Locarno 10: Lubitsch lebt!

© Matthias Buercher
© Matthias Buercher

Die Lubitsch-Retrospektive am Filmfestival von Locarno erfreut sich grosser Beliebtheit. Aber die Schlange vor dem ExRex heute abend hat alles geschlagen: Die ganze Gasse bis zur Piazza Grande hinunter und der halbe Platz war voller Leute, die sich auf Ninotchka freuten. Garbo laughs!

Locarno 10: Visions du réel – back to the roots

Claude Ruey, Luciano Barisone, visions du réel, Nyon ©sennhauser
Claude Ruey, Luciano Barisone, visions du réel, Nyon ©sennhauser

Am Sonntag häufen sich hier in Locarno die Empfänge, heute gab es um die Mittagszeit herum mindestens drei. Einer davon war der der Visions du réel in Nyon. Präsident Claude Ruey stellte den Anwesenden den neuen Direktor Luciano Barisone vor, dieser seinerseits seine neuen Visionen für die visions:

Nyon PK Feet

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Locarno 10: Conférence des festivals

www.film-festivals.ch

Die Schweizer Filmfestivals haben im März einen Schulterschluss beschlossen, vor allem, um im Bedarfsfall koordiniert auftreten zu können. Am kommenden Dienstag haben sie hier in Locarno ihre zweite Mitgliederversammlung. Für das breite Publikum ist dabei jetzt aber auch etwas abgefallen: Die neue Website. Neben diversen Informationen, welche eher Insider interessieren, ist da ein aktueller Festivalkalender zu finden. Einschlägige Schlachtenbummler stehen also nie mehr meuchlings vor vollendeten Tatsachen. Das Schweizer Festivaljahr ist planbar geworden. Und das Ding ist präzise: Zur Zeit läuft Locarno, das nächste Festival ist Fantoche.

Locarno 10: WOMB von Benedek Fliegauf

Eva Green, Matt Smith in 'Womb'
Eva Green, Matt Smith in 'Womb'

Die erste Stunde dieses Filmes ist grossartig. In vielen perfekt komponierten Einstellungen stellt uns der Ungar Fliegauf die grosse frühe Liebe von Rebecca und Tommy vor. Sandkastenliebchen, oder eher: Sandstrandliebchen sind sie, bis Rebecca mit ihren Eltern nach Tokio ziehen muss. Was bleibt, ist Tommys stummes Versprechen, auf sie zu warten, so lange es nötig ist. Als junge Erwachsene (und Spezialistin für die Programmierung von Software für Rissdetektoren) kehrt Rebecca zurück, sucht und findet Tommy, bloss, um ihn gleich darauf in einem Unfall zu verlieren. Aber dieses Schicksal nimmt sie nicht hin. Sie lässt den Geliebten klonen und sich die befruchtete Eizelle zum Austragen einpflanzen. Nicht ganz neun Monate später bringt sie via Kaiserschnitt ihren Geliebten zur Welt, ein Kind, das sozusagen sein eigener Vater ist.

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Locarno 10: HOMME AU BAIN von Christophe Honoré

François Sagat in 'Homme au bain'
François Sagat in 'Homme au bain'

Ein kleines Rätsel, dessen Auflösung ausbleibt: Für wen ist dieser Film? Es gab zwar vereinzelten Applaus am Ende der Pressevorführung, aber ich kann mir keine Zielgruppe vorstellen. Ein männliches Paar im Vortrennungsschmerz, schwuler Chagrin in Parallelmontage. Der eine Protagonist, ein Filmemacher, fliegt mit der Schauspielerin Chiara Mastroianni nach New York, um dort an der Kunstschule einen Film vorzustellen. Der andere, gespielt vom Muskelbündel François Sagat, dem L.A. Zombie von Bruce LaBruce, bleibt zurück in der Wohnung und Frankreich mit dem Avis, auszuziehen, bevor sein Partner zurückkommt. Beide trösten sich mit anderen Männern und je einer Schauspielerin als schwesterliche Freundin.

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Locarno 10: RARE EXPORTS, A CHRISTMAS TALE von Jalmari Helander

Rare Exports 1

Mit den Finnen ist nicht zu spassen. Wenn die harten Männer aus dem hohen Norden etwas anpacken, dann fallen die Späne, bis die Dinge wieder ihre Ordnung haben. In dieser Tradition handelt auch der junge Pietari, als er merkt, dass eine amerikanische Minenunternehmung im Berg hinter dem Dorf nicht bloss Probebohrungen durchführt, sondern etwas ausgräbt, das besser im Berg geblieben wäre:

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Locarno 10: Die Einsamkeit des abtretenden Filmchefs

Nicolas Bideau auf dem Monte Verità ©sennhauser
Nicolas Bideau auf dem Monte Verità ©sennhauser

So hat man Nicolas Bideau in den letzten Jahren nur selten gesehen. Als Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur hat er sich von Anfang an stets klar sichtbar positioniert und war dementsprechend auch stets belagert, vor allem an offiziellen Anlässen. Doch nun tritt er ab, früher sogar als ursprünglich angekündigt. Sein Vorgänger Marc Wehrlin übernimmt interimistisch als ‚Fascilitator‘ (hat nichts mit Schwarzeneggereien zu tun), und die heutige Show auf dem Monte Verità bei Ascona gehörte Bideaus Gerade-Noch-Chef Didier Burkhalter. Das Bild allerdings täuscht, denn Nicolas Bideau kontempliert hier nicht seine Zukunft als Chef der Präsenz Schweiz, sondern er konsultiert sein Mobiltelefon. Wie auch der Herr in seinem Rücken und ein halbes Dutzend weiterer Figuren in der Landschaft hinter dem Verpflegungszelt auf dem Berg der Wahrheit…

Locarno 10: IM ALTER VON ELLEN von Pia Marais

Jeanne Balibar 'Im Alter von Ellen'
Jeanne Balibar 'Im Alter von Ellen'

Dass die wunderbare französische Darstellerin Jeanne Balibar hier auf Deutsch zu spielen hat, das funktioniert ganz gut. Sie ist Ellen, eine Stewardess, die ans Ende geraten ist. Eine Krise mit ihrem Freund löst einen Panikschub aus, der sie kurz vor dem Start aus einem Flugzeug flüchten lässt. Und das wiederum bedeutet ihre fristlose Kündigung. Nun irrt sie zunächst einmal wie George Clooney in Up in the Air als (allerdings gestrandete) professionelle Reisende durch die Hotel- und Taxiwelt. Dann allerdings wird ihre urbane Odyssee immer bizarrer. Sie gerät an ein militantes Tierbefreiungs-Kollektiv, kommt in dessen Gemeinschaftswohnung unter und heiratet schliesslich einen der Aktivisten, um ihm die Bundeswehr zu ersparen.

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Locarno 10: Bundesrat Burkhalter und der Neubeginn bei der Filmförderung

Didier Burkhalter auf dem Monte Verità ©sennhauser
Didier Burkhalter auf dem Monte Verità ©sennhauser

Auf dem Berg der Wahrheit, dem Monte Verita bei Ascona, hat Bundesrat Didier Burkhalter heute seine Vision von einem Neubeginn bei der Filmförderung vorgestellt. Nicht überaus konkret, aber doch als Schritt in die Richtung, die sich ein Teil der Branche schon lange wünscht. Er könne sich für die Filmförderung ein Modell nach dem Vorbild des Nationalfonds vorstellen, also eine unabhängigere Institution, als sie derzeit die Sektion Film im Bundesamt für Kultur darstellt. Das wäre noch immer ein Expertensystem, aber eines, das mit der Branche erarbeitet werden müsste. Burkhalter meint, der Nationalfonds sei für den Forschungsplatz Schweiz ein Erfolgsmodell und das lasse sich vielleicht auch auf die Filmförderung anwenden. Ich habe ihn gefragt, ob das nun auf einen Kompromiss hinaus laufe:

Nach dem Sprung folgt seine Rede (die publizierte Version, die aber ziemlich vollständig der gesprochenen entspricht.

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