LA PETITE DERNIÈRE von Hafsia Herzi

Fatima (Nadia Melliti), Ji-Na Kim (Ji-Min Park) © cineworx

Ein «coming out» ist noch lange nicht das Problem der 17jährigen Fatima. Sie muss überhaupt erst einmal herausfinden, ob und wie sehr sie tatsächlich auf Frauen steht. Nicht einfach für das Nesthäkchen in dieser durchaus liebevollen französisch-algerischen Familie. Die beiden älteren Schwestern ziehen sie schon so dauernd gnadenlos auf. Dabei büffelt sie vor allem auf die Matura, schliesslich will sie an die Uni und Philosophie studieren. Zum Ausgleich spielt sie verbissen Fussball, alleine.

Regisseurin Hafsia Herzi wurde bekannt als Schauspielerin, ihr Durchbruch war 2007 La graine et le mulet («Couscous mit Fisch»), mit dem auch Filmemacher Abdellatif Kechiche international bekannt wurde. An den Erzähl- und Montagestil von Kechiche, insbesondere den seiner Mektoub-Trilogie, erinnert denn auch Herzis filmische Umsetzung des autobiografischen Erfolgsromans von Fatima Daas. „LA PETITE DERNIÈRE von Hafsia Herzi“ weiterlesen

EL JOCKEY von Luis Ortega

Abril (Úrsula Corberó), Remo Manfredini (Nahuel Pérez Biscayart) © amf

Der Film fängt an wie eines der frühen Gangster-Stücke von Guy Ritchie. Kommen ein paar harte Typen in eine Bar… Sie suchen Remo Manfredini, den Star-Jockey von Boss Sirena. Manfredini hängt, komplett verladen, in voller Jockey-Montur an der Jukebox. Und die Frau, die meint, sie sollen ihn doch in Ruhe lassen, bekommt gleich mal eine Reitpeitsche ins Gesicht geschlagen.

Die überstilisierten Einstellungen von Aki Kaurismäkis Kameramann Timo Salminen wecken gezielt Erwartungen, die der Film gleich wieder unterläuft, so wie es auch der titelgebende Jockey mit den an ihn gerichteten Erwartungen tut.

Remo (Nahuel Pérez Biscayart) kippt eine Ampulle Pferde-Doping mit einem Glas Whiskey und einer Zigarette, bevor er am Rennstart zum Konkurrenz-Jockey neben sich schaut. Das ist Abril (Úrsula Corberó), seine grosse Liebe, die ihm lächelnd einen Kussmund schenkt und mit den anderen losprescht. Während Remo mit einer Art Purzelbaum vom losgallopierenden Pferd stürzt und im Sägemehl der Startbox liegen bleibt. „EL JOCKEY von Luis Ortega“ weiterlesen

ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan

Will Poulter, Daisy Edgar-Jones, Jacob Elordi © Ascot-Elite

Im Schlafzimmer im oberen Stock des hübschen, einsam in den Feldern von Kansas gelegenen kleinen Hauses hat Lee Sex mit Muriel. Im Staub der unbefestigten Strasse nähert sich derweil Julius, in der Matrosen-Uniform eines Navy-Soldaten, per Anhalter.

Das sich für das ahnungsvolle Kinopublikum abzeichnende Drama findet allerdings nicht statt, im Gegenteil. Die Leinwand lädt sich erst mal auf mit einer hoffnungsvoll-fröhlichen Vertrautheit, die mich als Zuschauer fast schon auslacht für meine vorschnellen Befürchtungen. Und doch: Die Rückkehr von Julius wird zum Auslöser für drei sehr unterschiedliche Aufbrüche, für die junge Frau und für die zwei ungleichen Brüder. „ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan“ weiterlesen

MISÉRICORDE von Alain Guiraudie

Félix Kysyl, Jacques Develay ©Präsens

Der neue Film von Alain Guiraudie (L’inconnu du lac, 2013) gehörte zu den schönsten Überraschungen am letzten Filmfestival von Cannes. Ohne grossen inszenatorischen Aufwand reiht er Twist an Twist, Frage an Frage, bloss, um dann jeweils die unerwartetste und zugleich erfreulichste Antwort zu geben. „MISÉRICORDE von Alain Guiraudie“ weiterlesen

ARDENTE-X-S von Patrick Muroni

Das Gründungsteam der Lausanner OIL-Produktion für alternative Pornos © Climage

OIL Productions, gegründet in Lausanne, produziert «dissidente, ethische» Pornofilme. Wichtig sei dabei nicht eigentlich die «boîte», also die Firma. Sondern das Manifest, das die GründerInnen sich gegeben haben.

Ob das nun drei oder vier Sätze umfasst, können sie selbst meist nicht so genau sagen. Aber was ihnen wichtig ist dabei, um so eloquenter. „ARDENTE-X-S von Patrick Muroni“ weiterlesen

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