Locarno 10: BELI BELI SVET von Oleg Novkovic

Beli Beli Svet

Und noch eine Variation auf das Rotkäppchenthema. Aber was für eine! In diesem serbischen Film bekommt die Geschichte des verlorenen Teenagers die Dimension einer griechischen Tragödie und das ganz wörtlich. Denn einerseits singen alle Hauptfiguren im Verlauf der Geschichte ein Lied, fast wie in einem Musical, andererseits endet der Film mit einem wahrhaft griechischen Chor aus über hundert Leuten, die am Rande eines grossen Steinbruchs ihr trauriges schicksal besingen. Dazwischen liegt ein Liebesdrama über vier Ecken und eine Inzestgeschichte.

„Locarno 10: BELI BELI SVET von Oleg Novkovic“ weiterlesen

Locarno 10: L.A. ZOMBIE von Bruce LaBruce

LA Zombie

Ein Fall von viel Lärm um wenig. Warum diese poetisch-trashige invertierte Zombie-Geschichte dem Festival von Melbourne verboten wurde, ist nicht so recht nachvollziehbar. Es ist klar ein Nischenfilm für ein schwules Publikum, mit viel Muskeln, Schminke und Eindeutigkeit. Der Grundeinfall ist durchaus originell: Ein grünlicher Superzombie steigt wie weiland Ursi Andress aus dem Meer bei L.A. und zieht als ‚homeless‘ durch die Strassen der Stadt. Dabei trifft er immer wieder auf Tote, meist Gewaltopfer. Die vögelt er mit seinem sehr speziell ausgebildeten Organ, vorzugsweise direkt in die Eintrittswunde, worauf sie wieder zum Leben erwachen. Und dies, wie es scheint, wirklich, nicht als Zombies.

„Locarno 10: L.A. ZOMBIE von Bruce LaBruce“ weiterlesen

Locarno 10: SONGS OF LOVE AND HATE von Katalin Gödrös

Sarah Horvath in 'Songs of Love and Hate' von Katalin Gödrös
Sarah Horvath in 'Songs of Love and Hate' von Katalin Gödrös

Festivaldirektor Olivier Père programmiert porgrammatisch: Nach dem Rotkäppchendrama Au fond des bois von gestern hat er heute den Wettbewerb mit einem weiteren Adolseszenz-Drama eröffnet. Die sechzehn oder siebzehnjährige Lilli im Fiml der Schweizerin Katalin Gödrös ist eben richtig erblüht. Sie spielt mit dem verliebten Nachbarsjungen, flirtet mit dem Werkmeister der Kunsteisbahn – und sie verwirrt ihren Vater mindestens so sehr wie sich selbst. Ob sie nun nackt im Bad steht und Papi um Hilfe ruft, weil der Hund nicht aufhört zu bellen, oder ob sie mit leiser Eifersucht zusieht, wie der Vater mit der jüngeren Schwester auf dem Sofa herumbalgt, während er bei ihr merklich zurückhaltender geworden ist mit körperlichen Berührungen: Lilli ist konfus.

„Locarno 10: SONGS OF LOVE AND HATE von Katalin Gödrös“ weiterlesen

Locarno 10: AU FOND DES BOIS von Benoit Jacquot

Isild le Besco in 'Au fond des bois' von Benoit Jacquot
Isild le Besco in 'Au fond des bois' von Benoit Jacquot

Da mokiert sich unsereins immer mal wieder über die braven Eröffnungsfilme der Festivals, jene massengängigen Vehikel, die auch den Sponsoren und den anwesenden Politikern zu gefallen haben, und dann dies! Olivier Père, der neue künstlerische Leiter des Festivals von Locarno, hat schon mal die Krallen ausgefahren und einen Eröffnungsfilm programmiert, der manche ratlos, viele verägert und einige wohl auch empört haben dürfte. Dabei ist Benoit Jacquots Au fond des bois ein Film in einer langen Tradition. Es ist eine Adoleszenz-Fantasie, eine männliche Projektion auf das Erwachen weiblicher Sexualität, eine Rotkäppchengeschichte. Das Rotkäppchen in diesem Film trägt allerdings vorzugsweise unschuldiges Weiss, wird gespielt von der aparten Isild le Besco, und sie wird von ihrem Ver- oder Entführer immer wieder vergewaltigt, ohne dass die Kamera sich zurückziehen würde. Aber fassen wir doch zuerst einmal die Geschichte zusammen:

„Locarno 10: AU FOND DES BOIS von Benoit Jacquot“ weiterlesen

Locarno 10: DRS2 und DRS4News live vom Filmfestival

DRS 2 und DRS 4 News am Puls des Locarno Filmfestivals
Live-Magazin, 5. bis 13. August, jeweils Montag bis Freitag um 11.00 Uhr

DRS 2 und DRS 4 News präsentieren auch dieses Jahr das Locarno Filmfestival mit einem Live-Magazin aus dem Herzen des Festivals. Jeweils von Montag bis Freitag berichtet die SR DRS-Filmcrew um 11.00 Uhr über das aktuelle Filmgeschehen, über Menschen vor und hinter der Kamera und begrüsst täglich neue Live-Gäste.

„Locarno 10: DRS2 und DRS4News live vom Filmfestival“ weiterlesen

Locarno 10: Locarnos L.A. ZOMBIE in Australien zensiert

'L.A. Zombie' behind the scenes ©Bruce LaBruce
'L.A. Zombie' behind the scenes ©Bruce LaBruce

Locarnos neuer Direktor Olivier Père schlägt Pflöcke ein und hat offenbar bei aller Zurückhaltung durchaus Lust auf Provokation. So wird sein erster Wettbwerb in Locarno zwar mit der im Tessin angesiedelten Schweizer Produktion Songs of Love and Hate von Katalin Gödrös eröffnet, dann folgt aber um 23 Uhr am Donnerstag, 5. August gleich schon starker Tobak: Die schwule Zombie-Apocalypse L.A. Zombie des Kanadiers Bruce LaBruce ist den australischen Sittenwächtern in den falschen Hals geraten: Nach Meldung von moviepilot.de musste das Filmfestival von Melbourne den Film wieder aus dem Programm nehmen. Im sittenstrengen Tessin läuft die Diskussion seither auch, der «Corriere del Ticino» hat die Geschichte dankbar aufgenommen, und nun laufen in der Sonnenstube wieder die politischen Diskussionen um Subventionen sowie «gute» und «schlechte» Kultur. Ach, wenn sich Festivals doch so leicht programmieren liessen wie konservative Politiker…

Locarno 10: Screen up!

screen1

In einer Woche geht es wieder los mit dem Filmfestival Locarno. Der bewährte kleine Haufen von Radio DRS2 und DRS4News berichtet auch dieses Jahr tägliche eine halbe Stunde live aus Locarno (Details folgen). Und damit schon das Vorprogramm vom Wochenende erste Schlachtenbummler anlockt, wurde Europas grösste Open-Air-Leinwand vom eingespielten Team wieder hochgezogen. Ein Spektakel für sich, wie die Bilder nach dem Sprung zeigen:

„Locarno 10: Screen up!“ weiterlesen