ALL THAT’S LEFT OF YOU (Allly baqi mink) von Cherien Dabis

Noch herrscht Frieden in Jaffa © trigon

Kino ist ideal für gross angelegte Familienchroniken. Mit dem sizilianischen Clan im Gattopardo bekommen wir epochenübergreifende, packende Geschichtslektionen, ebenso wie mit den Corleones der Godfather-Trilogie oder den trotz zahlreicher Anläufe nie ganz auf Leinwandgrösse geschrumpften Buddenbrooks.

Die palästinensisch-amerikanische Regisseurin und Schauspielerin Cherien Dabis überträgt diesen generationenverknüpfenden Ansatz auf das Schicksal der Palästinenser, von der Nakba, der Übernahme Palästinas durch die israelische Staatsgründung, über die Intifada bis kurz vor unsere Gegenwart. „ALL THAT’S LEFT OF YOU (Allly baqi mink) von Cherien Dabis“ weiterlesen

YES! (!כן – Ken!) von Nadav Lapid

Y (Ariel Bronz) © Sister Dist.

Nach genau einer Stunde orgiastischer Partylaune mit Musik, Alkohol, Drogen und vielen reichen und offensichtlich mächtigen Israeli passiert es: Der Musiker und Unterhalter Y (Ariel Bronz) bekommt eine Meldung seines Managers auf sein Mobiltelefon. Er soll die Musik liefern für eine Gedenkfeier anlässlich des Massakers vom 7. Oktober 2023. Und nicht nur das. Er soll auch die dazu passende Rache-Wut-und-Einigkeits-Hymne vertonen:

«Yes! Your wish is my command, Mephisto!»

Der Moment ist die Kulmination seiner Karriereträume und jener seiner Frau Yasmine (Efrat Dor). Die goldene Zukunft ist zum Greifen nah, das gemeinsame Leben mit dem kleinen Sohn Noah in Stil und Luxus gesichert. „YES! (!כן – Ken!) von Nadav Lapid“ weiterlesen

Locarno 17: WAJIB (Duty) von Annemarie Jacir (Wettbewerb)

Saleh und Mohammad Bakri © trigon-film

Die in Bethlehem geborene Annemarie Jacir setzt sich immer wieder mit ihrer Heimat Palästina und dem Exil auseinander. Wajib ist nun zugleich ein Film über allgemeine Familienkonstellationen und über diese ganz spezielle, wie sie sich in Nazareth ergeben kann.

Vater Mohammad und Sohn Saleh Bakri spielen Vater und Sohn in Wajib. Abu Shadi war und ist ein palästinensischer Lehrer in Nazareth, unter strenger Kontrolle und Beobachtung durch die israelischen Behörden. Sein Sohn Shadi lebt als Architekt in Italien und ist über die Weihnachtstage zurück gekommen für die bevorstehende Hochzeit seiner Schwester. „Locarno 17: WAJIB (Duty) von Annemarie Jacir (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 09: The Time that Remains

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Der israelische Palästinenser Elia Suleiman ist noch in bester Erinnerung für seinen Cannes-Beitrag von 2002: Divine Intervention. Der urkomische, lakonisch-poetische Stil, mit dem er damals die Absurditäten im täglichen Leben im nahen Osten ins Auge fasste, hat den Film zu einer dauerhaften Erinnerung gemacht. Und Suleimans neuer, der heute hier in Cannes im Wettbewerb gezeigt wurde, führt den eigenwilligen Stil weiter in die Vergangenheit. Suleiman erzählt aus der eigenen Familiengeschichte und seiner Kindheit und Jugend in Nazareth. Zunächst aber von 1948, dem Gründungsjahr Israels, der Eroberung oder Befreiung Nazareths, je nach Perspektive, und von seinem Vater, einem Widerstandskämpfer.

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