THE COW WHO SUNG A SONG INTO THE FUTURE von Francisca Alegría

Magdalena (Mía Maestro) steigt Jahre nach ihrem Tod aus dem Fluss © Match Factory

«Magischer Realismus» in einem Film aus Chile: Damit kann man Tote wecken. Im Falle von Magdalena (Mía Maestro) passiert das inmitten einer lokalen Umweltkatastrophe.

Die Abwässer einer Papierfabrik haben die Fische im Fluss verenden lassen, und aus dem Wasser steigt mit letzter Kraft eine Frau im tropfenden Motorradanzug, barfuss, und zieht sich den Helm vom Kopf. „THE COW WHO SUNG A SONG INTO THE FUTURE von Francisca Alegría“ weiterlesen

LES CINQ DIABLES von Léa Mysius

Joanne (Adèle Exarchopoulos) © Le pacte

Einen schöneren, eindringlicheren, magischeren und zugleich realistischen Film hätte man dem NIFFF nicht zur Eröffnung wünschen können. Direkt von der Quinzaine in Cannes nach Neuchâtel, ein Film, der aus unerfindlichen Gründen erst in Frankreich und Spanien einen Verleih gefunden hat.

Nachtrag: Und in der Schweiz, bei der filmcoopi in Zürich.

Wer genau die fünf Teufel des Titels sind, erschliesst sich nicht auf Anhieb. Aber das ist das Wunder dieses Films von Léa Mysius: Sie erzählt von Gefühlen und Vorgängen, Ängsten und Sehnsüchten, die wir begreifen, ohne sie verstehen zu müssen. „LES CINQ DIABLES von Léa Mysius“ weiterlesen

FÜR IMMER SONNTAG von Steven Vit

Rudy Vit hat Sonntag ohne Ende © Filmbringer

Von den drei Schweizer «Vaterfilmen» im Programm der diesjährigen Visions du réel ist das der direkteste, derjenige, der die geweckten Erwartungen am einfachsten umsetzt und sie dann doch deutlich übertrifft.

Rudy Vit hat 43 Jahre für die gleiche Schweizer Firma gearbeitet, immer auf Geschäftsreise, oft in Asien. Nun steht die letzte dieser Reisen an, vor seiner Pensionierung. „FÜR IMMER SONNTAG von Steven Vit“ weiterlesen

LE FILM DE MON PÈRE von Jules Guarneri

Le père in ‚Le film de mon père‘ © Intermezzo Films

Allein aus der Schweiz sind in diesem Jahr mindestens drei explizite «Vaterfilme» im Programm der Visions du réel. Der ungewöhnlichste ist auf jeden Fall der von Jules Guarneri.

Denn, wie der Titel es schon postuliert: Das ist zuerst einmal nicht ein Dokumentarfilm über den Vater, sondern ein Film des Vaters. „LE FILM DE MON PÈRE von Jules Guarneri“ weiterlesen

FAREWELL PARADISE von Sonja Wyss

Abflug von den Bahamas ‚Farewell Paradise‘ von Sonja Wyss © Basalt Film

Die Vertreibung aus dem Paradies war wohl eher eine Flucht. So genau erinnert sich keine der vier Schwestern daran, warum sie sich nach den wunderbaren Kindheitsjahren auf den Bahamas plötzlich im Flugzeug in die Schweiz wiederfanden.

Schon gar nicht Sonja Wyss, die als brüllendes Kleinkind im Flieger ihrer mit dem Transport beauftragten, auch erst zwölf Jahre alten Schwester das Leben noch schwerer machte. „FAREWELL PARADISE von Sonja Wyss“ weiterlesen

Locarno 19: MAGARI von Ginevra Elkann (Piazza Grande, Eröffnungsfilm)

‚Magari‘ von Ginevra Elkann © Xenix

Drei Geschwister werden von ihrer eben wieder schwangeren, geschiedenen Mutter in Paris zu ihrem Vater nach Italien geschickt für zwei Wochen. Für die achtjährige Alma, die als Erzählerin fungiert, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Schliesslich träumt sie immer noch davon, dass Mutter und Vater, die sie nie zusammen erlebt hat, wieder zusammenkommen könnten.

Ihr beiden älteren Brüder, der unter Diabetes leidende Rotschopf Jean und der 14jährige Älteste, Sebastiano, haben weniger Illusionen. Sie haben ihren Vater als selbstabsorbierten, nicht ganz zuverlässigen Künstler in gemischter Erinnerung. „Locarno 19: MAGARI von Ginevra Elkann (Piazza Grande, Eröffnungsfilm)“ weiterlesen

WOLKENBRUCH
von Michael Steiner

Joel Basman und Noémie Schmidt © dcm

Die seltsame Dominanz der «jiddische Mame» über ihre jüdischen Söhne, ob orthodox oder gemässigt, ist ein heiss geliebtes literarisches und filmisches Klischee.

Thomas Meyers Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» von 2012 hat dem Komplex wenig Neues beigefügt, aber das Buch wurde zum fröhlichen Bestseller. Und nun gibt es die Verfilmung dazu, kurz und knackig mit Wolkenbruch betitelt und mit Joel Basman in der zentralen Rolle. Heute hat der Film von Michael Steiner seine Premiere am Zürich Film Festival. „WOLKENBRUCH
von Michael Steiner“
weiterlesen

Cannes 18: SHOPLIFTERS (Manbiki kazoku) Hirokazu Kore-Eda (Wettbewerb)

Die Shibatas mit der kleinen Juri © Gaga Int.

Es ist offensichtlich, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist, wenn in der ersten Szene des Films Vater Osamu mit Sohn Shota im Supermarkt auf Einklautour geht: Beobachten, signalisieren, ein kleines Fingerritual von Shota und hopp ist eine weitere Packung Nudeln im Rucksack verschwunden.

Auf dem Heimweg stossen sie auf einem tiefliegenden Balkon wieder auf das kleine Mädchen, das Osamu schon mehrfach in der Kälte hat frieren sehen. Er beschliesst, sie zum aufwärmen mitzunehmen und sie folgt dankbar. Auch wenn die winzige Wohnung mit fünf Menschen völlig überfüllt wirkt Nobuyo ihrem Mann erklärt, das sei den kein Obdachlosenheim hier… „Cannes 18: SHOPLIFTERS (Manbiki kazoku) Hirokazu Kore-Eda (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN? von Travis Wilkerson (Wettbewerb)

Gregory Peck als Atticus Finch in ‚To Kill a Mockingbird‘ (1962)
Travis Wilkersons Urgrossvater S.E. Branch hat 1946 in seinem Laden in Alabama den Schwarzen Bill Spann erschossen, mit zwei Schüssen in den Bauch und zweien durch den Hals.

Branch war ein ausgewiesener Rassist, Spanns Tod wurde als «Homicide» (Mord) definiert, aber S.E. Branch wurde nie zur Rechenschaft gezogen. „Locarno 17: DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN? von Travis Wilkerson (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: MRS. FANG von Wang Bing

Das ist beileibe nicht der erste Dokumentarfilm, der einen Menschen beim Sterben begleitet. Aber Sterben in China, das unterscheidet sich offenbar doch wesentlich vom Sterben in der Schweiz.

Neun Jahre, nachdem bei der Bäuerin Fang Xuying eine Form von Alzheimer diagnostiziert worden ist, liegt sie nun mit geöffnetem Mund und meist geöffneten Augen auf dem Bett, permanente umgeben von einem grossen Teil ihrer Familie. Es sind die letzte zehn Tage ihres Lebens. „Locarno 17: MRS. FANG von Wang Bing“ weiterlesen