KOKUHO von Lee Sang-il

Kikuo Tachibana (Ryô Yoshizawa) © trigon

Über zehn Millionen Eintritte in Japan und Japans Kandidat für die nächsten Oscars? Kokuho ist ein Film über das Kabuki-Theater, von dem die meisten von uns keine Ahnung haben. Aber auch ein Film über Klassendünkel, Ehrencodices, Yakuza (mindestens so kinotauglich faszinierend wie die Mafia) und über den Mythos des (männlichen) Künstlers, der seine Kunst über alle moralischen und ethischen Bedenken hinweg zu perfektionieren hat.

Und den wiederum kennen wir bestens, gespiegelt in Filmen wie Mephisto, über den Teufelspakt eines Schauspielers mit den Nazi-Machthabern, oder im jüngsten einschlägigen Meisterwerk Sentimental Value von Joachim Trier, in dem sich die Töchter an der Abwesenheit des genialischen Künstlervaters abarbeiten. „KOKUHO von Lee Sang-il“ weiterlesen

FRANZ K. von Agnieszka Holland

Dr. Franz Kafka (Idan Weiss) In der Versicherungsanstalt © frenetic films

Franz Kafka und seine Texte seien für sie so prägend gewesen, sagt Agnieszka Holland, dass sie unbedingt in seinem Prag studieren und die Filmschule machen wollte, bevor sie nach Polen zurückkehrte und ihre eigene Karriere als Assistentin von Krzysztof Zanussi und Andrzej Wajda startete. Das war in den frühen 1970er Jahren und seit damals muss sie diesen Franz K. und dieses Prag mit sich als Projekt herumgetragen haben, mehr als ein halbes Jahrhundert.

Entsprechend umfassend, reichhaltig, überbordend und aus allen Nähten platzend ist ihr Film nun geworden. Aber zugleich – und zum Glück – getragen von einer fröhlich enzyklopädischen Leichtigkeit. In Franz K. steckt nicht nur ein Leben und ein Werk, nicht nur die Biografie und die Wirkungsgeschichte und der Mythos von Kafka, sondern ein ganzer Strauss biografischer, literarischer und vor allem multiperspektivischer Blütenstände und Dornensträucher. Dieser Film ist ein Fest, eine Feier, eine Versuchung. „FRANZ K. von Agnieszka Holland“ weiterlesen