HALLO BETTY von Pierre Monnard

Betty Bossi bauen: Emmi Creola-Maag (Sarah Spale) © Ascot-Elite

Warum so bieder? Die Geschichte, wie die Zürcher Werbetexterin Emmi Creola-Maag 1956 die perfekte Schweizer Hausfrau «Betty Bossi» erfunden und gegen alle Widerstände im Markt etabliert hat, die hat alles, was es für eine furiose Schweizer Mad Men-Kinokiste gebraucht hätte. Stattdessen bekommen wir von Drehbuchautor André Küttel und Regisseur Pierre Monnard zunächst einmal fast schon Papa Moll geliefert.

Vielleicht haben die Produzenten Angst vor dem doppelbödigen Potential ihrer Idee bekommen. Schliesslich lag das Genie von Emmi Creolas Erfindung ja tatsächlich darin, dass diese superadrette, liebenswürdig gut aufgestellte Werbefigur so vertrauenserweckend gut an die reale Lebenswelt der durchschnittlichen Schweizer Hausfrau angelehnt war. Allzu gross sollte demnach wohl der Kontrast zwischen der Lebenswelt der Kunstfigur und ihrer Erfinderin in der ersten Filmhälfte nicht ausfallen. Eine brodelnd gefährliche Undurchschaubarkeit und zweifelhafte Herkunft, wie sie Mad Men-Star Don Draper auszeichnete, wäre doch etwas unschweizerisch gewesen, gälletsi?

Dabei dürfte die ungebrochene Popularität der Marke Betty Bossi einen Deutschschweizer Kinoerfolg eigentlich so oder so garantieren. „HALLO BETTY von Pierre Monnard“ weiterlesen

STILLER von Stefan Haupt

Pflichtverteidiger Dr. Bohnenblust (Stefan Kurt) und Julika Stiller (Paula Beer) © Ascot-Elite

Nein, dieser Stiller – der Film – ist nicht das Monument, zu dem der Roman von Max Frisch geworden ist. Die filmische Adaption von Stefan Haupt ist keine zeitgenössische Neuinterpretation, kein Meisterwerk, kein Film für die Ewigkeit. Aber Stiller ist ein gutes Stück Kino, eine vergnügliche Erinnerung an die einstige Lektüre – oder ein Fingerzeig darauf, dass sich diese durchaus lohnen könnte.

Dabei hat Max Frischs Geschichte des Mannes, der nach seiner Verhaftung immer wieder versichert, er sei nicht der gesuchte Anatol Stiller, sondern ein Amerikaner namens James Larkin White, auch heute relevantes Identifikationsverwirrungspotential. Spätestens dann, wenn der Inhaftierte verzweifelt fragt, wie man denn beweisen solle, jemand NICHT zu sein.

Der neue Leinwand-«Stiller» ist ein schön gefilmtes Reader’s Digest des Romans, das sich wohltuend auf den linearen Plot der Filmeinstiegszeit konzentriert – versetzt mit sparsam gesetzten Rückblenden, die das Geflecht aus Identität und Vergangenheit gerade so weit auffächern wie unbedingt nötig. „STILLER von Stefan Haupt“ weiterlesen

ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan

Will Poulter, Daisy Edgar-Jones, Jacob Elordi © Ascot-Elite

Im Schlafzimmer im oberen Stock des hübschen, einsam in den Feldern von Kansas gelegenen kleinen Hauses hat Lee Sex mit Muriel. Im Staub der unbefestigten Strasse nähert sich derweil Julius, in der Matrosen-Uniform eines Navy-Soldaten, per Anhalter.

Das sich für das ahnungsvolle Kinopublikum abzeichnende Drama findet allerdings nicht statt, im Gegenteil. Die Leinwand lädt sich erst mal auf mit einer hoffnungsvoll-fröhlichen Vertrautheit, die mich als Zuschauer fast schon auslacht für meine vorschnellen Befürchtungen. Und doch: Die Rückkehr von Julius wird zum Auslöser für drei sehr unterschiedliche Aufbrüche, für die junge Frau und für die zwei ungleichen Brüder. „ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan“ weiterlesen