Berlinale09: ‚Ricky‘ von François Ozon

Ozon Francois Ricky

Ozon ist und bleibt der Wunderknabe des französischen Kinos. Und sein Ricky ist auch einer. Zumindest müssen das seine Eltern annehmen, als sich der Kleine schon bald nach seiner Geburt als ziemlich speziell erweist. Was das Spezielle an Baby Ricky ist, soll hier nicht verraten werden. Was das Spezielle am Film ‚Ricky‘ ist, dafür um so mehr: Ozon nimmt einen phantastischen kleinen Plot, der bei Disney zu einer süsslichen Familienkomödie verarbeitet worden wäre, und er macht ein realistisches Sozialdrama daraus. Eine alleinstehende Arbeiterin mit kleiner Tochter verliebt sich in einen Arbeiter, wird von ihm schwanger, beschuldigt ihn, das Baby geschlagen zu haben und „Berlinale09: ‚Ricky‘ von François Ozon“ weiterlesen

Berlinale09: Sturm auf Tickets

arkaden anstehen für berlinale tickets

Anders als etwa das Festival von Cannes ist die Berlinale auch ein Publikumsfestival: Tickets können gekauft werden, und fast alle Vorstellungen (ausser den vorgezogenen für die Presse) sind öffentlich. Und davon wird auch heftig Gebrauch gemacht. In der Shopping Mall Arkaden am Potsdamer Platz stehen die Leute den ganzen Tag geduldig an, und zwar beidseitig. Und für die Journalisten, welche häufig Filme nur unter sich sehen, ist die Berlinale immer wieder auch eine Lektion in Publikumsnähe. Auch wenn mir öfters die Ohren klingeln hier: Die wirklich blöden Kommentare zu Filmen kommen genau so oft von Kollegen wie aus dem zahlenden Filmvolk. Die ganz idiotischen Fragen „Berlinale09: Sturm auf Tickets“ weiterlesen

Berlinale09: ‚The Reader‘ mit Kate Winslet

The Reader Kate Winslet David Kross

Mit The Hours und einer falschen Nase hat Stephen Daldry schon Nicole Kidman zu einem Oscar verholfen. Sein jüngster Film The Reader nach dem deutschen Roman „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, könnte nun leicht das gleiche für Kate Winslet erwirken. Sie ist gewohnt eindrücklich in der Rolle der ehemaligen KZ-Aufseherin, die einen 15jährigen verführt (oder von ihm verführt wird, wenigstens das lässt der Film einigermassen offen). Auch der Stoff ist spannend, und der zeitlich komplex verschachtelte Plot. Aber hier fangen auch schon die Schwierigkeiten des Films an:

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Berlinale09: Tom Tykwer und sein alter ego

Tom Tykwer

Es ist tatsächlich verblüffend: Die Hauptdarsteller fast aller Tom-Tykwer-Filme gleichen irgendwie dem Regisseur. Von „Siebenschläfer“ über „Das Parfum“ bis zum jüngsten Thriller „The International“ (siehe unten) hat er Männer besetzt, die seine Brüder sein könnten. Insbesondere im Fall von Clive Owen in „The International“ ist die Ähnlichkeit frappant (einfach zum vorigen Blogeintrag runterscrollen). An der heutigen Pressekonferenz in Berlin wurde Tykwer gleich von zwei Journalisten darauf angesprochen und hat dann leicht amüsiert erklärt, da sei vielleicht schon was dran, dass man sich als Filmemacher am liebsten selber besetzen würde. Aber einleuchtender sei doch, dass man auf einem Filmset intensiv zusammenarbeite an einem Gemeinschaftswerk und sich dabei wohl zu gleichen beginne. Einen Ausschnitt aus seinem Erklärungsversuch gibts hier zu hören:

Berlinale09: The International – zur Eröffnung ein alter Mercedes

The International Clive Owen

Ein etwas ungewohnter Vergleich für einen Film. Aber Tom Tykwers Thriller The International fühlt sich effektiv so an, wie eines dieser grundsoliden Mercedes-Taxi: Luxus im Alltag, gut verarbeitet, läuft meist geräuschlos und vor allem gemächlich. Für die Berlinale ist der Film ein Glücksfall: Deutscher Regisseur, Internationale Produktion, und – zumindest nominell – ein brandaktuelles Thema. Dass es mit dem Thema korrupte Grossbank und Waffenhandel und internationale Verstrickungen nicht gar so weit her ist, wie man das erwartet hätte, macht auch nichts. Das Schönste an dem Film ist sein Verzicht auf das längst übliche Hightech- und Schnitt- und Actionfeuerwerk. Da wird ganz langsam ein Plot hoch gekocht, mit einzelnen Morden, vielen internationalen Schauplätzen und netten kleinen Low-Tech-Gags, wenn

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Berlinale09: Weiter, tiefer … und viel, viel breiter. Mit der 70mm Retrospektive.

70mm Film ist Schwerarbeit für Operateure
Vorführer mit 70-mm-Filmstreifen (Fotograf: Marian Stefanowski)

Es gab einmal ein Kino, das war nicht nur ‚bigger than life‘ sondern sogar ‚bigger than the movies‘. Filme wie Lawrence of Arabia oder Kubricks 2001: A Space Odyssey kamen in einem Format in die Welt, das überirdische Bilder produzierte: 70mm. Ein Filmstreifen, doppelt so breit wie der gewohnte, ein Bild, das nicht wie beim klassischen Cinemascope einfach optisch zusammengestaucht und dann über ein Prisma breit projiziert wurde, sondern wirklich postkartengrosse Einzelbilder, vierundzwanzig Mal pro Sekunde auf Riesenleinwände geworfen. Heute macht Imax etwas ähnliches (und nicht mehr lange, das System wird digital), aber die Zeit der wirklich monumentalen Monumentalfilme ist vorbei. Hier, an der 59. Berlinale lebt sie allerdings noch einmal auf.

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