L’ENGLOUTIE von Louise Hémon

© Sister Dist.

Im Jahr 1899 kommt die junge idealistische Aimée Lazare (Galatéa Bellugi) mitten im Winter in einen winzigen okzitanischen Weiler in den französischen Alpen, um dort die drei jüngsten Kinder als Institutrice zu unterrichten. Sie ist erfüllt vom republikanisch-aufklärerischen Geist und wild entschlossen, Wissenschaft, Rationalität, Hygiene und natürlich sauberes Französisch in diese okzitanisch sprechende Bergler-Gemeinschaft zu tragen.

Allerdings geht nicht nur die kleine Marianne-Büste, welche sie in ihrem improvisierten Schulzimmer-Kämmerchen aufstellt, im Verlauf des Films zu Bruch. Auch Aimées selbstgewählte und die ihr vom Dorf zugewiesene Rolle verschieben sich zunehmend.

Denn Aimée Lazare (die zwei Namen sind von Regisseurin Louise Hémon und ihren zwei Ko-Drehbuchautorinnen kaum zufällig gewählt) bringt nicht nur ihre Rationalität und ihre Schulbildung in die Berge, sie lernt auch zunehmend, die Mythen, Traditionen und das, was sie als Aberglaube erwartet hat, als Teil ihrer eigenen, unerwarteten Persönlichkeit zu erkennen. Und dazu gehören nicht nur ihre freie Sexualität, ihre Lust und ihre Selbstbestimmtheit, sondern auch der von der Gemeinschaft aufgefangene Umgang mit Unglück und Tod. „L’ENGLOUTIE von Louise Hémon“ weiterlesen

MILCHZÄHNE von Sophia Bösch

Das Waldmädchen Meisis (Viola Hinz) © dschointventschr

Wolfskinder haben ganz kleine Zähne, die nie ausfallen. Erst wenn die Milchzähne ihrer Kinder ausfallen, können Eltern und Dorfbewohner darum sicher sein, dass ihr Nachwuchs nicht durch ein Wolfskind aus dem Wald ersetzt worden ist.

Die 19jährige Skalde ist die beste Spurenleserin und Jägerin der kleinen Dorfgemeinschaft. Wie alle anderen Jugendlichen trägt sie ihre Milchzähne als Kette um den Hals. Und das kleine Mädchen, das aus dem Wald gekommen ist, zu ihr und ihrer Mutter Edith, das müsste Skalde eigentlich töten. „MILCHZÄHNE von Sophia Bösch“ weiterlesen