SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF von Sabine Lidl

Siri Hustvedt © Vinca Film

Wenn es so etwas wie eine sanfte Explosion gäbe, wäre dieser Dokumentarfilm ein Beispiel dafür. Da schweben Ideen und Bilder, Analysen und Beziehungen, Kunst und Gefühle vom ersten Bild an wie Staubteilchen in einem Lichtstrahl, ordnen sich, rufen Wörter und Bücher und Menschen in Erinnerung und verschwinden, ohne aufzuhören. Man spürt sofort und durchgehend, dass Sabine Lidl mit der Welt von Siri Hustvedt vertraut ist, spätestens seit der Entstehung ihres ARTE-Dokumentarfilms über Hustvedts Ehemann Paul Auster.

Das fast unmerkliche Verweben biografischer Elemente mit den Texten und Romanen von Siri Hustvedt, die Momente, in denen sie sich an ihre Kindheit oder ihre Eltern erinnert, gespiegelt in Szenen mit ihren drei Schwestern, Fotografien aus der Zeit in Minnesota oder auch den liebevollen Ergänzungen des in den Clan eingeheirateten New Yorkers Paul Auster (in Szenen, die vor seinem Tod im April 2024 gefilmt wurden, im Wissen um seine Erkrankung) sorgt für eine zunehmend mitreissende Strömung, die sich doch immer wie ein sanfter Sog anfühlt. „SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF von Sabine Lidl“ weiterlesen

MARTY SUPREME von Josh Safdie

Marty Mauser (Timothée Chalamet) © Ascot-Elite

Mit Uncut Gems haben die New Yorker Brüder Josh und Benny Safdie 2019 ihren ureigenen Brand jüdisch-newyorkerischer Atemlosigkeit perfektioniert und einen Film geschaffen, der wie Mean StreetsTaxi DriverBad Lieutenant, Wall Street oder die frühen Filme von Spike Lee für alle Zukunft das Bild von New York als Multikulti-Hexenkessel der unzimperlichen Ambitionen und Idiosynkrasien prägen wird.

Dieses New York ist nicht einfach eine Stadt, sondern ein metabolischer, metastasierender Organismus.

Unterdessen sind die beiden Brüder separate Wege gegangen, Benny hat letztes Jahr The Smashing Machine ins Kino gebracht, Josh seinen Marty Supreme. Beide Filme verlagern einen Teil der brodelnden Ambitionen ihrer Protagonisten in die sportliche Arena, die dann doch wieder wie ein Spiegel der zugrundeliegenden Welt der Hustlers aussieht. Und beide kochen mit den Versatzstücken der us-amerikanischen Kino- und Popkulturtraditionen, nutzen Klischees, Formate, Genres, Musik und Ensemble für unverschämte Assemblagen, die Filme sind dampfende Kochtöpfe voller einzeln erkennbarer Zutaten. „MARTY SUPREME von Josh Safdie“ weiterlesen

ERNEST COLE: LOST AND FOUND von Raoul Peck

© trigon-film

Das Bild zeigt einen schwarzen Polizisten, der einen schwarzen Jungen massregelt. Die Frauen im Hintergrund schauen besorgt zu, der weisse Schnauzträger rechts im Bild, Hände in den Hosentaschen, wirkt unberührt. Die Fotografie hat Ernest Cole in seiner Heimat Südafrika gemacht, sie ist Teil seiner über zehn Jahre hinweg entstandenen Apartheid-Dokumentation «House of Bondage».

Der Fotoband machte den 27jährigen Cole 1967 fast über Nacht berühmt. Und zum Exilanten.

Raoul Peck lässt Ernest Cole seine eigene Geschichte erzählen, seine eigenen Fotos kommentieren. Zu hören ist die Stimme von LaKeith Stanfield, denn Cole ist 1990 in New York im Exil gestorben, verarmt, zerrissen von Heimweh und fast vergessen. „ERNEST COLE: LOST AND FOUND von Raoul Peck“ weiterlesen

A RAINY DAY IN NEW YORK von Woody Allen

Timothée Chalamet ‚A Rainy Day in New York‘ © frenetic

A Rainy Day in New York heisst Woody Allens neuer Film, der jetzt ins Kino kommt. Überall, ausser in den USA. Die produzierenden Amazon-Studios haben ihren Vertrag mit Woody Allen sistiert, nachdem im Zug der MeToo-Enthüllungen auch die juristisch längst beigelegten Missbrauchs-Vorwürfe gegen den Regisseur wieder in die Schlagzeilen geraten waren. „A RAINY DAY IN NEW YORK von Woody Allen“ weiterlesen