FREEDOM – LE DESTIN DE SHEWIT von Anne-Frédérique Widmann

© First Hand Films

Langzeitdokumentationen über einzelne Menschen provozieren Verwandtschaftsgefühle. So wie einem manches Serienpersonal nach ein paar Staffeln gefühlt näher steht als die Tante in der Ostschweiz. „FREEDOM – LE DESTIN DE SHEWIT von Anne-Frédérique Widmann“ weiterlesen

UNISONO – VON DER LIEBE ZUR MUSIK von Georges Gachot

Salome Etter, Klarinette © Gachot Films

Die Spielfreude! Das ist der Funke, der bei diesem Dokumentarfilm von der Leinwand springt, immer und immer wieder. „UNISONO – VON DER LIEBE ZUR MUSIK von Georges Gachot“ weiterlesen

PLÜSS von Martin Albisetti

Der Kollege (Yves Progin) und Plüss (Max Rüdlinger) am Set © Royal Film

Acht Jahre liegen zwischen den zehn Drehtagen im Januar 2018 und dem Kinostart am 21. Mai 2026. Dass Plüss trotzdem frisch und zeitlos wirkt, liegt an den schwarzweissen Einstellungen von Martin Albisetti, der seine eigene Kamera führte. Und an den gezielt zwischen Retro und Gegenwart angesiedelten Sets, Drehorten und Schauspielern. „PLÜSS von Martin Albisetti“ weiterlesen

EN TERRAIN NEUTRE / SONDERFALL von Stéphane Goël & Mehdi Atmani

Mehdi Atmani – Suisse miniature © Agora

Nein, neutral ist dieser Dokumentarfilm zum Glück gar nicht. Das hätte auch niemand erwartet vom Westschweizer Dokumentarfilmer Stéphane Goël. Speziell dann nicht, wenn er sich der Neutralität widmet, jenem Schweizer Glaubensbekenntnis, das mehr individuelle Ausprägungen kennt, als die von den gleichen Gläubigen ähnlich inbrünstig beschworene Zehnmillionenschweiz.

Film gesehen an den Visions du réel 2026 in Nyon

Und so kommt es, dass uns der Film in den ersten Minuten auf ein leeres Feld verpflanzt, zusammen mit dem jungen Journalisten Mehdi Atmani, der gemeinsam mit Goël herauszufinden versucht, wie das alles angefangen hat. „EN TERRAIN NEUTRE / SONDERFALL von Stéphane Goël & Mehdi Atmani“ weiterlesen

NAMASTE SEELISBERG von Felice Zenoni

Die «Yogi-Anlage»: Hotel Kulm und Hotel Sonnenberg © filmcoopi

Know your Guru? Bhagwan? Osho? Maharishi? – Ich kriege die immer durcheinander, die inspirierenden Inder der Hippiezeit. Und darum habe ich auch zunächst gestutzt über die Ankündigung von Felice Zenonis Dokumentarfilm über das einstige Guru-Zentrum im zentral­schweizerischen Seelisberg.

Hatten wir das nicht schon mal? Wenn es Ihnen ähnlich geht: Ich habe es aufgedröselt. Hier:

Felice Zenonis neuer Dokumentarfilm über die Jahre, in denen das kleine Dorf Seelisberg von den Anhängern der transzendentalen Meditation überrannt worden war, dreht sich um Maharishi Mahesh Yogi (ca. 1918–2008). Und im Kern ist das eine gut illustrierte Dokumentation über den Zusammenprall einer globalen sekten­ähnlichen spirituellen Bewegung mit gutschweizerischer Boden­ständigkeit. Entsprechend unterhaltsam sind die nun ins Kino kommenden 94 Minuten. „NAMASTE SEELISBERG von Felice Zenoni“ weiterlesen

DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler

© Calypso Film AG

Edwin Beelers letzter grosser Kinodokumentarfilm war Hexenkinder von 2020. Daran erinnern die ersten Sätze und Bilder im neuen Film des Innerschweizers: «Im Haus des Kaminfegers wohnten drei Brüder. Es hiess, sie hätten schwarze Magie betrieben». Dazu zoomt die Kamera auf die eindrückliche Sepia-Fotografie dreier Männer beim Jassen mit Most. Sie sehen sehr harmlos aus, sehr schweizerisch, wäre da nicht der direkte Blick des mittleren Mannes. Mit weissem Rauschebart und Deckelpfeife scheint er dem Betrachter direkt in die Seele zu blicken.

Um so einen Blick in die Seele geht es Edwin Beeler. Der heute 68jährige spürt mit seinem neuen Dokumentarfilm dem Leben und Sterben seines Grossvaters nach. Der war Kaminfeger in Oberägeri im Kanton Zug.

Respektsperson, Handwerker, Aktivdienstler, Fasnächtler und seinen Kindern ein strenger Vater. «Grossvater wollte die Zukunft seiner Töchter bestimmen», erinnert sich Beeler (mit der Stimme von Hanspeter Müller Drossaart) im Film. Seinen Enkel habe er dann machen lassen, den habe er nicht erziehen müssen. „DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler“ weiterlesen

AUTOUR DU FEU von Laura Cazador und Amanda Cortés

© Sister Distribution

Drei vermummte junge Frauen und zwei unmaskierte alte Männer sitzen um ein Lagerfeuer und reden über Widerstand, systemische und legitime Gewalt. Das ist die abenteuerliche Ausgangslage für den Dokumentarfilm Autour du feu, der seinen Autorinnen vor zwei Jahren den «Prix visioni» der Solothurner Filmtage eingebracht hat. Jetzt kommt er bei uns ins Kino, knapp vor dem Start der 61. Solothurner Filmtage (der letztjährige «Prix visioni» ging übrigens an Bilder im Kopf von Eleonora Camizzi). „AUTOUR DU FEU von Laura Cazador und Amanda Cortés“ weiterlesen

STILLER von Stefan Haupt

Pflichtverteidiger Dr. Bohnenblust (Stefan Kurt) und Julika Stiller (Paula Beer) © Ascot-Elite

Nein, dieser Stiller – der Film – ist nicht das Monument, zu dem der Roman von Max Frisch geworden ist. Die filmische Adaption von Stefan Haupt ist keine zeitgenössische Neuinterpretation, kein Meisterwerk, kein Film für die Ewigkeit. Aber Stiller ist ein gutes Stück Kino, eine vergnügliche Erinnerung an die einstige Lektüre – oder ein Fingerzeig darauf, dass sich diese durchaus lohnen könnte.

Dabei hat Max Frischs Geschichte des Mannes, der nach seiner Verhaftung immer wieder versichert, er sei nicht der gesuchte Anatol Stiller, sondern ein Amerikaner namens James Larkin White, auch heute relevantes Identifikationsverwirrungspotential. Spätestens dann, wenn der Inhaftierte verzweifelt fragt, wie man denn beweisen solle, jemand NICHT zu sein.

Der neue Leinwand-«Stiller» ist ein schön gefilmtes Reader’s Digest des Romans, das sich wohltuend auf den linearen Plot der Filmeinstiegszeit konzentriert – versetzt mit sparsam gesetzten Rückblenden, die das Geflecht aus Identität und Vergangenheit gerade so weit auffächern wie unbedingt nötig. „STILLER von Stefan Haupt“ weiterlesen

ASPHALTE PUBLIC von Jan Buchholz

© Mythenfilm

Biel. Bienne. Eine Hochburg der mediterranen Architektur? Im Prinzip ja, wenn es nach dem Stadtwanderer geht, dem Architekten, Schreiber und Redner Benedikt Loderer: «Hier haben wir die Kathedrale mit dem Campanile. Und gegenüber, auf der anderen Seite des Platzes, das Baptisterium.» „ASPHALTE PUBLIC von Jan Buchholz“ weiterlesen

DIE HINTERLASSENSCHAFT DES BRUNO STEFANINI von Thomas Haemmerli

Bruno Stefanini 1950 © SKKG Winterthur

Winterthur ist die Bronx von Zürich. Der multiethnische Kochkessel, die Zentrale der fleissigen Immigranten, eine Hochburg der früh-, der schwer- und der postindustriellen Zeiten. Ein Nest des Widerstandes gegen und der Überanpassung an die Schweizer Werte zugleich. Wann immer ein Deutschschweizer Dokumentarfilm kultur- und sozialanthropologische Zusammenhänge erforscht, landet er früher oder später auch in Winti.

Im Falle von Thomas Haemmerlis jüngstem Fabrikat (Eigenlabel im Titelvorspann: «fabriziert von…») ist das natürlich früher. Denn Bruno Stefanini, der Protagonist, ist in Winterthur aufgewachsen. Als Sohn eines Italieners und einer Innerschweizerin, welche gemeinsam geschäftstüchtig aus dem Restaurant der Società Cooperativa Winterthur (gegründet von sozialistischen Arbeitern aus Italien im Jahr 1906) eine eigentliche Goldgrube gemacht hatten. „DIE HINTERLASSENSCHAFT DES BRUNO STEFANINI von Thomas Haemmerli“ weiterlesen

Kino Xenix, Zürich, Samstag, 10. Oktober 2026 – 12.30-21.30 Uhr: WHILE THE GREEN GRASS GROWS (Parts I-VII) von Peter Mettler - mit Peter Mettler vor Ort