WAHLKAMPF von Harald Friedl

© Navigator-Film

Hat mich die satirische Komödie AMS – Arbeit muss sein hier an der Diagonale an den helvetischen Klassiker Die Schweizermacher erinnert, so ruft Harald Friedls vorgestern uraufgeführter Dokumentarfilm Wahlkampf das Echo eines anderen Schweizer Evergreens wieder auf: Mais im Bundeshuus von 2003.

Der stammt zwar aus politisch komplett anderen Zeiten und illustriert vor allem die parlamentarische Arbeit. Aber mit dem Fokus auf einzelne Figuren, insbesondere die Baselbieter Grüne Maya Graf, schuf Jean-Stéphane Bron damals einen niederschwelligen, sympathischen und ziemlich hellsichtigen Einblick in die Mechanik der Alltagspolitik.

Friedls Wahlkampf schafft mit seiner Direct Cinéma-Methode etwas Vergleichbares für die österreichische (und damit auch europäische) Gegenwart, indem er den Wahlkampf des damaligen krassen Aussenseiters und SPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Babler während der letzten Nationalratswahlen von 2024 dokumentiert. „WAHLKAMPF von Harald Friedl“ weiterlesen

AMS – ARBEIT MUSS SEIN von Sebastian Brauneis

Kopf des Widerstands: Marie Wotruba (Margarete Tiesel) © Studio Brauneis

Das dreckige Dutzend der wütenden Arbeitslosen schlägt zurück, in dieser erstaunlich entschlossenen und bisweilen urkomischen österreichischen Satire. Was in der Schweiz das RAV ist, die regionale Arbeitsvermittlung, das ist in Österreich der Arbeitsmarktservice AMS. Eine Institution mit politischer Funktion, zur Beruhigung des Volkszorns und zur Steuerung der Statistik.

Ähnlich wie seinerzeit Die Schweizermacher, in Rolf Lyssys helvetischer Sozialsatire, agieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des neoliberal privatisierten «Arbeitsmatchingservices AMS» im zeitgenössischen Wien dieses eben so verschmitzten wie ehrlich empörten Films, der gestern an der Diagonale seine Weltpremiere hatte: Es gibt ein paar Anständige darunter, und ein paar Karrieregetriebene.

Allen voran die skrupellos auf Aufstieg getrimmte Kathi Kratochvil (grossartig hassenswert: Marie-Luise Stockinger), welche ihr Bonuspunktekonto über effizientes Ausmustern und Sperren ihrer arbeitslosen Klientel zu füllen sucht. „AMS – ARBEIT MUSS SEIN von Sebastian Brauneis“ weiterlesen

LICHT, KEIN LICHT von Matthias van Baaren

Die Laborantin (Naemi Latzer) schärft ihren Blick ©Johannes Hoss

Thesen, Analysen und masochistischer Selbsthass: Manchmal ist man versucht, das österreichische Kunstkino auf eine solche Formel herunterzubrechen. Aber das ist einerseits wohl eine Generationenfrage, waren Haneke und Seidl doch über Jahrzehnte hinweg der internationale Goldstandard der Festivaltauglichkeit, andererseits auch einfach ungerecht, wie gerade die die Diagonale Jahr für Jahr beweist.

Wenn dann allerdings doch wieder einmal so ein Exemplar auftaucht, wie heuer Licht, kein Licht, dann fühlt man sich ja fast schon zuhause in diesem grauslich präzisen Labor der menschlichen Unzulänglichkeit. Zumal dieser Film von Matthias van Baaren der Hoffnungslosigkeit nicht nur ein ebenfalls hoffnungslos mechanistisches Justizsystem zur Seite stellt, sondern zumindest noch eine Hauptfigur, welche wenigstens innerlich dagegen ankämpft. „LICHT, KEIN LICHT von Matthias van Baaren“ weiterlesen

MEETING GÖTZ von Gregor Centner & Birgit Bergmann

Sie hätten sich mit ihrem Protagonisten darauf geeinigt, dass er bei dieser Premiere an der Diagonale in Graz nicht dabei sein sollte, erklärten die Filmemacher Gregor Centner und Birgit Bergmann gestern Abend im Kino KIZ Royal. Schliesslich sei es darum gegangen, den Film, an dem sie über sechs Jahre gearbeitet hatten, zu zeigen und darüber in Ruhe mit dem Publikum reden zu können.

Das wäre schwierig geworden, wenn es in Graz an dem Tag zu Protestaktionen gegen die Einladung von Götz Kubitschek gekommen wäre. Und damit war zu rechnen. Denn der rechtsextreme Kubitschek gehört zu den Vordenkern der deutschen Identitären und ist damit auch einer der ideologischen Co-Architekten der AfD. „MEETING GÖTZ von Gregor Centner & Birgit Bergmann“ weiterlesen