WOOLLY (Sau) von Rebekka Nystabakk

Rebekka Nystabakk mit einem befreundeten Schaf © anderdog film

Die norwegische Schauspielerin Rebekka Nystabakk entstammt einer Schafbauernfamilie, die in Nordnorwegen in vierter Generation einen Hof bewirtschaftet. Inmitten von Bergen, Fjorden und buschigen Hängen seien die Schafe das ideale Nutztier, sagt ihre Schwester Rakel. Sie gäben Milch, das beste Fleisch der Welt und Wolle und ernährten sich genügsam von Unkraut und Wildwuchs.

Als die Eltern von Rakel und Rebekka vor einiger Zeit ans Kürzertreten dachten, übernahm Rakel mit ihrer Frau Ida den Hof und die Verantwortung, weiterhin tatkräftig unterstützt von Vater und Mutter. Und mit Schwester Rebekka als Dokumentarfilmerin im Schlepptau. Entstanden ist dabei ein Dokumentarfilm und eine Serie in fünf halbstündigen Episoden für das norwegische Fernsehen NRK. „WOOLLY (Sau) von Rebekka Nystabakk“ weiterlesen

IN DIE SONNE SCHAUEN von Mascha Schilinski

Die Grossmutter (Liane Düsterhöft) und Alma (Hanna Heckt) © cineworx

«Aber ich bin doch Alma!» sagt das kleine Mädchen empört, als ihre Schwester Lia sagt, das tote Mädchen auf dem alten Foto mit der Mutter sei Alma. «Sie sieht aus wie du. Vielleicht ist ja ihr Geist in dich übergegangen», meint die Schwester. «Ja, vielleicht bist du ja gar nicht du, sondern sie», sagt eine andere der Schwestern. «Ich glaube, sie schläft bloss. Sie sieht gar nicht so aus, als ob sie tot wäre», erklärt darauf Alma.

Später im Film entsteht eine weitere solche Fotografie. Jetzt ist es Almas ältere Schwester, die, auf dem Sofa sitzend, mit den Eltern abgelichtet wird. Lia hat sich umgebracht, aber das soll man im Bild nicht sehen.

Der Film spielt über vier verschränkte Zeiträume hinweg im gleichen Gehöft in der Altmark. Vier Mädchen oder junge Frauen sind es, welche ihre jeweilige Umgebung und Familie erleben, mit Glück und Elend, Tod und Arbeit. Alma in den 1910er-Jahren, in den 40ern Erika, in den 1980ern Angelika und in den 2020ern Nelly.

In die Sonne schauen ist ein Film über Erinnerungen, eigene, fremde, vergangene, zukünftige, angeeignete, aufgezwungene. Und damit sind nicht einfach Bilder für die Augen gemeint. Mascha Schilinski erzeugt körperliche Erinnerungen, überlagert sie, lässt sie auf- und abtauchen. Déjà-vu als umfassendes, traumsicheres Konzept. „IN DIE SONNE SCHAUEN von Mascha Schilinski“ weiterlesen

WIR ERBEN von Simon Baumann

Stephanie und Ruedi Baumann © filmcoopi

Nach zwei Dritteln dieses Dokumentarfilmes fällt dieser hinreissende Halbsatz, der uns, unser Land, die Schweiz, in perfekter Offenheit erfasst:

«Die angeri Mehrheit…»

Die «andere Mehrheit», also jene Hälfte der Beteiligten, deren Meinung knapp unterlegen ist, deren Stimmen ein winziges bisschen weniger zum Tragen gekommen ist. In dieser anderen Mehrheit findet sich in unserer Demokratie immer wieder (fast) die Hälfte der sogenannten «Stimmbevölkerung». „WIR ERBEN von Simon Baumann“ weiterlesen