DES PREUVES D’AMOUR von Alice Douard

Céline (Ella Rumpf) mit Nadias Bauch © cineworx

«Sie wissen aber schon, dass das Kind nicht von mir ist?» fragt Céline beim jungen Arzt, der mit ihr und der hochschwangeren Nadia das übliche Schwangerschaftsabklärungsgespräch über allfällige Erbkrankheiten und sonstige Familiengebresten führt. «Ja, das weiss ich schon», antwortet dieser leicht verlegen: «Tatsächlich mache ich das eben zum ersten Mal mit zwei Frauen, und ich wollte Sie nicht in Verlegenheit bringen.»

Das Jahr ist 2014, in Frankreich ist die gleichgeschlechtliche Ehe mit der Annahme der Loi Taubira im Jahr davor möglich geworden. Allerdings ist vieles noch nicht geregelt. Darum muss Céline (Ella Rumpf) auch noch einen Adoptionsantrag stellen für das Kind, welches Nadia (Monia Chokri) austrägt – obwohl die beiden legal verheiratet sind. „DES PREUVES D’AMOUR von Alice Douard“ weiterlesen

L’ATTACHEMENT von Carine Tardieu

Sandra (Valeria Bruni Tedeschi) und Elliott (César Botti) © frenetic

Als bei ihrer Nachbarin etwas verfrüht und daher überraschend die Fruchtblase platzt, erklärt sich Sandra (Valeria Bruni-Tedeschi) gezwungenermassen bereit, auf den kleinen Elliott aufzupassen, während sein Vater mit seiner Frau ins Spital fährt. Sandra betreibt einen feministischen Buchladen und nimmt Elliott schliesslich dahin mit, weil der übliche Babysitter nicht zu erreichen ist. Zum Glück kommt ihn dort ihre Schwester, eine begeisterte fünffache Mutter, bald darauf abholen.

Die ersten Szenen mit dem kleinen Elliott (César Botti) und Sandra in deren Wohnung sind hinreissend und auf eine gute Art irreführend. Sandras Verlegenheit, ihre Überzeugung, mit Kindern nichts anfangen zu können, werden von Elliotts kindlicher Direktheit herausgefordert. Der Kleine seinerseits scheint angetan von Sandras offensichtlichem Unwillen, ihn mit kindgerecht vagen Antworten abzuspeisen.

Und kaum macht man sich auf eine dieser Geschichten gefasst, in denen ein strahlendes Kind das verhärtete Herz eines erwachsenen Menschen knackt, steht der Nachbar wieder unter der Tür, allein und tränenüberströmt. „L’ATTACHEMENT von Carine Tardieu“ weiterlesen

LES PAPAS von David Maye

© DOK MOBILE

«Meine Partnerin ist seit 32 Wochen und zwei Tagen schwanger. Ich weiss das so genau, weil ich eben noch mit ihr telefoniert habe. Und sie hat gesagt: “Wenn Dich einer fragt, sagst Du ‘32 Wochen und zwei Tage’”…» – der Satz löst fröhliches Gelächter aus in der kleinen Runde der werdenden Väter.

Die Männer treffen sich regelmässig, um sich über ihre Rolle als ‘Papa’ auszutauschen, zunächst noch hypothetisch für die meisten, bald aber geprägt vom Alltag mit ihren Bébés und Kleinkindern.

«Ich will Dir keine Angst machen, aber das wird noch härter!» sagt jener, der schon beim dritten Kind angelangt ist. „LES PAPAS von David Maye“ weiterlesen

Locarno 19: MAGARI von Ginevra Elkann (Piazza Grande, Eröffnungsfilm)

‚Magari‘ von Ginevra Elkann © Xenix

Drei Geschwister werden von ihrer eben wieder schwangeren, geschiedenen Mutter in Paris zu ihrem Vater nach Italien geschickt für zwei Wochen. Für die achtjährige Alma, die als Erzählerin fungiert, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Schliesslich träumt sie immer noch davon, dass Mutter und Vater, die sie nie zusammen erlebt hat, wieder zusammenkommen könnten.

Ihr beiden älteren Brüder, der unter Diabetes leidende Rotschopf Jean und der 14jährige Älteste, Sebastiano, haben weniger Illusionen. Sie haben ihren Vater als selbstabsorbierten, nicht ganz zuverlässigen Künstler in gemischter Erinnerung. „Locarno 19: MAGARI von Ginevra Elkann (Piazza Grande, Eröffnungsfilm)“ weiterlesen

NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd

‚Where we belong‘ von Jacqueline Zünd © filmcoopi

Die Zwillinge Alyssia und Illaria haben wahrscheinlich am meisten Glück gehabt. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch relativ klein waren. Und die beiden erzählen vor der Kamera unumwunden, wie die Mutter dem Vater Fremdgehen vorgeworfen habe, dass es möglicherweise aber auch umgekehrt gewesen sei.

Bauernsohn Thomas hat etwas mehr Mühe mit seinen Erinnerungen. Eines Tages habe die Mutter nach einem Streit mit dem Vater gepackt und sei in die Ferien gefahren. Danach habe man nicht mehr über sie gesprochen. Auch wenn er sich schon etwas wunderte, dass die Ferien nach einem Jahre immer noch nicht vorbei waren. „NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd“ weiterlesen

Berlinale 19: SYSTEMSPRENGER von Nora Fingscheidt

Helena Zengel © Peter Hartwig / kineo / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer

Dieses deutsche Spielfilmdebut lief zwar schon am zweiten Festivaltag, ist aber bis jetzt – es sind schon mehr als die Hälfte aller Filme des internationalen Wettbewerbs gelaufen – immer noch der spannendste Beitrag. Weil er aufregend ist, laut, fordernd und überfordernd. Und weil er viel wagt und dabei viel gewinnt.

«Systemsprenger», das sind Kinder, die weder in Familien, noch in Wohngruppen oder Heimen zurechtkommen, die Regeln noch mit Konventionen einhalten können, denen mit dem Erziehungssystem nicht beizukommen ist. „Berlinale 19: SYSTEMSPRENGER von Nora Fingscheidt“ weiterlesen

Katzenkinderlaternenfilm

katzenfilmlaterne

Die Zauberlaterne, der Schweizer Kinderfilmklub, der als lanterne magique von Neuenburg aus die Welt (oder doch schon Europa) erobert hat, ist laufend bemüht, Kindern und Jugendlichen das Kino und seine Geschichte näher zu bringen. Der jüngste Vorstoss ist eine interaktive Website, ein Portal, auf dem unter anderem in einer animierten mehrteiligen Geschichte erzählt wird, wie die kleine Katze einen Film macht. Die von der Zauberlaterne mit der europäischen Unterstützung von E-Learning entwickelte Internetseite Die Katze, die einen Film machen wollte richtet sich an Kinder ab 5 Jahren. Sie wird in fünf Sprachen angeboten (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und Spanisch) und erzählt in Form eines interaktiven Animationsfilms Folge für Folge die Geschichte einer kleinen Katze, die einen Kinofilm drehen will.