Diese britische Kinoproduktion wird sicher helfen, das Tourette-Syndrom noch weiter bekannt zu machen, und das ist eine gute Sache. Und immer noch nötig, wie sich an der letzten BAFTA-Verleihung im Februar gezeigt hat.
Bei dieser Verleihung der britischen Filmpreise war nämlich auch John Davidson zugegen, der Mann, dessen Leben mit Tourette die Grundlage bildet für das Kinodrama I Swear. „I SWEAR von Kirk Jones“ weiterlesen
Im Jahr 1899 kommt die junge idealistische Aimée Lazare (Galatéa Bellugi) mitten im Winter in einen winzigen okzitanischen Weiler in den französischen Alpen, um dort die drei jüngsten Kinder als Institutrice zu unterrichten. Sie ist erfüllt vom republikanisch-aufklärerischen Geist und wild entschlossen, Wissenschaft, Rationalität, Hygiene und natürlich sauberes Französisch in diese okzitanisch sprechende Bergler-Gemeinschaft zu tragen.
Allerdings geht nicht nur die kleine Marianne-Büste, welche sie in ihrem improvisierten Schulzimmer-Kämmerchen aufstellt, im Verlauf des Films zu Bruch. Auch Aimées selbstgewählte und die ihr vom Dorf zugewiesene Rolle verschieben sich zunehmend.
Denn AiméeLazare (die zwei Namen sind von Regisseurin Louise Hémon und ihren zwei Ko-Drehbuchautorinnen kaum zufällig gewählt) bringt nicht nur ihre Rationalität und ihre Schulbildung in die Berge, sie lernt auch zunehmend, die Mythen, Traditionen und das, was sie als Aberglaube erwartet hat, als Teil ihrer eigenen, unerwarteten Persönlichkeit zu erkennen. Und dazu gehören nicht nur ihre freie Sexualität, ihre Lust und ihre Selbstbestimmtheit, sondern auch der von der Gemeinschaft aufgefangene Umgang mit Unglück und Tod. „L’ENGLOUTIE von Louise Hémon“ weiterlesen