THE LAST VIKING von Anders Thomas Jensen

Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas in ‚The Last Viking‘ © filmcoopi

Mads Mikkelsen kann alles. Der kann sogar einen verstörten, gestörten Mann mit Dauerwelle so spielen, dass man den einstigen Wikinger im Kind noch spürt. Auch wenn er nun nicht mehr Manfred heissen will, wie damals, als er und sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) noch unter dem Alkoholikervater im Waldhaus zu leiden hatten.

Manfred hört nun nur noch auf den Namen John. John Lennon, um genau zu sein. Und er klaut Hunde in der Nachbarschaft, wenn Freja (Bodil Jørgensen), die Schwester der beiden, einen Moment nicht aufpasst. Mit all dem ist Anker etwas überfordert, als er aus dem Knast kommt. Er will bloss die Tasche mit dem Geld, das er damals gleich nach dem Banküberfall vom ahnungslosen Manfred hat verstecken lassen. „THE LAST VIKING von Anders Thomas Jensen“ weiterlesen

VOLVERÉIS von Jonás Trueba

Vito Sanz und Itsaso Arana in ‚Volveréis‘ © Sister Distribution

Nach vierzehn gemeinsamen Jahren sind Ale (Itsaso Arana) und Álex (Vito Sanz) entschlossen, sich freundschaftlich zu trennen und das mit einer grossen Fete mit all ihren Freunden zu feiern. Die Idee dafür geht auf einen Spruch von Ales Vater zurück, der einmal verkündet haben soll, Paare sollten ihre Trennung feiern, nicht ihre Vereinigung. Die witzige, aber in der Praxis absurde Aussage wird als durchgehend wiederholte Erklärung nicht nur zum Running Gag des Films, sondern auch zum einzigen deklarierten Grund für die geplante Trennung.

Eigentlich müsste man aus der Idee einen Film machen, sagt Ale, die Filmemacherin. Und ihr Mann, der Schauspieler, pflichtet bei: « lo que me gusta es que parece una comedia » (Mir gefällt daran, dass das wirkt wie eine Komödie). Und schon sind wir mitten in einem wunderbar cinéphilen Meta-Drama.  „VOLVERÉIS von Jonás Trueba“ weiterlesen

LA PETITE VADROUILLE von Bruno Podalydès

Sandrine Kiberlain, Bruno Podalydès, Denis Podalydès, Daniel Auteuil, Florence Muller und Dimitri Doré in ‚La petite vadrouille‘ © xenix

Die verschroben komischen, alltagspoetischen Familienfilme von Bruno Podalydès gehören seit Jahren zu den verlässlichen Werten der französischen Leinwandkleinkunst. Stets ist Bruder Denis mit von der Partie, in der Regel auch Florence Muller, fast immer die wunderbare Sandrine Kiberlain, oder dann Karin Viard, Josiane Balasko oder auch Agnès Jaoui. Podalydès-Filme sind kleine Kopfreisen, wilde Trips in Gestalt bescheidener Ausflüge, wie etwa die Binnen-Paddelei Comme un avion von 2015 oder Les deux Alfred von 2021.

La petite vadrouille, der jüngste dieser Familienausflüge, ist nun allerdings allzu bescheiden ausgefallen. „LA PETITE VADROUILLE von Bruno Podalydès“ weiterlesen

LES BARBARES von Julie Delpy

Sandrine Kiberlain, Julie Delpy, Jean-Charles Clichet, Fares Helou, Ziad Bakri, Dalia Naous © frenetic

Das bretonische Städtchen Paimpont erwartet mit Begeisterung die Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine, nachdem im Gemeinderat sogar der Lokalnazi einer Aufnahme zugestimmt hat.

Doch dann kommen statt der erwarteten Ukrainer die Fayads aus Syrien.

«Die Nachfrage nach ukrainischen Flüchtlingen in Frankreich ist zu gross, sie haben keine mehr für uns», erklärt die Lehrerin (July Delpy). Aber hier kann doch keiner Arabisch, meint der Bürgermeister leicht nervös, worauf Anne Poudoulec (Sandrine Kiberlain), die Frau des Ladenbesitzers, ihren Sparkassenberater aus Rennes kommen lässt, um bei Bedarf zu dolmetschen. „LES BARBARES von Julie Delpy“ weiterlesen

UN OURS DANS LE JURA von Franck Dubosc

Franck Dubosc, Benoît Poelvoorde, Joséphine de Meaux © JMH

«Drei Leichen sind da drin. Einer hat Schnittwunden im Gesicht, die anderen sind mit Honig überzogen. Einer wurde aufgespiesst. Sein Bauch durchbohrt. Abdomen geplatzt!» „UN OURS DANS LE JURA von Franck Dubosc“ weiterlesen

DIE GOLDENEN JAHRE von Barbara Kulcsar

Esther Gemsch und Stefan Kurt © filmcoopi

Für das frischpensionierte Ehepaar Alice und Peter entpuppt sich der Start in Die goldenen Jahre als unerwartet dramatische Knacknuss. Petra Volpe (Die göttliche Ordnung) hat das Drehbuch geschrieben, Barbara Kulcsar (Nebelgrind) inszeniert Esther Gemsch, Stefan Kurt und Ueli Jaeggi in dieser Dramödie, die am ZFF ihre Premiere feierte.

«Unser Sohn ist ein Gigolo. Und unsere Tochter trinkt zu viel».

Das bemerkt der frisch pensionierte Peter (Stefan Kurt) gegenüber seiner Frau Alice (Esther Gemsch) am Schluss der grossen Feier mit Familie und Freunden.

Und schiebt grinsend nach: «Nümm üsses Problem!» „DIE GOLDENEN JAHRE von Barbara Kulcsar“ weiterlesen

WOLKENBRUCH
von Michael Steiner

Joel Basman und Noémie Schmidt © dcm

Die seltsame Dominanz der «jiddische Mame» über ihre jüdischen Söhne, ob orthodox oder gemässigt, ist ein heiss geliebtes literarisches und filmisches Klischee.

Thomas Meyers Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» von 2012 hat dem Komplex wenig Neues beigefügt, aber das Buch wurde zum fröhlichen Bestseller. Und nun gibt es die Verfilmung dazu, kurz und knackig mit Wolkenbruch betitelt und mit Joel Basman in der zentralen Rolle. Heute hat der Film von Michael Steiner seine Premiere am Zürich Film Festival. „WOLKENBRUCH
von Michael Steiner“
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Diagonale 09: Zweimal Glawogger ‚Das Vaterspiel‘ und ‚Contact High‘

Das Vaterspiel Sabine Timoteo Michael Glawogger
Sabine Timoteo ist Mimi in Michael Glawoggers ‚Das Vaterspiel‘

Michael Glawogger war schon ein monumentaler Exportschlager des Filmlandes Österreich, bevor das hiesige ‚Filmwunder‘ so richtig eingesetzt hatte. 1998 wurde sein spektakulärer Dokfilm Megacities (eine Art Slumdog Millionaires in Realität) zu einem Festivalhit. Glawogger hat seit 1984 mindestens 14 Filme gemacht, der nächste Spielfilm ist bereits in Arbeit. Und an der diesjährigen Diagonale ist er mit gleich zwei Spielfilmen präsent (wie sein Kollege Andreas Prochaska übrigens auch): Das Vaterspiel und Contact High. Dass beide Filme vom gleichen Regisseur sind, ist dabei nicht minder verblüffend als ihre jeweilige Radikaliät in ihren Genres (so man sie überhaupt zuordnen will). Eine Literaturverfilmung einerseits, eine Komödie andererseits.

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Filmpodcast Nr. 121: Der Knochenmann, Die Standesbeamtin, Burton und Taylor, Luc Besson.

Knochenmann Hader
Josef Hader in 'Der Knochenmann'

Herzlich Willkommen zu Kino im Kopf – heute mit Brigitte Häring. Sie hat zwei Filmbesprechungen auf Lager: Den österreichischen Krimi Der Knochenmann und die Schweizer Komödie Die Standesbeamtin. Ausserdem gratuliert Michael Sennhauser Luc Besson zum 50. Geburtstag, und wir blicken zurück auf auf das bewegte Eheleben von Liz Taylor und Richard Burton. Wie immer gibt’s dazu die Tonspur und unsere Kurztipps.

Saugen: Filmpodcast Nr. 121 (Download mit Rechtsklick)
Hören:


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Diagonale 09: Liebe und andere Verbrechen

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In der Reihe „Spektrum“, einer Art Sammelbecken für koproduzierte Perlen, zeigt die Diagonale Filme, die schon anderswo zu entdecken gewesen wären, es aber nicht in allen Fällen wirklich geschafft haben. Eines dieser Kleinode ist Ljubav i drugi zlocini (Liebe und andere Verbrechen) von Stefan Arsenijevic aus Belgrad. Die wunderbar spröde Anica Dobra spielt Anica, die Geliebte von Milutin, einem alternden Quartiergangster in Neu-Belgrad. Sie will ein neues Leben beginnen und am Abend des vom Film erzählten Tages in ein Flugzeug steigen. Heimlich nimmt sie Abschied, von der dementen Grossmutter im Altersheim, von der autistischen Tochter des Milutin. Aber da ist noch Stanislav, die rechte Hand von Milutin, ein schüchterner Träumer, heimlich in Anica verliebt seit zwölf Jahren.

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