KOKUHO von Lee Sang-il

Kikuo Tachibana (Ryô Yoshizawa) © trigon

Über zehn Millionen Eintritte in Japan und Japans Kandidat für die nächsten Oscars? Kokuho ist ein Film über das Kabuki-Theater, von dem die meisten von uns keine Ahnung haben. Aber auch ein Film über Klassendünkel, Ehrencodices, Yakuza (mindestens so kinotauglich faszinierend wie die Mafia) und über den Mythos des (männlichen) Künstlers, der seine Kunst über alle moralischen und ethischen Bedenken hinweg zu perfektionieren hat.

Und den wiederum kennen wir bestens, gespiegelt in Filmen wie Mephisto, über den Teufelspakt eines Schauspielers mit den Nazi-Machthabern, oder im jüngsten einschlägigen Meisterwerk Sentimental Value von Joachim Trier, in dem sich die Töchter an der Abwesenheit des genialischen Künstlervaters abarbeiten. „KOKUHO von Lee Sang-il“ weiterlesen

LA VENUE DE L’AVENIR von Cédric Klapisch

Adèle (Suzanne Lyndon) in Paris, 1895 © frenetic

Eine weitverzweigte französische Familie erbt ein Haus in der Normandie, voll mit Bildern, Photos und Möbeln, das seit 1944 niemand mehr betreten hat. Beim Inventarisieren und Stöbern stossen die vier Familiendelegierten auf die Spuren von Adèle, der letzten Bewohnerin und ihrer aller Vorfahrin. Und auf die Spuren von Adèles Aufbruch mit 21 Jahren, nach Paris, im Jahr 1895, auf der Suche nach ihrer Mutter.

Nun durchdringen und mischen und informieren sich gegenseitig die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts mit unserer Gegenwart. Seb (Abraham Wapler), der Content Creator, stösst auf Lucien (Vassili Schneider), den Photographie-Pionier und dessen Freund Anatole (Paul Kircher), der Anschluss sucht in den Künstler-Kreisen am Montmartre. Und mittendrin immer diese von Suzanne Lyndon gespielte Adèle. Wie Truffauts Catherine mit ihren Jules et Jim.

La venue de l’avenir ist eine attraktive Konstruktion. Ein Kostümfilm, der fest in unserer eigenen Zeit verankert ist, ein Drehbuch, das Umbrüche in Kunst, Kultur und Architektur vom Beginn der Moderne mit der Postmoderne parallel führt, damit immer wieder pointiert zu spielen versteht. „LA VENUE DE L’AVENIR von Cédric Klapisch“ weiterlesen