Cannes 19: LA GOMERA von Corneliu Porumboiu

Catrinel Marlon als Gilda © filmcoopi

In Erinnerung geblieben ist der Rumäne Porumboiu vor allem mit Police, Adjective von 2009. Da stellte der junge Polizist Cristi fest, dass es allenfalls nicht sehr sinnvoll ist, kiffende Schüler zu verhaften.

Es ist sicher kein Zufall, dass der desillusionierte, korrupte Polizist in Porumboius aktuellem Cannes-Film wieder Cristi heisst. „Cannes 19: LA GOMERA von Corneliu Porumboiu“ weiterlesen

Cannes 19: THE WILD GOOSE LAKE (Nan fang che zhan de ju hui) von Diao Yinan

© Green Ray / Memento

Von diesem Film bleiben zunächst vor allem die grossartigen filmischen Einfälle haften. Etwa ein Motorrad-Wettstehlen zweier rivalisierender Gangs: Wer in der festgelegten Zeit in einer Nacht mehr Töff, Roller und Mopeds klaut, bekommt das Territorium zugesprochen.

Also sehen wir minutenlang hunderte von Männern in Gruppen auf Motorrädern durch die Nacht rasen, manche Roller brillant mit LED-Ketten illuminiert, andere wie Doppelkäfer, weil jeder Fahrer noch ein zweites Kraftrad neben sich herschiebt. „Cannes 19: THE WILD GOOSE LAKE (Nan fang che zhan de ju hui) von Diao Yinan“ weiterlesen

Cannes 19: DOLOR Y GLORIA von Pedro Almodóvar (Wettbewerb)

Antonio Banderas und Cecilia Roth in ‚Dolor y Gloria‘ von Pedro Almodóvar © Pathé

Pedro Almodóvars letzte Filme wirkten in ihrer Perfektion seltsam distanziert. Julieta war als Mutter-Tochter Drama zuweilen packend, wirkte auf mich aber wie eine Stellvertretergeschichte. La piel que habito von 2011 war ein eiskalter, gut gemachter Rachethriller. Aber ein, Film, der in einer anderen Welt zu spielen schien.

Nun hat Almodóvar offensichtlich Gegensteuer gegeben. Dolor y Gloria ist unverhohlen autobiografisch, gleichzeitig stilisiert, selbstironisch und persönlich. Und doch auch wieder künstlerisch reduziert. „Cannes 19: DOLOR Y GLORIA von Pedro Almodóvar (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 19: LITTLE JOE von Jessica Hausner (Wettbewerb)

Viele Little Joes mit Ben Wishaw © Coop99

Alice (Emily Beecham) arbeitet bei einer Pflanzenzuchtfirma, die sich auf genetisch veränderte Blumenarten spezialisiert hat. Ihre jüngste Kreation ist eine Topfpflanze, die Aufmerksamkeit und Pflege verlangt, sich dafür aber mit einem Duft bedankt, der glücklich macht.

Konkret, so erklärt es Alice ihren Kollegen, produziert die Pflanze unter anderem Oxytocin, ein Hormon, das die Bindung zwischen Mutter und Kind beeinflusst. „Cannes 19: LITTLE JOE von Jessica Hausner (Wettbewerb)“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 607: Cannes, Photo de famille, Doris Day

Doris Day und James Stewart in ‚The Man who knew too much‘ von 1956

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Die Côtes d’Azur ist wieder im Filmrausch – das 72. Filmfestival von Cannes läuft, im Wettbewerb kultige Namen wie Jim Jarmusch und Quentin Tarantino – und mittendrin Michael Sennhauser. Aber auch bei uns gibt’s immerhin einen neuen Kinofilm, über den wir reden: Photo de Famille, den Georges Wyrsch gesehen hat. Und ich habe für Sie: die Tonspur und die Kurztipps.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 607 (Rechtsklick für Download)


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Cannes 19: SORRY WE MISSED YOU von Ken Loach (Wettbewerb)

Die Turners: Debbie Honeywood, Katie Proctor, Rhys Stone und Kris Hitchen © filmcoopi

Mit ihrem jüngsten Film sind sich Ken Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty treu geblieben und haben zugleich etwas Neues probiert. Alles dreht sich um die kleinen Leute in England, wie gewohnt. Aber die Probleme entstehen in der Familie, das asoziale, ausbeuterische System des Spätkapitalismus sorgt bloss dafür, dass sie nicht mehr zu bewältigen sind.

Das ist eine hübsche Abkehr vom didaktischen Ton der letzten Filme, obwohl sie auch dieses Mal nicht darauf verzichten, Mechanismen der Ungerechtigkeit leicht verständlich zu schematisieren. „Cannes 19: SORRY WE MISSED YOU von Ken Loach (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 19: ATLANTIQUE von Mati Diop (Wettbewerb)

Ada (Mame Bineta Sane) © MK2 Distribution

Ada soll den reichen Omar heiraten. Aber sie liebt den armen Suleiman. Suleiman arbeitet in Dakar auf der Baustelle eines riesigen Hotelturms. Allerdings haben er und seine Kollegen seit drei Monaten keinen Lohn mehr bekommen.

Darum steigen sie in der Nacht in eine Piroge und versuchen, nach Spanien zu gelangen. Die Piroge sinkt im Sturm, die jungen Männer ertrinken. „Cannes 19: ATLANTIQUE von Mati Diop (Wettbewerb)“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 20 – 2019

‚Ash is the purest white‘ Qiao (Zhao Tao) © filmcoopi

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Ray and Liz von Richard Billingham. Fast zwanzig Jahre nach seinem Fotoband widmet der britische Künstler seinen Eltern und seiner prekären Jugend einen schneidend klarsichtigen Film. Unangenehm, stark und bisweilen böse komisch.
  2. Stan & Ollie von Jon S. Baird. Steve Coogan ist Stan Laurel, John C. Reilly spielt Oliver Hardy. Das würde schon reichen.  Aber darüber hinaus ist das ein Film-Film und ein schönes Hassliebe-Drama. Enorm befriedigend!
  3. Ash Is The Purest White – Jiang hu er nü von Jia Zhang-Ke. Am Beispiel seiner eigenwilligen Heldin zeigt dieser Film den Wandel Chinas über sechzehn Jahre hinweg stark und einleuchtend. Und wer einen weiteren Grund für den Kinobesuch braucht: Schauspielerin Zhao Tao ist unglaublich gut.
  4. En guerre von Stéphane Brizé. Diese Chronik eines aussichtslosen französischen Streiks gegen einen globalen Konzern bringt den Agitationsfilm mit Aufklärungsanspruch à la Ken Loach ein Jahrhundert weiter.
  5. Nuestro tiempo von Carlos Reygadas. Szenen einer Ehe vom mexikanischen Grossmeister. Den lyrisch-wehleidigen Machismo, den Reygadas nur ganz wenig karikiert, muss man nicht mögen. Aber dieser Film ist grosses Kino in jeder Beziehung.

Und im Filmpodcast morgen: Photo de famille, Doris Day, Cannes

Cannes 19: BACURAU von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles (Wettbewerb)

Udo Kier in ‚Bacurau‘ © SBS International

Kann ein Ort einfach von der Weltkarte verschwinden? Nun, in Zeiten von GPS und Google Maps ist das mit etwas technischem Aufwand zu machen.

Jedenfalls stellt der Lehrer von Bacurau in Brasiliens Nordosten eines Tages fest, dass das Dorf auf den Satelliten-Bildern nicht mehr existiert. So zeigt er es den Kindern eben auf der guten alten Rollkarte. „Cannes 19: BACURAU von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 19: LES MISÉRABLES von Ladj Ly (Wettbewerb)

Damien Bonnard (Stéphane), Alexis Manenti (Chris), Djibril Zonga (Gwada) © Rectangle Prod.

In den Sozial-Blöcken von Montfermeil im 93. Arrondissement von Paris braucht es nur einen kleinen Anlass, um grosse Tragödien zu provozieren. Das merkt Polizist Stéphane (Damien Bonnard) sehr schnell, als er einer Drei-Mann-Brigade zugeteilt wird, die in dem Quartier für Ordnung sorgen sollen.

Chris, der Chef (Alexis Manenti), ist ein durchsetzungswütiger Choleriker, der auch mal eine 15jährige an der Bushaltestelle abtastet, weil sie einen Joint geraucht hat. Und das Mobiltelefon ihrer Freundin am Boden zerschmettert, weil die ihn dabei filmt. „Cannes 19: LES MISÉRABLES von Ladj Ly (Wettbewerb)“ weiterlesen