PROMIS LE CIEL von Erige Sehiri

Jolie (Laetitia Ky), Marie (Aïssa Maïga), Kenza (Estelle Kenza Dogbo), Naney (Debora Lobe Naney) © trigon

Drei Frauen kauern an der Badewanne und waschen ein kleines Mädchen. Die Szene hat etwas von einer Taufe. «Wie heisst Du?» fragt Marie. «Kenza», sagt die Kleine. «Wie alt bist Du?» fragt Naney. «J’ais deux ans», sagt Kenza. «Nein, Du bist nicht zwei Jahre alt, stellt Naney fest. «Wie heisst dein Papa? Wer war sonst mit Dir auf dem Boot?». Keine Antwort. «Gehst Du zur Schule?» fragt schliesslich Jolie. Und auch auf die Frage zuckt die Kleine nur die Schulter.

Dann kommt doch noch etwas: «Das Boot ist umgekippt. Die Erde ist kaputt gegangen. Der Onkel hat die Messer genommen, im Haus. Er hat sie in seine Tasche gesteckt und er hat sie auf die Leute geworfen…» „PROMIS LE CIEL von Erige Sehiri“ weiterlesen

Berlinale 19: GRÂCE À DIEU von François Ozon

Melvil Poupaud (Rechts) © filmcoopi

Am 7. Januar stand der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin vor Gericht. Er habe trotz Kenntnis der Pädophilie eines Priesters diesen nicht der Justiz gemeldet. Fast genau einen Monat später gelangt François Ozons fiktionalisierte Aufarbeitung des Falles um den Priester Bernard Preynat – als Geschichte eines langen Kampfes der Opfer.

Grâce à dieu ist ein Spielfilm, aber Fiktion ist wenig daran. Die Personen der Kirche tragen ihre Klarnamen, die ehemaligen Opfer zumindest die echten Vornamen. In einer Art filmischer Stafette zeichnet Ozon den Kampf dreier Männer nach, alle sind in ihrer Jugend bei Bernard Preynat in der Pfadfindergruppe gewesen, alle sind von diesem missbraucht worden. „Berlinale 19: GRÂCE À DIEU von François Ozon“ weiterlesen

Locarno 18: MENOCCHIO von Alberto Fasulo (Wettbewerb)

Marcello Martini in der Titelrolle © Nefertiti Film

Im aktuellen Italien die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der für seine freie Rede und kirchenkritischen Gedanken 1599 auf Anordnung des Papstes auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, das ist kein einfaches Unterfangen.

Menocchio hiess eigentlich Domenico Scandella. Er war Müller in Montereale, einem Dorf im Friaul. Wie viele andere Freidenker und kritische Geister geriet auch Scandella in die inquisitorische Repressionsmaschine der Gegenreformation. „Locarno 18: MENOCCHIO von Alberto Fasulo (Wettbewerb)“ weiterlesen