
Das Paradox dieses Films gibt ihm einen Teil seiner Kraft. Sandra Hüller spielt eine Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein. Einen Soldaten im dreissigjährigen Krieg (1618-1648), einen kriegsversehrten Rückkehrer mit den Papieren, die ihn als rechtmässigen Besitzer eines zerfallenden Gutshofes ausweisen. Sandra Hüller ist gross auf dem Plakat zu sehen, ihr Name steht ganz oben, an der letzten Berlinale hat sie für die Rolle der Rose den Bären für die beste Hauptdarstellerin gewonnen.
Wer ins Kino geht, erwartet daher nicht die eigene Täuschung, sondern die möglichst überzeugende Täuschung der anderen Filmfiguren durch Hüllers Rose. Von solchen Gender-Kippfiguren hat die Kinogeschichte schon einige geboten, von Hillary Swank in Boys Don’t Cry bis zu Glenn Close als Albert Nobbs. Bei allen gehörte das offiziell definierte Geschlecht der Darstellerin zum Erlebniskonzept – anders als etwa bei Neil Jordans The Crying Game, wo die Überraschung auch dem Publikum gelten sollte. „ROSE von Markus Schleinzer“ weiterlesen

