LA VALLE DEI SORRISI von Paolo Strippoli

Don Attilio (Roberto Citran) © fandango

Den Menschen im italienischen Städtchen Remis steht das Lächeln im Gesicht. Es steht auch auf dem Schild am Ortseingang, das dem Film seinen Titel gibt. Und die Leute lächeln, obwohl fast jeder im Ort bei dem schrecklichen Zugsunglück vor 15 Jahren Angehörige verloren hat.

Den in seinem eigenen Unglück vergrabenen Aushilfssportlehrer und einstigen Judo-Champion Sergio Rosetti (Michele Riondino) kümmert das wenig. Tagsüber lässt er seine Schülerinnen und Schüler im Kreis laufen und abends besäuft er sich in Michelas Bar, bis diese ihn zum Geheimnis des Ortes führt: Dem 15jährigen Matteo, bei dem man durch eine Umarmung seinen Schmerz loswerden kann.

Dass dieses Wunder einen höllischen Preis hat, für die Ortsbewohner, aber auch für Matteo, das erkennt Sergio erst allmählich. „LA VALLE DEI SORRISI von Paolo Strippoli“ weiterlesen

TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA von Jane Schoenbrun

Kris (Hannah Einbinder) und Billy (Gillian Anderson) © filmcoopi

Nicht nur das Blut spritzt hier in meterhohen Fontänen, auch die Gedanken und Ideen zum klassischen US-Teenager-Horrorfilm spritzen über und von der Leinwand herab; das alles tropft und fliesst höchst vergnüglich über die schiefe Meta-Ebene des Genre-Kinos.

Ein Film wie gemacht für das NIFFF – auch wenn er im Frühling in Cannes schon eine globale Plattform hatte. Teenage Sex and Death at Camp Miasma von den nonbinären Jane Schoenbrun aus New York ist nicht nur im Titel horrorfilmmeta, sondern durchgängig. Der Film ist meta-meta, sozusagen Ubermeta. „TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA von Jane Schoenbrun“ weiterlesen

DRACULA: A LOVE TALE von Luc Besson

Caleb Landry Jones als Vlad/Dracul © Ascot-Elite

129 Minuten pompöse, prächtige Langeweile. Dass muss man auch erst mal hinkriegen, nach 128 Jahren Dracula. Luc Besson borgt sich seine Bilder bei seinen Vorreitern, und dabei vor allem bei jenen, die ihn selbst beeindruckt haben, insbesondere bei Francis Ford Coppola und dessen Bram Stoker’s Dracula von 1992. „DRACULA: A LOVE TALE von Luc Besson“ weiterlesen

BLACK BAG von Steven Soderbergh

Michael Fassbender in ‚Black Bag‘ © Universal

Slow Horses, die hinreissende Serialisierung der Jackson-Lamb-Romane von Mick Herron hat das Ende der klassischen britischen Spionage-Thriller markiert, wie auch den Anfang der diesbezüglichen Nostalgie. Gary Oldman als furzender, saufender und stinkender Boss der strafversetzten MI5-Agentinnen und Agenten im «Slough House», dem Schmuddelkinder-Ableger der institutionellen britischen Drahtzieher, ist der personifizierte Tief- und Höhepunkt einer stolzen Kino-Tradition.

Die brutale Eleganz von James Bond, oder die realistische Raffinesse von John Le Carrés Smiley und Co. haben eine filmische Tradition begründet, deren Spuren heute allgegenwärtig sind, und entsprechend leicht zu parodieren. Selbst die jeweiligen zeitgenössischen Parodien, von Casino Royale über die französischen OSS 117-Filme bis zu den Sargnagel-Variationen von Rowan Atkinsons Johnny-English-Komödien fanden unlängst ein Nachglühen in nostalgischen Neuauflagen.

Wenn sich nun allerdings Steven Soderbergh hinter die Materie macht, der Mann, der seinen vor zwölf Jahren verkündeten Abschied vom Kino seither mit mehr als fünfzehn weiteren Filmen zur verkapptesten Leinwand-Liebeserklärung aller Zeiten gemacht hat, dann darf man schon eine Art Quintessenz erwarten.

Und die liefert Black Bag. „BLACK BAG von Steven Soderbergh“ weiterlesen

+++ «Teenage Sex & Death at Camp Miasma» +++ Ab Donnerstag im Kino