MEETING GÖTZ von Gregor Centner & Birgit Bergmann

Sie hätten sich mit ihrem Protagonisten darauf geeinigt, dass er bei dieser Premiere an der Diagonale in Graz nicht dabei sein sollte, erklärten die Filmemacher Gregor Centner und Birgit Bergmann gestern Abend im Kino KIZ Royal. Schliesslich sei es darum gegangen, den Film, an dem sie über sechs Jahre gearbeitet hatten, zu zeigen und darüber in Ruhe mit dem Publikum reden zu können.

Das wäre schwierig geworden, wenn es in Graz an dem Tag zu Protestaktionen gegen die Einladung von Götz Kubitschek gekommen wäre. Und damit war zu rechnen. Denn der rechtsextreme Kubitschek gehört zu den Vordenkern der deutschen Identitären und ist damit auch einer der ideologischen Co-Architekten der AfD. „MEETING GÖTZ von Gregor Centner & Birgit Bergmann“ weiterlesen

IN DIE SONNE SCHAUEN von Mascha Schilinski

Die Grossmutter (Liane Düsterhöft) und Alma (Hanna Heckt) © cineworx

«Aber ich bin doch Alma!» sagt das kleine Mädchen empört, als ihre Schwester Lia sagt, das tote Mädchen auf dem alten Foto mit der Mutter sei Alma. «Sie sieht aus wie du. Vielleicht ist ja ihr Geist in dich übergegangen», meint die Schwester. «Ja, vielleicht bist du ja gar nicht du, sondern sie», sagt eine andere der Schwestern. «Ich glaube, sie schläft bloss. Sie sieht gar nicht so aus, als ob sie tot wäre», erklärt darauf Alma.

Später im Film entsteht eine weitere solche Fotografie. Jetzt ist es Almas ältere Schwester, die, auf dem Sofa sitzend, mit den Eltern abgelichtet wird. Lia hat sich umgebracht, aber das soll man im Bild nicht sehen.

Der Film spielt über vier verschränkte Zeiträume hinweg im gleichen Gehöft in der Altmark. Vier Mädchen oder junge Frauen sind es, welche ihre jeweilige Umgebung und Familie erleben, mit Glück und Elend, Tod und Arbeit. Alma in den 1910er-Jahren, in den 40ern Erika, in den 1980ern Angelika und in den 2020ern Nelly.

In die Sonne schauen ist ein Film über Erinnerungen, eigene, fremde, vergangene, zukünftige, angeeignete, aufgezwungene. Und damit sind nicht einfach Bilder für die Augen gemeint. Mascha Schilinski erzeugt körperliche Erinnerungen, überlagert sie, lässt sie auf- und abtauchen. Déjà-vu als umfassendes, traumsicheres Konzept. „IN DIE SONNE SCHAUEN von Mascha Schilinski“ weiterlesen

Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise

© Thomas Heise

Nachtrag 12. April: Die Jury der Visions du réel (Joslyn Barnes, Produzentin; Pauline Gygax, Produzentin; Orwa Nyrabia, Artistic Director and Producer) hat entschieden, der Hauptpreis, die Sesterce d’or (CHF 20’000) 2019 geht an Thomas Heise.

Die Kombination ist erschlagend, herzabdrückend: Über rund zwanzig Minuten sind auf der Leinwand nur Listen zu sehen. Minutiös getippte Listen mit Erfassungsnummern, Wohnadressen und Namen von Jüdinnen und Juden.

Die Listen sind alphabetisch nach Nachnamen geordnet und es dauert entsprechend lange, bis der Familienname von Thomas Heises Grossmutter aus Wien auftaucht. „Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise“ weiterlesen

Locarno 18: WINTERMÄRCHEN von Jan Bonny (Wettbewerb)

Thomas Schubert, Ricarda Seifried © Heimatfilm

Dieses Wintermärchen schickt sich an, ins emotionale Innere der rechtsextremen Terror-Gruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» NSU vorzudringen. Beate Zschäpe und ihre zwei Komplizen heissen hier Becky, Tommi und Maik. Sie bilden eine kaputte Micro-Kommune mit einer dumpf und unklar definierten Mission.

Wenn die drei nicht gerade mit spontanen Dominanz- und Unterwerfungsritualen gegen Libido-Verlust ankämpfen oder sich volllaufen lassen, ziehen sie punktuell los, um «Ausländer» umzubringen. „Locarno 18: WINTERMÄRCHEN von Jan Bonny (Wettbewerb)“ weiterlesen

Venedig 14: THE CUT von Fatih Akin

Tahar Rahim in 'The Cut' © 2014 Pathé Films
Tahar Rahim in ‚The Cut‘ © 2014 Pathé Films

Gleich zwei Regisseure haben im internationalen Wettbewerb von Venedig Filme, die eine Trilogie abschliessen. Zum einen der Schwede Roy Andersson, zum anderen der deutschtürkische Regisseur Fatih Akin. The Cut heisst sein Film, ein Epos über einen Armenier, der den Völkermord 1915 fast wundersam überlebt und Jahre damit verbringt, seine Zwillingstöchter zu suchen. Dabei reist er einmal um die halbe Welt. „Venedig 14: THE CUT von Fatih Akin“ weiterlesen

Basterds zerstören die deutsche Sprache

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… zumindest wenn man nach der Website des Schweizer Tages-Anzeigers geht, auf der heute obiger Zwischentitel in einer kleinen Zusammenfassung des österreichisch-deutschen Streits um die Rechte für die Anmeldung von Hanekes Das weisse Band für den Fremdsprachenoscar zu finden war.