ONE BATTLE AFTER ANOTHER von Paul Thomas Anderson

Bob (Leonardo DiCaprio) © 2025 Warner Bros.

Nach sechzehn Jahren untertauchen weiss Bombenbauer Bob (Leonardo Di Caprio) das richtige Passwort nicht mehr. Also hängt er fluchend am Telefon wie ein Wutbürger in der Endlosschleife seiner Krankenkasse. Dabei hat ihn eben seine einstige Nemesis Col. Steven J. Lockjaw (ein irrwitziger Sean Penn) mit einer armeeähnlichen Polizeieinheit in seiner Waldhütte aufgespürt. Während Bobs sechzehnjährige Tochter Willa von einer einstigen Co-Revolutionärin in ein anderes Versteck gebracht wurde, das Bob verzweifelt zu lokalisieren versucht. „ONE BATTLE AFTER ANOTHER von Paul Thomas Anderson“ weiterlesen

THE UGLY STEPSISTER (Den stygge stesøsteren) von Emilie Blichfeldt

Mutter (Ane Dahl Torp) und Tochter (Lea Myren) © Memento Films

Dieses Aschenbrödel bekommt nur zwei Nüsse. Aber dafür regelmässig, und vom Stallburschen. Nein, Den stygge stesøsteren ist kein Porno. Elvira, (Lea Myren), die hässliche Stiefschwester der schönen Prinzessin Agnes (Thea Sofie Loch Næss) steht im Zentrum dieser revisionistischen Märcheninterpretation. The Ugly Stepsister ist der Film, der dem plakativen Cannes-Gewinner The Substance vorführt, wie ein wirklich mehrdimensionaler Blick auf den Machbarkeitszwang von Jugend und Schönheit funktionieren kann.

Die Norwegerin Emilie Blichfeldt war mit ihrem Abschlusskurzfilm schon am Filmfestival in Locarno. Mit ihrem ersten Langfilm fährt sie nun heftig, witzig und ziemlich drastisch ein. Dabei hat sie nicht viel mehr unternommen, als das klassische Märchen vom Aschenbrödel so wörtlich wie möglich zu nehmen, und die Perspektive von der angeblich gepiesakten schönen Unschuld zu jener der älteren Stiefschwester zu verschieben. „THE UGLY STEPSISTER (Den stygge stesøsteren) von Emilie Blichfeldt“ weiterlesen

U ARE THE UNIVERSE von Pavlo Ostrikov

Volodymyr Kravchuk in 'U Are the Universe' © True Colours Glorious Films Srl
Volodymyr Kravchuk in ‚U Are the Universe‘ © True Colours Glorious Films Srl

Andriy Melnyk (Volodymyr Kravchuk) ist ein «Space Trucker», der einsame Pilot eines Raumfrachters. Mit einer Ladung radioaktiven Abfalls ist er auf dem Weg zum Jupitermond Kallisto. Zwei Jahre hin, zwei Jahre zurück, so ist es geplant. Melnyk mag die Ruhe, selbst der zur Aufrechterhaltung der Moral auf Witzeerzählen und Schachspielen programmierte Bordcomputer ist ihm eigentlich zu viel Gesellschaft.

Aber dann explodiert, sozusagen im Rückspiegel, die Erde. Melnyk ist plötzlich der einzige Überlebende der Menschheit. Mit Galgenhumor erklärt er sich zum Herrscher über alles. Den Vorschlag des Bordcomputers, die Nahrungsvorräte im Schiff zu rationieren, weist er zurück: «Lieber sterbe ich früher an Gastritis als später vor Hunger.»

Stattdessen empfängt er einen Funkspruch, zeitversetzt um drei Stunden. „U ARE THE UNIVERSE von Pavlo Ostrikov“ weiterlesen

MICKEY 17 von Bong Joon-Ho

Mickey 17 & 18 (Robert Pattinson) © 2025 Warner Bros. Ent.

Mickey ist viele. Oder vielmehr: Mickey war viele. Nun ist er ein Multiple, bzw. doppelt, weil Mickey 17 seine letzte Mission auf dem fremden Planeten ungeplant überlebt hat, und sein Klon Mickey 18 im Raumschiff schon ausgedruckt wurde. „MICKEY 17 von Bong Joon-Ho“ weiterlesen

LE PROCÈS DU CHIEN von Lætitia Dosch

Lætitia Dosch und Kodi le chien © Pathé Films AG

Als Schauspielerin ist Lætitia Dosch eine Naturgewalt und schon lange auf der Leinwand. Ihre erste sichtbare Rolle war klein, als Schwester einer der Hauptfiguren in Frédéric Mermouds Complices von 2009. Da war Dosch schon 29 Jahre alt. Aber seither hat sie unaufhaltsam gespielt, in 46 Filmen bis heute, und seit Léonore Serailles Jeune femme von 2019 ist sie ein etablierter Teil des französischsprachigen Kinos.

Sie spielte sehr unterschiedliche Rollen von scheu bis exaltiert. Aber als Persönlichkeit, wie sie etwa in Interviews oder bei öffentlichen Auftritten zu erleben ist, ist sie ein fröhliches, offenes Energiebündel und damit sehr nahe an der Rolle, die sie sich für ihren erste eigene Regiearbeit selbst auf den Leib und die Seele geschrieben hat. „LE PROCÈS DU CHIEN von Lætitia Dosch“ weiterlesen

THE POD GENERATION von Sophie Barthes

Chiwetel Ejiofor, Rosalie Craig und Emilia Clarke in ‚The Pod Generation‘ © Ascot-Elite

Mit Emilia Clarke, der «Mother of Dragons» aus «Game of Thrones» wurde am Freitagabend das 22. Neuchâtel International Fantastic Film Festival NIFFF eröffnet. In der Science-Fiction Dramödie «The Pod Generation» nehmen eiförmige tragbare Brutpods den Frauen die Schwangerschaft ab.

Emilia Clarke und die Eier… nichts als Probleme mit dem auszubrütenden Nachwuchs. In «Game of Thrones» hat sich ihre Hartnäckigkeit mit den Dracheneiern gelohnt, die ausgewachsenen Biester sicherten der Khaleesi ihre Macht – wenn auch nicht auf Dauer. „THE POD GENERATION von Sophie Barthes“ weiterlesen

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc) von Radu Jude (Berlinale 2021, Wettbewerb)

Goldener Bär für den Besten Film 2021

Katia Pascariu © Silviu Gheti / Micro Film

Was für ein Trip! Dieser «Verrückten-Porno» des Rumänen Radu Jude (Vernarbte Herzen) ist – rein formal argumentiert – ein schlampig zusammengeschusterter Unfall, inhaltlich ein Pandemie-Seufzer und ganz sachlich der erste reguläre Maskenfilm in Kinolänge an einem Filmfestival. Aber er trifft.

Vor dem Filmtitel wird erst einmal ein per Mobifon gefilmter Amateur-Porno auf die Leinwand geschmissen. Ein Paar hat Sex mit Spielchen, ein wenig Blowjob, etwas Peitsche, ein wenig Doggy-Style. Zwischendurch hört man eine ältere Frauenstimme durch die Zimmertür quengeln, es geht wohl um das Kind des Paares. Das ist nicht übertrieben hübsch anzuschauen, aber auch nicht wirklich ungewöhnlich. Ausser als Anfang eines Berlinale-Wettbewerbsfilmes vielleicht. „BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc) von Radu Jude (Berlinale 2021, Wettbewerb)“ weiterlesen

Berlinale 16: HAIL, CAESAR! von Joel und Ethan Coen (Eröffnungsfilm)

George Clooney in 'Hail, Caesar!' © Universal
George Clooney in ‚Hail, Caesar!‘ © Universal

Seit heute Abend ist es wieder so weit in der deutschen Hauptstadt: Die Welt ist zu Gast, Stars wie George Clooney und Meryl Streep auf dem Teppich, hunderte mehr auf den vielen, vielen Leinwänden der Berlinale. Und eröffnet werden die 66. Berliner Filmfestspiele heute Abend mit einer Komödie über das klassische Hollywood-System. Hail, Caesar! heisst der Film der Coen-Brüder, der nächste Woche auch bei uns im Kino anläuft.

Berlinale_Balken_2016

Would that it were so simple… Wenn es doch bloss so einfach wäre… einen englischen Satz richtig auszusprechen. Das denkt sich Cowboy-Darsteller Hobie Doyle, nachdem ihn das Studio in einen Smoking gesteckt und dem berüchtigten Starregisseur Laurence Laurentz als Leading Man aufgedrängt hat. Da sitzt der arme Hobie neben einer Southern Belle auf dem Divan und kann sich einfach nicht erklären, was der Regisseur mit dem «mirthless laugh» meinen könnte, mit dem «freudlosen Lacher», den er produzieren soll.

„Berlinale 16: HAIL, CAESAR! von Joel und Ethan Coen (Eröffnungsfilm)“ weiterlesen

Die Coen Brothers spotten gegen Kohlekraftwerke

Während bei uns die Diskussion um neue Atomkraftwerke angelaufen ist, wirbt in den USA die Kohleindustrie unverfroren mit Regierungshilfe und dem Slogan ‚clean coal‘ für ihre Kohlekraftwerke. Dabei gehören die zu den grössten Umweltverpestern der Welt. Dagegen kämpft unter anderem die Reality Organisation, seit neustem mit Hilfe der Coen Bros. Deren neuer Fernsehspot, der sich über die clean-coal-Behauptung lustig macht, läuft mittlerweile bereits auf diversen Kabelkanälen und schlägt entsprechende Wellen.