DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler

© Calypso Film AG

Edwin Beelers letzter grosser Kinodokumentarfilm war Hexenkinder von 2020. Daran erinnern die ersten Sätze und Bilder im neuen Film des Innerschweizers: «Im Haus des Kaminfegers wohnten drei Brüder. Es hiess, sie hätten schwarze Magie betrieben». Dazu zoomt die Kamera auf die eindrückliche Sepia-Fotografie dreier Männer beim Jassen mit Most. Sie sehen sehr harmlos aus, sehr schweizerisch, wäre da nicht der direkte Blick des mittleren Mannes. Mit weissem Rauschebart und Deckelpfeife scheint er dem Betrachter direkt in die Seele zu blicken.

Um so einen Blick in die Seele geht es Edwin Beeler. Der heute 68jährige spürt mit seinem neuen Dokumentarfilm dem Leben und Sterben seines Grossvaters nach. Der war Kaminfeger in Oberägeri im Kanton Zug.

Respektsperson, Handwerker, Aktivdienstler, Fasnächtler und seinen Kindern ein strenger Vater. «Grossvater wollte die Zukunft seiner Töchter bestimmen», erinnert sich Beeler (mit der Stimme von Hanspeter Müller Drossaart) im Film. Seinen Enkel habe er dann machen lassen, den habe er nicht erziehen müssen. „DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler“ weiterlesen

HALLO BETTY von Pierre Monnard

Betty Bossi bauen: Emmi Creola-Maag (Sarah Spale) © Ascot-Elite

Warum so bieder? Die Geschichte, wie die Zürcher Werbetexterin Emmi Creola-Maag 1956 die perfekte Schweizer Hausfrau «Betty Bossi» erfunden und gegen alle Widerstände im Markt etabliert hat, die hat alles, was es für eine furiose Schweizer Mad Men-Kinokiste gebraucht hätte. Stattdessen bekommen wir von Drehbuchautor André Küttel und Regisseur Pierre Monnard zunächst einmal fast schon Papa Moll geliefert.

Vielleicht haben die Produzenten Angst vor dem doppelbödigen Potential ihrer Idee bekommen. Schliesslich lag das Genie von Emmi Creolas Erfindung ja tatsächlich darin, dass diese superadrette, liebenswürdig gut aufgestellte Werbefigur so vertrauenserweckend gut an die reale Lebenswelt der durchschnittlichen Schweizer Hausfrau angelehnt war. Allzu gross sollte demnach wohl der Kontrast zwischen der Lebenswelt der Kunstfigur und ihrer Erfinderin in der ersten Filmhälfte nicht ausfallen. Eine brodelnd gefährliche Undurchschaubarkeit und zweifelhafte Herkunft, wie sie Mad Men-Star Don Draper auszeichnete, wäre doch etwas unschweizerisch gewesen, gälletsi?

Dabei dürfte die ungebrochene Popularität der Marke Betty Bossi einen Deutschschweizer Kinoerfolg eigentlich so oder so garantieren. „HALLO BETTY von Pierre Monnard“ weiterlesen