QUI VIT ENCORE von Nicolas Wadimoff

Prix de Soleure 2026
© First Hand Films

Neun Menschen malen auf einer Bühne die Umrisse des Gazastreifens auf den Boden. Der älteste, Jawdat Khoudary, ist 62 Jahre alt, die jüngste, Ghada Al Masri, 14. Innerhalb der Markierung malen sie dann je ein Viereck, welches die ungefähre Lage ihres Herkunftsortes im Gazastreifen markiert. Und dann erzählen sie, eine nach dem anderen, wie sie dort gelebt haben, wie die Hölle des Krieges über sie hereinbrach, und wie sie die Flucht nach Ägypten schafften, bevor die israelische Armee im Mai 2024 den Grenzübergang bei Rafah dicht machte.

Nicolas Wadimoff setzt den längst zu unserem globalen Alltag gehörenden Bildern von Tod und Zerstörung und verzweifelten Menschen, deren Namen wir kaum je erfahren, das pure, persönliche Erzählen gegenüber. Wir lernen Menschen kennen, die von ihrem Schicksal, ihrer Familie und ihrem Leben erzählen, einander dabei zuhören und die eine oder andere Schilderung ergänzen oder bestätigen.

Das ist nicht nur ungewohnt, es unterläuft auch systematisch unsere etablierten Abwehrmechanismen. Wegschauen bringt nichts, weil es nicht das Hinschauen ist, das schmerzt, sondern die Bilder, die im Kopf entstehen, beim Zuhören. „QUI VIT ENCORE von Nicolas Wadimoff“ weiterlesen

FITTING IN von Fabienne Steiner

Farbenderby in Stellenbosch © Royal film

«Sechzig Jahre alte Traditionen lassen sich nicht einfach innerhalb eines Jahrgangs verändern.» Das sagt einer der Erstsemestrigen im Studentenwohnheim «Eendrag» der Universität von Stellenbosch in Südafrika. Dabei hat sich das Empfangskomitee aus gewählten älteren Kommilitonen schon am ersten Tag bemüht, den Neuankömmlingen zu zeigen, dass sie an dieser Elite-Universität nicht einfach in starre Konventionen gezwungen werden würden.

Sechzig Jahre alte Traditionen? Das klingt erst einmal nach lächerlich wenig für jemanden, der sich, zum Beispiel, mit den jahrhundertealten Gepflogenheiten der Universität Basel (gegründet 1460) konfrontiert sah, mit Traditionen wie dem dies academicus, oder den teilweise skurrilen, zum Teil aber auch absurd antiquierten Ritualen der Basler Studentenverbindungen. „FITTING IN von Fabienne Steiner“ weiterlesen

ERNEST COLE: LOST AND FOUND von Raoul Peck

© trigon-film

Das Bild zeigt einen schwarzen Polizisten, der einen schwarzen Jungen massregelt. Die Frauen im Hintergrund schauen besorgt zu, der weisse Schnauzträger rechts im Bild, Hände in den Hosentaschen, wirkt unberührt. Die Fotografie hat Ernest Cole in seiner Heimat Südafrika gemacht, sie ist Teil seiner über zehn Jahre hinweg entstandenen Apartheid-Dokumentation «House of Bondage».

Der Fotoband machte den 27jährigen Cole 1967 fast über Nacht berühmt. Und zum Exilanten.

Raoul Peck lässt Ernest Cole seine eigene Geschichte erzählen, seine eigenen Fotos kommentieren. Zu hören ist die Stimme von LaKeith Stanfield, denn Cole ist 1990 in New York im Exil gestorben, verarmt, zerrissen von Heimweh und fast vergessen. „ERNEST COLE: LOST AND FOUND von Raoul Peck“ weiterlesen