REBUILDING von Max Walker-Silverman

Dusty (Josh O’Connor) und seine Tochter Callie-Rose (Lily LaTorre) © cineworx

Es ist immer wieder kurz eigenartig, den jungen Prince Charles aus The Crown in einer us-amerikanischen Rolle zu sehen. Dabei überzeugt Josh O’Connor schon in den ersten Momenten, in denen er in Rebuilding als Cowboy Dusty zu sehen ist. Wortlos, leicht in sich zusammengefallen, physisch meilenweit entfernt von der Rolle als Tennis-Champion, die er in Challengers verkörperte.

Dusty hat fast alles verloren, seine Frau, die Jugendliebe, mit der zusammen er die Familienfarm betrieb, ist mit der gemeinsamen Tochter und ihrem neuen Mann zu ihrer Mutter gezogen. Und von der einstigen Farm stehen nach den letzten schweren Waldbränden nur noch die Grundmauern zwischen den verkohlten Baumstämmen des Waldes seiner Kindheit in Colorado. „REBUILDING von Max Walker-Silverman“ weiterlesen

NIFFF 2025 – Der neue Horror: Wir, die Alten

Die Mutter, das Portal zur Hölle: Robyn Nevin in ‚Relic‘ (2020) von Natalie Erika James © Film Constellation

Die greise Mutter als Portal zum jenseitigen, unmenschlich Bösen. Das Elend und das schlechte Gewissen des Sohnes, der sie ins Altersheim fährt. Die Tochter, die ihrer Mutter vorhält, die Grossmutter aus Bequemlichkeit versorgen zu wollen: Die Motive einiger der neuen Filme, die am diesjährigen NIFFF zu sehen sind, greifen direkt auf die Ängste, den Schmerz und den Horror unserer aktuellen Gesellschaft zu.

Natürlich war das schon immer das Prinzip des wahren Schreckens. Die Ahnen mussten besänftigt werden, um nicht als Geister die nächste Generation heimzusuchen. Die plötzliche Fremdheit vertrauter Menschen spiegelte sich in den Untoten und Wiedergängern der archetypischen Menschheitsgeschichten. Die Kirche machte ihren Gläubigen zwecks Machterhalt die Hölle heiss. Die Puritaner verteufelten den Sex zwecks besserer Gesellschafts- und vor allem Frauenkontrolle. Und das alles schlug sich stets nieder im genregerechten Horrorkino. „NIFFF 2025 – Der neue Horror: Wir, die Alten“ weiterlesen

SEDIMENTE von Laura Coppens

© Srikandi Films

Wie das wohl aussieht, wenn eine Medienanthropologin sich der eigenen Familiengeschichte zuwendet? Dieser Dokumentarfilm ist die denkbar erfreulichste Antwort auf die Frage. Laura Coppens befragt ihren DDR-Grossvater liebevoll, vorsichtig, reflektiert und sehr zielgerichtet.

Der Film basiert auf akribischen Nachforschungen, greift zurück auf Briefe, Familienfotos, historische Unterlagen und Archivmaterial. Laura Coppens hat mit wissenschaftlicher Sorgfalt Materialien zusammengetragen, analysiert und verglichen.

Zugleich aber bleibt sie die Enkelin, die zusammen mit dem geliebten Opa Schicht für Schicht die Sedimente in der Familiengeschichte überprüft, mit seinen Erinnerungen abgleicht und sich dabei selbst dauernd daran erinnert, dass auch die eigene Erinnerungskultur von der Familiengeschichte geprägt ist. „SEDIMENTE von Laura Coppens“ weiterlesen

WIR ERBEN von Simon Baumann

Stephanie und Ruedi Baumann © filmcoopi

Nach zwei Dritteln dieses Dokumentarfilmes fällt dieser hinreissende Halbsatz, der uns, unser Land, die Schweiz, in perfekter Offenheit erfasst:

«Die angeri Mehrheit…»

Die «andere Mehrheit», also jene Hälfte der Beteiligten, deren Meinung knapp unterlegen ist, deren Stimmen ein winziges bisschen weniger zum Tragen gekommen ist. In dieser anderen Mehrheit findet sich in unserer Demokratie immer wieder (fast) die Hälfte der sogenannten «Stimmbevölkerung». „WIR ERBEN von Simon Baumann“ weiterlesen