Locarno 17: AS BOAS MANEIRAS (Good Manners) von Juliana Rojas und Marco Dutra (Wettbewerb)

© urbandistrib.com

Wenn Sie sich gerne auf ein Kinoabenteuer einlassen, ohne die geringste Ahnung zu haben, wohin die Reise geht, dann lesen Sie jetzt noch nicht weiter.

As boas maneiras ist Genrekino im weitesten Sinne. Und auch im engeren. Das heisst, der Film nutzt eine phantastische Prämisse, baut sie aber auch sorgfältig als Überraschung auf. „Locarno 17: AS BOAS MANEIRAS (Good Manners) von Juliana Rojas und Marco Dutra (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: MADAME HYDE von Serge Bozon (Wettbewerb)

Isabelle Huppert ist Madame Géquil © Praesens

Das Prinzip dieses Films erschliesst sich spätestens dann, wenn man den Namen der von Isabelle Huppert gespielten Lehrerin Madame Géquil und den Titel kombiniert.

Sie macht eine traurige Figur, diese Physik-Lehrerin am Lycée Arthur Rimbaud in Lyon. Sie hat sich der Wissenschaft und dem Unterrichten mit ganzem Herzen verschrieben. Aber pädagogisches Talent geht ihr völlig ab; ihre Schüler und ihre Kolleginnen hassen die ungeschickte, kleine rothaarige Lehrerin. Bis sich ihre Persönlichkeit über Nacht verändert. „Locarno 17: MADAME HYDE von Serge Bozon (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: GEMINI von Aaron Katz (Wettbewerb)

Lola Kirke als Jill LeBeau in ‚Gemini‘ von Aaron Katz © Park Circus

Die Assistentin eines Filmstars gerät unter Verdacht, ihre Arbeitgeberin erschossen zu haben. Sie färbt sich die Haare blond, taucht unter und beginnt ihre eigenen Recherchen.

Ein Genrefilm über Oberflächen müsste zumindest etwas Tiefe erahnen lassen. Aber Aaron Katz wirft hier alles auf den Tisch, als ob schicke Autos, schöne Gesichter und vor allem teure Architektur ganz von selber etwas zu erzählen hätten. „Locarno 17: GEMINI von Aaron Katz (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: WAJIB (Duty) von Annemarie Jacir (Wettbewerb)

Saleh und Mohammad Bakri © trigon-film

Die in Bethlehem geborene Annemarie Jacir setzt sich immer wieder mit ihrer Heimat Palästina und dem Exil auseinander. Wajib ist nun zugleich ein Film über allgemeine Familienkonstellationen und über diese ganz spezielle, wie sie sich in Nazareth ergeben kann.

Vater Mohammad und Sohn Saleh Bakri spielen Vater und Sohn in Wajib. Abu Shadi war und ist ein palästinensischer Lehrer in Nazareth, unter strenger Kontrolle und Beobachtung durch die israelischen Behörden. Sein Sohn Shadi lebt als Architekt in Italien und ist über die Weihnachtstage zurück gekommen für die bevorstehende Hochzeit seiner Schwester. „Locarno 17: WAJIB (Duty) von Annemarie Jacir (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: DREI ZINNEN von Jan Zabeil (Piazza Grande)

Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery © xenix

Die Drei Zinnen des Filmtitels sind Berggipfel in den italienischen Dolomiten. Irgendwo in der ersten Hälfte des Film hat Aaron (Alexander Fehling) eine Diskussion mit Tristan, dem achtjährigen Sohn seiner Freundin: Ist das nun ein Berg mit drei Gipfeln, oder sind es drei verschiedene Berge?

Die Drei Zinnen, das sind auch die drei Figuren des Films. Aaron, seine Freundin Léa (Bérénice Bejo) und deren Sohn aus der vorherigen Beziehung, der kleine Tristan. Ob die drei separate, einsame Gipfel bilden, oder zusammen zu einem Berg werden, darum dreht sich Drei Zinnen – und dies zunehmend und überzeugend dramatisch. „Locarno 17: DREI ZINNEN von Jan Zabeil (Piazza Grande)“ weiterlesen

Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)

© Sister Distribution

Sie heissen Jean-François, Ronald, Alexis, Cédric, Benoit und Maxim. Sie bestehen aus Bergen von Muskeln. Und wenn sie nicht gerade hart am Aufbau weiterer Berge arbeiten, posieren sie wie Youtube-Teenies mit einstudierten Posen und einem Lächeln, das sie alle leicht psychotisch wirken lässt.

Bodybuilder und Wrestler sind für das gängige Festivalpublikum in Locarno keine alltäglichen Figuren. Schon gar nicht, wenn sie breites Kanadafranzösisch sprechen und zuweilen wirken, wie Popeye the Sailorman nach einer Spinatorgie. „Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: FREIHEIT von Jan Speckenbach (Wettbewerb)

Andrea Szabová, Johanna Wokalek © One Two Films

Auf der Piazza Grande und im Wettbewerb, in Locarno werden dieses Jahr Familienkonstellationen durchgespielt. Wobei Speckenbachs Freiheit die vielleicht vertrauteste Variante unter höchst präzise Parallelbeobachtung stellt: Ein Partner bricht aus und verschwindet.

Hier ist es die von Johanna Wokalek genau und distanziert gespielte Nora, die eines Abends die gemeinsame Wohnung verlässt und nicht mehr zurückkommt. „Locarno 17: FREIHEIT von Jan Speckenbach (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: VINTERBRØDRE (Winter Brothers) von Hlynur Pálmason (Wettbewerb)

Elliott Crosset Hove © Masterplan Pictures

Der Film beginnt in der Finsternis, wie die Schöpfungsgeschichte. Aber diese Dunkelheit entpuppt sich bald als Mine, in der harte Männer etwas erziges abbauen, von dem wir nie erfahren, was es eigentlich ist. Auch wenn in der Fabrik oben das Zeug offenbar gemahlen und verarbeitet wird.

Um das Produkt (gedreht wurde in einer Kalkverarbeitungsfabrik) geht es aber auch gar nicht, sondern vor allem um die beiden Brüder, die untertags und auch schon im Transporter am Morgen den schwarz gebrauten Schnaps des jüngeren an die Kollegen verticken. Bis einer der Kollegen plötzlich todkrank im Spital landet und das Schwarzgebräu in den Augen der Kollegen die Schuld daran trägt.

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Locarno 17: DEMAIN ET TOUS LES AUTRES JOURS von Noémie Lvovsky (Piazza Grande, Eröffnungsfilm)

Luce Rodriguez und ihr hinreissend kauziger Co-Star © filmcoopi

Kein Zweifel, für die 70. Ausgabe seines Festivals will Direktor Carlo Chatrian mehr als bloss Gefälligkeit und Unterhaltung. Wenn der heutige Eröffnungsfilm von der französischen Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Noémie Lvovsky das Niveau und den Anspruch definieren soll, dann haben wir spannende Tage vor uns.

Die neunjährige Mathilde lebt mit ihrer fragilen, depressiven Mutter (Lvovsky) und hat, wie es in solchen Konstellationen so ist, einen Teil der elterlichen Verantwortung übernommen. Mathilde lebt mit den Wunderlichkeiten und verlorenen Episoden ihrer Mutter.

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