WOLVES von Jonas Ulrich

Luana (Selma Kopp) © dynamic frame

Wolves ist der erste Langspielfilm des Zürchers Jonas Ulrich und ein bemerkenswert kontrolliertes Unterfangen. Denn die Geschichte der 23jährigen Kita-Mitarbeiterin Luana (Selma Kopp), die den dunklen Verlockungen der Black-Metal-Band ihres deutlich älteren Cousins, und vor allem dem neuen geheimnisvollen Sänger Wiktor (Bartos Bielenia) aus Polen, nicht widerstehen kann, trüge in sich durchaus die Struktur jener altväterisch-erziehungsberechtigten Obacht-Drogen-und-Satanismus-Filme der 1970er Jahre.

Aber Ulrichs Drehbuch nimmt nicht nur seine Figuren sehr ernst, das Filmteam weiss auch sehr genau, was sie erzählen und vor allem wovon. Wolves ist eine ernsthafte Coming-of-Age-Geschichte, ein Roadmovie, eine Sozialstudie, ein Rockumentary – die titelgebende Black Metal Band wurde für die Dreharbeiten extra gegründet und bei tatsächlichen Gigs gefilmt – und schliesslich eine politisch-sozial klar verortete, kathartisch gesteigerte Selbstfindungsstory. „WOLVES von Jonas Ulrich“ weiterlesen

Cannes 18: LETO (Summer) von Kirill Serebrennikov (Wettbewerb)

Mike und Natasha (Roman Bilyk, Irina Starshenbaum)

Der Regisseur ist nicht nach Cannes gekommen. Festivaldirektor Thierry Fremaux erklärte, man habe Putin persönlich darum gebeten, Kirill Serebrennikov ausreisen zu lassen. Aber, so Putin, der Mann habe Probleme mit der russischen Justiz und die Justiz sei unabhängig…

Das klingt plausibel, wenn man rechtsstaatliche Verhältnisse für das heutige Russland akzeptiert. Aber es passt auch zu Serebrennikovs jüngstem Film, der zu Beginn der 80er Jahre in der Sowjetunion spielt. „Cannes 18: LETO (Summer) von Kirill Serebrennikov (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 09: Taking Woodstock

Ang Lees 'Taking Woodstock' © Ascot-Elite Schweiz
Ang Lees 'Taking Woodstock' © Ascot-Elite Schweiz

Es gehört zu den vielen kleinen Klugheiten dieses Woodstock-Films, dass weder die Bühne noch die musikalischen Legenden je wirklich ins Bild kommen. Ein einziges Mal zeigt Ang Lee in Taking Woodstock einen Teil des legendären Open-Air-Konzertes: Ganz weit im Hintergrund, am Fuss des sanften Abhangs auf dem tausende von Zelten stehen, sieht man die erleuchtete Bühne, während die Hauptfigur, der junge Elliot Tiber auf dem Weg dorthin von einem Hippie-Paar im parkierten VW-Bus mit auf einen Acid-Trip genommen wird. Ang Lee und sein Screenwriter und Co-Produzent James Schamus haben die Memoiren von Elliot Tiber in einen dichten, fröhlichen, optimistischen Spielfilm geformt, der mit dokumentarischem Elan die Stimmung der ausgehenden 60er Jahre rekonstruiert.

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