DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler

© Calypso Film AG

Edwin Beelers letzter grosser Kinodokumentarfilm war Hexenkinder von 2020. Daran erinnern die ersten Sätze und Bilder im neuen Film des Innerschweizers: «Im Haus des Kaminfegers wohnten drei Brüder. Es hiess, sie hätten schwarze Magie betrieben». Dazu zoomt die Kamera auf die eindrückliche Sepia-Fotografie dreier Männer beim Jassen mit Most. Sie sehen sehr harmlos aus, sehr schweizerisch, wäre da nicht der direkte Blick des mittleren Mannes. Mit weissem Rauschebart und Deckelpfeife scheint er dem Betrachter direkt in die Seele zu blicken.

Um so einen Blick in die Seele geht es Edwin Beeler. Der heute 68jährige spürt mit seinem neuen Dokumentarfilm dem Leben und Sterben seines Grossvaters nach. Der war Kaminfeger in Oberägeri im Kanton Zug.

Respektsperson, Handwerker, Aktivdienstler, Fasnächtler und seinen Kindern ein strenger Vater. «Grossvater wollte die Zukunft seiner Töchter bestimmen», erinnert sich Beeler (mit der Stimme von Hanspeter Müller Drossaart) im Film. Seinen Enkel habe er dann machen lassen, den habe er nicht erziehen müssen. „DER MANN AUF DEM KIRCHTURM von Edwin Beeler“ weiterlesen

HÔTEL SILENCE von Léa Pool

Lorena Handschin (Ana), Sacha Semi-Barthes (Adam), Sébastien Ricard (Jean), Jules Porier (Zoran) © filmcoopi

Nachdem er davon abgekommen ist, sich in seinem Haus in Kanada an einem eigens montierten Deckenhaken zu erhängen, reist Jean, mit besagtem Haken und Werkzeug im Gepäck, in ein bürgerkriegsversehrtes europäisches Land und mietet sich ein, in einem eben wieder eröffneten Hotel, bei Ana und ihrem jungen Cousin Zoran. In seinem Zimmer nutzt er das mitgebrachte Werkzeug dann allerdings erst mal, um den Schrank zu flicken und die rostgefüllten Wasserleitungen zu klären.

Während die verblüffte Ana versucht, Jean als Helfer für die vielen anstehenden Reparaturen im maroden Hotel zu gewinnen, klaut ihr kriegstraumatisierter, stummer kleiner Sohn Adam in einem Engelskostüm den Haken aus Jeans Tasche. Um sich, wie sich später zeigen wird, stilgerecht als Pirat kostümieren zu können.

Auch ohne die klare Symbolik von Adams beiläufig flatternden Engelsflügeln zeichnet sich ab, was diesen Film antreibt: Der lebensmüde Jean und seine kriegsversehrten Gastgeber führen sich gegenseitig ins Leben zurück. „HÔTEL SILENCE von Léa Pool“ weiterlesen

Berlinale 16: THE END von Guillaume Nicloux (Forum)

The End: Gérard Depardieu © Les films du Worso - LGM Films
The End: Gérard Depardieu © Les films du Worso – LGM Films

Von Film zu Film fällt es schwerer, Gérard Depardieu von seinen Rollen zu trennen. Die schiere menschliche Masse, die er mittlerweile auf die Leinwand bringt, macht ihn zum Solitaire.

Berlinale_Balken_2016

Zwar gibt es noch vier weitere Schauspieler in diesem Film, und einen Hund. Aber Guillaume Nicloux weiss um die Präsenz seines Protagonisten, er setzt, legt, stellt ihn formatfüllend ins Bild.

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