Pflicht und Freiheit, Freund und Freundin. Die Seele dieses Biestes ist das Kino.
  2. Tout s’est bien passé von François Ozon. Halbseitig gelähmt nach einem Schlaganfall wünscht sich der Vater von seinen Töchtern die Hilfe zum Sterben. Mit Leichtigkeit und Präzision macht Ozon das zur Familientragikomödie.
  3. Competencia oficial von Mariano Cohn & Gastón Duprat. Ein steinreicher alter Möchtegern-Produzent heuert eine exzentrische Starregisseurin an. Die beiden Argentinier brennen mit Penelope Cruz und Antonio Banderas ein satirisches Feuerwerk der Eitelkeiten ab.
  4. Petite nature von Samuel Theis. Ein zehnjähriger Junge will raus aus der Unterschicht, raus der lothringischen Provinz – und weil seine Sexualität verfrüht erwacht, werden die Befreiungsversuche immer riskanter. Ein ergreifendes Coming-of-Age-Drama ohne Angst vor Tabus, mit Szenen, die einem das Herz brechen können.
  5. L’événement von Audrey Diwan. Der goldene Löwe von Venedig für diese filmische Umsetzung der Abtreibungs-Albträume von Annie Ernaux ist so verdient wie all die Preise für die wunderbar spröde Hauptdarstellerin.
  • Und im Filmpodcast morgen: Soul of a Beast, Lorenz Merz, Tout s’est bien passé, Vaterfilme in Nyon.

HOW TO SAVE A DEAD FRIEND von Marusya Syroechkovskaya

Die 16jährige Marusya in Moskau ist überzeugt, sie werde das Ende des Jahres 2005 nicht mehr erleben. So viele ihrer Freundinnen und Freunde sind bereits tot – Suizid wirkt unter diesen Teenagern in Putins neuem Russland wie der letzte verbliebene Akt des Widerstands.

Aber dann lernt Marusya Kimi kennen, der so deprimiert, überdreht und überraschend ist, wie sie selbst. Und süchtig nach Kicks, nach Substanzen, nach Ideen. Kimi studiert Geschichte, wenn er dazu kommt; Marusya will Filme machen. „HOW TO SAVE A DEAD FRIEND von Marusya Syroechkovskaya“ weiterlesen

GARÇONNIÈRES von Céline Pernet

‚Garçonnières‘ © Climage

Der erste Sex? Das sei schrecklich gewesen, peinlich, ein Desaster. Das sagen sie fast alle, die Männer zwischen dreissig und fünfundvierzig vor Céline Pernets Kamera.

Sie habe Männer immer gemocht, faszinierend gefunden, erklärt die Anthropologin und Filmemacherin zu Beginn ihres täuschend einfachen Dokumentarfilms. „GARÇONNIÈRES von Céline Pernet“ weiterlesen

FÜR IMMER SONNTAG von Steven Vit

Rudy Vit hat Sonntag ohne Ende © Filmbringer

Von den drei Schweizer «Vaterfilmen» im Programm der diesjährigen Visions du réel ist das der direkteste, derjenige, der die geweckten Erwartungen am einfachsten umsetzt und sie dann doch deutlich übertrifft.

Rudy Vit hat 43 Jahre für die gleiche Schweizer Firma gearbeitet, immer auf Geschäftsreise, oft in Asien. Nun steht die letzte dieser Reisen an, vor seiner Pensionierung. „FÜR IMMER SONNTAG von Steven Vit“ weiterlesen

ARDENTE-X-S von Patrick Muroni

Das Gründungsteam der Lausanner OIL-Produktion für alternative Pornos © Climage

OIL Productions, gegründet in Lausanne, produziert «dissidente, ethische» Pornofilme. Wichtig sei dabei nicht eigentlich die «boîte», also die Firma. Sondern das Manifest, das die GründerInnen sich gegeben haben.

Ob das nun drei oder vier Sätze umfasst, können sie selbst meist nicht so genau sagen. Aber was ihnen wichtig ist dabei, um so eloquenter. „ARDENTE-X-S von Patrick Muroni“ weiterlesen

LE FILM DE MON PÈRE von Jules Guarneri

Le père in ‚Le film de mon père‘ © Intermezzo Films

Allein aus der Schweiz sind in diesem Jahr mindestens drei explizite «Vaterfilme» im Programm der Visions du réel. Der ungewöhnlichste ist auf jeden Fall der von Jules Guarneri.

Denn, wie der Titel es schon postuliert: Das ist zuerst einmal nicht ein Dokumentarfilm über den Vater, sondern ein Film des Vaters. „LE FILM DE MON PÈRE von Jules Guarneri“ weiterlesen

GETTING OLD STINKS von Peter Entell

Hochzeitsfoto der Eltern des Filmemachers Peter Entell: ‚Getting Old Stinks‘ © Show and Tell Films

Nachdem sein Vater gestorben war, liess Peter Entell seine Videoaufnahmen von den jährlichen Familientreffen in den USA fünfzehn Jahre in der Schublade liegen. Bis er selbst vor drei Jahren 67 wurde, das Alter, in dem sein Vater einen Herzinfarkt erlitt.

Entells Vater Marc, oder Mottl, wie er als Kind in der Ukraine genannt wurde, lebte nach dem Infarkt noch weitere fünfzehn Jahre. Und jedes Jahr zum Geburtstag besuchten ihn seine vier Kinder, Peter, der Jüngste, die zwei Schwestern und der ältere Bruder. „GETTING OLD STINKS von Peter Entell“ weiterlesen