Die Idee ist herzerwärmend: Zeitreisegeschichten müssen nicht zwingend in einer Zukunftsdystopie enden. Ugo Bienvenue setzt hinter die Zeit der kommenden Klimakatastrophe einfach eine weitere Stufe, utopisch, aber liebevoll. Und so bekommt die zehnjährige Iris, die sich im Jahr 2075 zusammen mit ihrem Nanny-Roboter Mikki um ihren Babybruder kümmert und die Eltern am Esstisch unter der Woche nur als Hologramme erlebt, Besuch von Arco, einem gleichaltrigen Jungen aus einer wirklich fernen, dafür aber paradiesischen Zukunft. „ARCO von Ugo Bienvenu“ weiterlesen
Es ist unerträglich heiss geworden auf der Erde. Die Menschen leben in der Nacht und bleiben auf Distanz zueinander. Selbst Jonah (Levan Gelbakhiani), der davon lebt, für andere die fehlende menschliche Nähe zu spielen, stundenweise präsent als Lover, Partner oder Gefährte, achtet darauf, die Körper seiner Kunden und Kundinnen möglichst nicht zu berühren. Mehr physische Wärme, als sie die Umwelt bietet, will kaum jemand. Und echter emotionaler Kontakt scheint nicht nur unziemlich, sondern nachgerade tabu zu sein.
Cleo (Agnese Claisse) nimmt allerdings ihre neunjährige Tochter Nika (Maria Pia Pepe) auch mal in den Arm, etwa um das schlafende Mädchen vom Sofa ins Bett zu tragen, als der Tag anbricht. Und sie heuert Jonah an, um Nika stundenweise den fehlenden Vater zu ersetzen. Ein Spiel, das die aufgeweckte Kleine zunächst eher ihrer Mutter zuliebe mitspielt, mit klarer Ansage an Jonah: «Ich brauche keinen Vater».
Jacqueline Zünd hat sich einen Namen gemacht mit unglaublich sorgfältig inszenierten und gestalteten, thematisch-philosophischen Dokumentarfilmen, etwa Goodnight Nobody (2010), Almost There (2016) oder Where We Belong (2019). Ihre dokumentarische Methode umfasste jeweils ausgesuchte ruhige Einstellungen auf Distanz, oft zentrale Perspektiven, ausgeklügelte Licht- und Farbgestaltung und vor allem eine fast schon hypnotisch wirkende Mischung aus Zurückhaltung und Nähe, nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit einer zugeneigten, unaufdringlichen, unvoyeuristischen Geduld. „DON’T LET THE SUN von Jacqueline Zünd“ weiterlesen
Wolfskinder haben ganz kleine Zähne, die nie ausfallen. Erst wenn die Milchzähne ihrer Kinder ausfallen, können Eltern und Dorfbewohner darum sicher sein, dass ihr Nachwuchs nicht durch ein Wolfskind aus dem Wald ersetzt worden ist.
Die 19jährige Skalde ist die beste Spurenleserin und Jägerin der kleinen Dorfgemeinschaft. Wie alle anderen Jugendlichen trägt sie ihre Milchzähne als Kette um den Hals. Und das kleine Mädchen, das aus dem Wald gekommen ist, zu ihr und ihrer Mutter Edith, das müsste Skalde eigentlich töten. „MILCHZÄHNE von Sophia Bösch“ weiterlesen
Mickey ist viele. Oder vielmehr: Mickey war viele. Nun ist er ein Multiple, bzw. doppelt, weil Mickey 17 seine letzte Mission auf dem fremden Planeten ungeplant überlebt hat, und sein Klon Mickey 18 im Raumschiff schon ausgedruckt wurde. „MICKEY 17 von Bong Joon-Ho“ weiterlesen
«Magischer Realismus» in einem Film aus Chile: Damit kann man Tote wecken. Im Falle von Magdalena (Mía Maestro) passiert das inmitten einer lokalen Umweltkatastrophe.