WAS DIESE NATUR DIR SAGT von Hong Sang-soo

Ha Donghwa (Ha Seong-guk), Kim Jun-hee (Kang So-yi), Choi Sunhee (Cho Yun-hee), Kim Neung-hee (Park Mi-so) Kim Oh-yeong (Kwon Hae-hyo) © Sister Dist.

Hong Sang-Soo macht Filme wie andere Familienfeste. Schnell, herzlich, vertraut und ohne grossen technischen Aufwand. Der Südkoreaner ist 66 Jahre alt und 그 자연이 네게 뭐라고 하니 ist sein 33. Film. Es gab Jahre, da kamen gleich vier neue Werke von ihm auf die Leinwand. An den Filmfestivals dieser Welt ist er Dauergast, und man trifft ihn etwa in Cannes nicht nur auf dem roten Teppich oder beim Interview an, es kann auch passieren, dass man in einer kleinen Nebenstrasse vor dem Bistro seine Pizza isst und dabei zusieht, wie Hong mit Isabelle Huppert in der gleichen Gasse und ohne Crew oder Absperrung schnell ein paar Szenen dreht.

Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wie viele seiner Filme ich tatsächlich gesehen habe. Ich schätze 15 bis 20 im Lauf der Jahre. Sie sind in der Erinnerung auch nicht immer ganz einfach auseinanderzuhalten, wegen all dieser Szenen, die zum Leben seiner Figuren einfach dazu gehören: Gemeinsames Essen mit höflichem Besäufnis, lange Dialoge über fast nichts und doch alles, persönliches Drama hinter scheuem Lächeln versteckt, ganze Biografien in wenigen Andeutungen.

Hong Sang-soo gehört zum kulturellen Welterbe, er ist ein vertrautes Familienmitglied wie Asterix oder Gaston. „WAS DIESE NATUR DIR SAGT von Hong Sang-soo“ weiterlesen

RIETLAND von Sven Bresser

Johan (Gerrit Knobbe) im Rietland © outside the box

Mord und Poesie? Wenn ich diesen Film so anpreise, dann nur, um der Aufmerksamkeit willen. Tatsächlich ist Rietland gleichzeitig viel dunkler, viel heller und vor allem viel mehr als bloss irgend so ein Sumpfkrimi.

Sicher, mitten in der natürlichen Fläche des Schilflandes findet Johan eine teerige Vertiefung, ein Loch in der Haut des Monsters seiner Kindheit. Johan findet auch die nackte Leiche einer jungen Frau aus dem Dorf. Und danach keine Ruhe mehr. „RIETLAND von Sven Bresser“ weiterlesen

BISCUIT TIN BLUES von Jack Rath

Jack Rath und Michael Ferguson in ‚Biscuit Tin Blues‘

Manchmal gibt es nichts Schöneres, als sich in den bittersüssen Erinnerungen von jemand anderem wiederzufinden. Dieses unwahrscheinlich zu Herzen gehende, semi-stationäre Berliner Roadmovie weiss nicht nur, was Sehnsucht sein sollte. Es versteht sich auch darauf, damit lakonisch zu zündeln.

Kell (gespielt von Regisseur Jack Rath) ist ein alternder Rockmusiker aus Australien, der in Berlin hängen geblieben ist. Zu Beginn des Films treffen wir ihn unter einem Mischpult in seinem Tonstudio, das ihm nicht mehr gehört, weil es, wie so vieles in Berlin, Pleite gegangen ist. „BISCUIT TIN BLUES von Jack Rath“ weiterlesen

+++ «Teenage Sex & Death at Camp Miasma» +++ Ab Donnerstag im Kino