Filmpodcast Nr. 614: Blinded by the Light, Monos, La paranza dei bambini

‚Monos‘ von Alejandro Landes © trigon-film

Die Sommerpause ist vorbei, wir sind wieder da, rechtzeitig für die starken neuen Filme, die jetzt auf die Leinwände drängen. Heute haben wir gleich drei davon im Angebot: Blinded by the Light von Bend-it-like-Beckham-Regisseurin Gurinder Chadha, über die Liebe eines Teenagers zu Bruce-Springsteen-Songs. Monos, ein rätselhaft faszinierendes Dschungeldrama aus Kolumbien, und La paranza dei Bambini nach Roberto Saviano, ein Mafia-Jugend-Drama in Neapel.

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Die Unverpassbaren, Woche 34 – 2019

Steenspringers in ‚Blinded by the Light‘ von Gurinder Chadha © Warner Bros.

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Monos von Alejandro Landes. Eine rätsel- und rauschhafte Variation auf Goldings «Lord of the Flies». Ein Film der vieles offen lässt, und genau deshalb fasziniert.
  2. La paranza dei bambini von Claudio Giovannesi. Neapolitanische Teenager legen sich mit der alteingesessenen Mafia-Garde an. Realistisch-regelkonforme filmische Umsetzung des Romans von Camorra-Spezialist Roberto Saviano.
  3. Blinded by the Light von Gurinder Chadha.  Die Bend it like Beckham-Regisseurin erzählt vom pakistanischen Jungen in Thatchers England, dem Bruce Springsteens Songs beim Erwachsen werden helfen. Wunderbar poetisch, selbst für Springsteen-Agnostiker. Auch wenn sich die Magie im Verlauf des Films ein wenig abnutzt.
  4. Once Upon a Time in Hollywood von Quentin Tarantino. Tarantinos neunter ist nicht sein bester. Aber noch lange gut genug, um bestens zu unterhalten mit seiner Mischung aus Hollywood-Nostalgie und Tinseltown-Enttarnung.
  5. Parasite von Bong Joon Ho. Die Kellerfamilie schleicht sich ein bei den Villenbesitzern. Eine immer wieder neu überraschende Sozial-Parabel, die gekonnt alle Genre-Grenzen verwischt. Nachhaltig hinterhältig unterhaltsam.

Und im Filmpodcast morgen:  Monos, La paranza dei bambini, Blinded by the Light

Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)

Gunawan Maryanto als Siman © Rediance

Die Mondlandung wurde wahrscheinlich in Indonesien gefaked. Jedenfalls gerät Siman, ein ruhiger Mann, in den sechziger Jahren an nächtliche Dreharbeiten, er wird entdeckt und man schneidet ihm die Zunge heraus.

Fortan lebt Siman in einer eigenen Traumwelt. Er baut sich aus alten Waschmaschinen ein Raketen-Haus, das bald zu einer Touristen-Attraktion wird. Und er bewegt sich als Astronaut durchs Leben, stets in Zeitlupe, was ihn selber zu einer von seiner Umgebung durchaus auch ausgebeuteten Performance-Attraktion macht. „Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)

Irina Atanasova und Goldie/Boo © Activist 38

Kein Wunder sind so viele Briten für den Brexit, wenn die Bulgarinnen bereits den alten working class heroes wie Ken Loach die Arbeit wegnehmen…

Was die bulgarischen Dokumentarfilmerinnen Mileva und Kazakova hier in ihrem ersten Spielfilm veranstalten, sieht manchmal fast schon aus wie eine Parodie des Genres, mit dem Loach/Laverty das britische Exportkino über Jahrzehnte geprägt haben. „Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)

© Second Wind Film

Vielleicht müsste man die koreanische Gesellschaft besser kennen, um diese wie ein leicht wirrer Krimi aufgebaute Dorfgeschichte ganz zu entschlüsseln. Aber die wesentlichen Züge werden doch gegen Ende hin klar.

Die Polizistin, die für zwei Jahre mit ihrer Tochter in diese Küstenortschaft versetzt wurde, ist offenbar in Scheidung. Die Tochter sehnt sich nach ihrem Vater und nach Seoul zurück. Die Mutter nimmt Pillen gegen Panikattacken. „Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: VITALINA VARELA von Pedro Costa (Wettbewerb)

Vitalina Varela © optec

Vor fünf Jahren gewann der Portugiese Costa in Locarno den Regiepreis für Cavalo Dinheiro (Horse Money). Das war sein bislang letzter Film, nun ist er wieder im Wettbewerb, mit einer eben so strengen wie zeitweilig betörenden Stil-Volte.

Die Lichtgestaltung ist das augenfälligste an diesem Film. Alles kommt aus dem Dunkel, das meiste bleibt darin, achtzig Prozent der Leinwand bleiben schwarz bis fast zum Schluss.

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Locarno 19: LONGA NOITE von Eloy Enciso (Wettbewerb)

© Filmika Galaika

Ohne die mageren Informationen aus dem Festival-Katalog würde dieser Film für die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer zum doppelten Experiment: Wie universal wirken Sätze über Unterdrückung, Diktatur, Falangisten, beendete Kriege, Kriegsmüdigkeit oder ein Vorher-Nachher?

Dass es um die faschistische Diktatur in Spanien geht, wird einigermassen bald klar. Aber wie sind die Geschichten der einzelnen auftretenden Figuren verknüpft? „Locarno 19: LONGA NOITE von Eloy Enciso (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: O FIM DO MUNDO von Basil Da Cunha (Wettbewerb)

‚O Fim Do Mundo‘ © Sister Distribution

Formale und tonale Perfektion ist selten, aber Basil da Cunha kommt ihr mit seinem zweiten Spielfilm sehr nahe. Das hat natürlich damit zu tun, dass er hier eine geschlossene, künstliche Welt (und deren angekündigtes Ende) abbildet, deren Regeln er nach Belieben selber aufstellen kann. Aber wie immer bei Da Cunha basiert das auf einer Realität und wirkt dokumentarisch.

Die favela Reboleira, ein dem Abriss geweihtes Slumquartier von Lissabon, ist die kleine Welt, die Spira (Michael Spencer) vor acht Jahren verlassen musste, als er in die Jugenderziehungsanstalt eingewiesen wurde. Jetzt ist er wieder da, schweigsam, mit dunklem Blick, ein düsterer Engel, der aufmerksam und zurückhaltend registriert, was sich verändert hat, und was nicht. „Locarno 19: O FIM DO MUNDO von Basil Da Cunha (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: LES ENFANTS D’ISADORA von Damien Manivel (Wettbewerb)

Agathe Bonitzer © MLD Films

Isadora Duncan gilt als eine der Begründerinnen des modernen «Ausdruckstanzes». Nachdem 1913 ihre beiden Kinder bei einem Autounfall in der Seine ertranken, konnte sie zuerst gar nicht mehr tanzen, schuf dann aber die Solo-Choreographie «Mother» (La mère). Mit diesem Solo setzen sich in diesem Film vier sehr unterschiedliche Frauen auseinander.

Tanzfilme sind mir fremd. Und damit meine ich nicht die Musicals, die immer wieder neuen, populären kinetischen Körperspektakel des Unterhaltungskinos. „Locarno 19: LES ENFANTS D’ISADORA von Damien Manivel (Wettbewerb)“ weiterlesen