Auf wie viele Arten konnte man in den 1980ern jung sein? Das fragt sich die 18jährige Marina am dritten Tag ihres Besuches an der galizischen Atlantikküste. Gekommen ist sie, um auf dem lokalen Einwohneramt eine Bestätigung zu holen, dass die Piñeiros ihre Grosseltern väterlicherseits sind. Das Papier braucht sie, um ein Stipendium zu beantragen. „ROMERÍA von Carla Simón“ weiterlesen
Wie kann frau nur so blöd sein, fragt man sich in den ersten zwanzig Minuten dieses Films. Denn das Drehbuch und die Inszenierung von Icíar Bollaín verteilen die «red flags» rund um die Figur des Lokalpolitikers Ismael (Urko Olazabal) hühnerhautdicht und gezielt auffällig. Zudem warnen Bekannte und Familie die junge Nevenka Fernández (Mireia Oriol) vor dem notorischen Frauenheld.
Und doch tritt die idealistische, brillante, attraktive Abgeordnete in jede Falle, welche von ihrem Chef für sie gelegt wird. Sie lässt sich in die Enge treiben, landet widerwillig mit ihm im Bett und schliesslich in einer toxischen Arbeits- und Beziehungs-Situation ohne Ausweg.
Unglaubwürdig? Absicht. Denn nicht nur Nevenka tritt in die Falle, sondern auch wir, die Kinozuschauerinnen. In die gezielt gelegte Falle der Inszenierung. Regisseurin Icíar Bollaín macht deutlich, welche Bewusstseinsprozesse in den letzten 25 Jahren wirksam wurden, was #MeToo seit 2017 in unseren Köpfen bewirkt hat. Und damit im Verlaufe des Films auch, was strukturell noch immer gleich geblieben ist. „SOY NEVENKA von Icíar Bollaín“ weiterlesen